Die Zeitrafferaufnahme von Satellitenbildern zeigt die größten Brände im Südosten Australiens am 4. Januar 2020. Die Großstädte Sydney und Canberra sind in dichte Rauchschwaden gehüllt. Rußpartikel verfärbten zuletzt sogar den Himmel über Südamerika, Tausende Kilometer entfernt. © ZEIT ONLINE/Japan Aerospace Exploration Agency

In Australien brennt es seit Monaten. Wiesen und Wälder qualmen, kokeln, glühen und werden zu Asche. Winde tragen Funken weiter. Sie fallen auf vertrocknete Landschaften, Sträucher und Böden, die in Sekunden Feuer fangen. Nächtliche Blitze sorgen für neue Brände, Stürme treiben die Feuer vor sich her. Erfassen die Flammen einen der vielen Eukalyptusbäume, heizen dessen leicht brennbare ätherische Öle die Flammen weiter an.

Die Brandsaison begann dieses Mal besonders früh. Seit September und verstärkt seit Oktober brennen die wildfires: Buschfeuer, wie die Australier Brände in spärlich besiedelten Landschaften nennen, Wald- und Vegetationsbrände, aber auch Siedlungsbrände, die den Menschen bedrohen. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Victoria und New South Wales, die im Südosten des Kontinents liegen. Zwar brennt es in New South Wales jedes Jahr. Aber eben erst später, nämlich im Hochsommer ab Dezember. Und auch die betroffenen Gebiete sind normalerweise andere. Üblicherweise brennt es in dünner besiedelten Regionen, die nicht direkt an der Küste liegen. Dieses Jahr kommt das Feuer ganz nah an die Gebiete heran, in denen ein Großteil der Australier und Australierinnen lebt: Orte entlang der pazifischen Küste, wo Urlauber ihre Ferien verbringen, wo Wohnsiedlungen sind und Großstädte wie Sydney und Canberra.

Quelle: NASA FIRMS (Fire Information for Resource Management System) © ZEIT ONLINE

Die Brände hinterlassen Chaos. Stand 9. Januar 2020: Allein in New South Wales wurden 1.870 Häuser vollständig zerstört, weitere 753 zumindest teilweise. Und die Zahl steigt täglich: 100 der zerstörten Häuser brannten am 7. Januar aus, weitere 180 am 8. Januar. Tausende Menschen mussten ihre Wohnorte verlassen.

Und die Feuer treffen nicht allein die Immobilien: Seit Beginn der Brände im Oktober sind landesweit mindestens 26 Menschen im Feuer oder an seinen Folgen verstorben, darunter vier Feuerwehrmänner. Und in den Wäldern und im Busch sind unzählige Tiere verbrannt.

Buschfeuer - Katastrophenzustand in Australien Weil die Hitzewelle zurückkehrt, befürchten die Behörden weitere Buschbrände. Auch eine weitere Massenevakuierung ist geplant. © Foto: Saeed Khan/ AFP

Der vielleicht größte Flächenbrand aller Zeiten

Es sind wohl die größten Brände in der Geschichte Australiens. Insgesamt brennen und brannten bislang schätzungsweise mehr als zehn Millionen Hektar Land. Das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Eine weit größere Fläche, als bei den riesigen Bränden im US-amerikanischen Kalifornien 2018 zerstört wurde. Und sie ist schon jetzt mehr als zwanzigmal so groß wie die, die im vergangenen Jahr im Amazonasgebiet in Flammen stand. Der aktuelle Stand: Es lodern noch immer rund 170 Feuer in New South Wales und Victoria.

Besonders krass ist das sogenannte Megafeuer im Wollemi-Nationalpark, der sich in der Nähe der Blue Mountains im Nordwesten von Sydney befindet. Hier brannten mehr als 500.000 Hektar Wald und Busch, eine Fläche doppelt so groß wie das Saarland, und an den Rändern brennt es noch immer. Der Brand ist eines der weitflächigsten zusammenhängenden Feuer, das es in den mittleren Breitengraden bislang gab. Vielleicht sogar weltweit.

Zum Glück ist das Wollemi-Parkfeuer unter Kontrolle – so der aktuelle Stand des lokalen Feuerwehrdienstes. Diesen Status erhält ein Brand, wenn Feuerwehrleute ihn nur noch mit Löschmittel patrouillieren und es unwahrscheinlich ist, dass er sich nochmals neu entzündet.

2019 brennt es anders als sonst

2019 war das heißeste und trockenste Jahr in Australien seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Anfang des letzten Jahrhunderts. Am 18. Dezember 2019 wurde mit 41,9 Grad die bislang höchste Durchschnittstemperatur aller Zeiten in Australien gemessen – und in dem ganzen Monat fiel so wenig Regen wie nie zuvor. Das gab die nationale Behörde für Meteorologie in Australien am 7. Januar bekannt. Im Südosten des Landes ist es übrigens schon die vergangenen drei Jahre außergewöhnlich trocken.

Der Weltklimarat IPPC prognostizierte bereits 2014, dass sich die Brandsaison in einigen Risikoregionen, etwa Australien, verlängern könne (Reisinger et al.: Climate Change 2014: Impacts, Adaptation, and Vulnerability, PDF). Genau danach sieht es aktuell aus: Vor Februar erwarten Expertinnen und Experten keine Regenfälle, die helfen könnten, die Brände zu löschen. Stattdessen lautet die Vorhersage zum Wochenende: Die Lage wird sich eher noch zuspitzen. In einigen Brandgebieten werden wieder Temperaturen von mehr als 40 Grad erwartet und heftige Winde mit Geschwindigkeiten von 90 Stundenkilometern, die die Feuer erneut anfachen könnten. Die australischen Behörden haben nun 240.000 Menschen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen, weil die Gefahr bestehe, dass sie sonst von den Flammen eingeschlossen würden. Ein Ende der Brände ist bislang nicht in Sicht.

Australien - Koalas kämpfen ums Überleben Die Buschbrände in Australien bedrohen die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt des Kontinents. Etwa 30.000 Koalas sind verletzt und benötigen Hilfe. © Foto: Reuters TV

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