Die Weltmeere waren im vergangenen Jahr so warm wie nie zuvor seit Beginn der globalen Erfassung. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die im Fachmagazin Advances in Atmospheric Sciences veröffentlicht wurde. Die Erwärmung der Ozeane durch den Klimawandel beschleunige sich zudem, warnt ein Team von 14 Wissenschaftlern aus 11 Instituten verschiedener Länder. Die vergangenen zehn Jahre hätten die höchsten Temperaturen der Meere seit den Fünfzigerjahren gebracht, wobei die jüngsten fünf Jahre die jeweils wärmsten gewesen seien, heißt es in der Untersuchung.

In dem Forschungspapier, das federführend von Cheng Lijing vom Institut für atmosphärische Physik der chinesischen Akademie der Wissenschaften geschrieben wurde, heißt es, dass die Temperatur in Meerestiefen von bis zu zwei Kilometern im vergangenen Jahr um etwa 0,075 Grad über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010 gelegen habe. Die Menge an Energie in Form von Wärme, die der Mensch über den Klimawandel in den vergangenen 25 Jahren den Ozeanen zugeführt habe, würde laut den Wissenschaftlern dem Ausmaß von 3,6 Milliarden Hiroshima-Atombomben entsprechen.

Für ihre Forschung nutzten die Wissenschaftler relativ neue Methoden, um die Daten für die Erwärmung bis in 2.000 Metern Meerestiefe zusammenzufassen. "Wer die globale Erwärmung verstehen will, muss die Meereserwärmung messen", sagte John Abraham, ein Mitautor der Studie aus den USA. Seit 1970 hätten sich mehr als 90 Prozent der Erderwärmung auf die Ozeane ausgewirkt, während nur vier Prozent die Landfläche und die Atmosphäre erhitzt hätten.

Wärmere Meere begünstigen Wetterextreme

Entsprechend verbanden die Forscher die Ergebnisse ihrer Untersuchung mit einem Aufruf zum Handeln. Die Folgen der Erderwärmung seien katastrophal. Steigende Meerestemperaturen führten zu Wetterextremen wie Wirbelstürmen und heftigen Niederschlägen. Auch seien sie einer der Hauptgründe dafür, dass es zu verheerenden Waldbränden wie etwa gerade in Australien komme. In den Meeren würden zudem Sauerstoffarmut, Schäden für Fische und andere Lebewesen drohen.

Die Menschheit könne etwas gegen den Klimawandel tun, sagte Abraham.: "Wir können unsere Energie klüger nutzen, und wir können unsere Energiequellen diversifizieren." Ihm zufolge würden die Meere allerdings lange brauchen, um auf Veränderungen zu reagieren. So heißt es in dem Forschungspapier: "Es ist wichtig, festzustellen, dass die Meereserwärmung voranschreitet, selbst wenn die weltweite Lufttemperatur an der Oberfläche bei oder unter zwei Grad stabilisiert werden kann." Allerdings würden Tempo und Ausmaß der Meereserwärmung mit weniger Treibhausgasemissionen zumindest abnehmen.

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