Beobachtungsdaten und Klimamodelle zeigen, was passiert, wenn sich unser Planet erwärmt. Mit ihrer Hilfe ermitteln Wissenschaftler, ob extremes Wetter, Hitze oder Dürre etwa, durch die Erderwärmung wahrscheinlicher werden. Für die Brände in Australien steht nun fest: Durch den Klimawandel ist die Wahrscheinlichkeit für sie seit dem Jahr 1900 um mindestens 30 Prozent gestiegen, wahrscheinlich sogar noch um weit mehr. Das haben Forscherinnen und Forscher der World Weather Attribution (WWA) berechnet (World Weather Attribution: Otto et al., 2020).

Zudem hätten die realen Bedingungen in Australien, die die Brände verschärft haben, sich schneller verschlechtert als es die Klimamodelle simulieren. Deshalb schätzt das Forscherteam, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit für die Brände sogar um rund 80 Prozent erhöht hat.

Australiens Feuer waren außergewöhnlich

Die Brände, die zum Jahreswechsel vor allem die australische Südostküste betrafen, waren monatelang nicht zu stoppen. Inzwischen lodern sie nur noch an einzelnen Orten und sind unter Kontrolle, so wie es während der Wald- und Buschbrandsaison ohnehin üblich ist. Zwischenzeitlich aber bedrohten sie ganze Städte und Tausende Menschen. Sie wirkten sich auf Wetterphänomene auf anderen Kontinenten aus und verfärbten durch verwehte Rußpartikel etwa den Tausende Kilometer entfernten Himmel über Südamerika rötlich. Mindestens 19 Millionen Hektar Land verbrannten neuesten Erkenntnissen zufolge – stellt man sich diese Fläche in Europa vor, wäre mehr als die Hälfte Deutschlands betroffen. Die Feuer zerstörten fast 6.000 Gebäude, töteten mindestens 34 Menschen und mehr als 1,5 Milliarden Tiere, darunter Arten, die bereits zuvor vom Aussterben bedroht waren. Fast 80 Prozent aller Australier gaben an, auf irgendeine Weise von den Bränden betroffen gewesen zu sein.

Welche Bedingungen haben zu den Feuern geführt?

Was hat die Feuer ausgelöst? Darüber stritten Medien, Regierungsvertreter und Umweltschützer. Waren die Brände natürlichen Ursprungs, entstanden sie etwa durch Blitzeinschläge? Wurden sie gelegt, um gezielt Flächen abzubrennen, die sonst unkontrolliert brennen hätten können? Ganz gleich, wie sie begannen, sicher ist: Die Gefahr, dass Feuer entstehen und sich rasant ausbreiten können, war so groß wie nie zuvor. Dazu kommt auch, dass die Brandsaison länger geworden ist: Denn im besonders betroffenen Bundesstaat New South Wales brennt es jedes Jahr, aber normalerweise eben erst später, nämlich im Hochsommer ab Dezember. 

Und inwiefern sind solche Bedingungen aufgrund des Klimawandels wahrscheinlicher geworden? Fest stand bislang, dass mehr heiße Tage und mehr Hitzewellen Feuer begünstigen. Auf einem immer wärmeren Planeten häufen sich diese naturgemäß. Wie viel Schuld der Klimawandel an den Feuern trägt, untersuchen Wissenschaftlerinnen in sogenannten Attributions-, also Zuordnungsstudien. Friederike Otto hat an der gerade erschienenen Studie mitgearbeitet.

ZEIT ONLINE: Als im Januar die Waldbrände im Südosten Australiens besonders schwer wüteten, hörte man überall, das ist der Klimawandel. Musste man das noch untersuchen?

Otto: Viele Studien haben tatsächlich schon belegt, dass der Klimawandel generell die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen erhöht hat. Die rekordverdächtige Juni-Hitzewelle im vergangenen Jahr in Frankreich hat der Klimawandel mindestens fünfmal wahrscheinlicher gemacht (World Weather Attribution: van Oldenborgh et al., 2019, PDF). Und im Jahr davor haben wir herausgefunden, dass der heiße Sommer 2018 in Deutschland nicht bloß eine Wetterschwankung war, sondern Teil der globalen Erwärmung (World Weather Attribution: Otto et al., 2018). Als Australien Ende des vergangenen Jahres eine Rekordhitze erlebte, konnte man deshalb schon sagen, dass der Klimawandel auf alle Fälle irgendeine Rolle spielt.

Friederike Otto ist Physikerin und geschäftsführende Direktorin des Environmental Change Institute der Universität Oxford, England. Sie leitet die World Weather Attribution Initiative gemeinsam mit Geert Jan van Oldenborgh. © Environmental Change Institute

ZEIT ONLINE: Was machte die Situation jetzt in Australien so besonders?

Otto: Die Australier sprechen hier vom "Feuerwetter", das den Ausbruch von Bränden ermöglicht und begünstigt. Die Faktoren, die da eine Rolle spielen, fassen Meteorologen in einem Index zusammen, dem Fire Weather Index. Er wurde ursprünglich in Kanada entwickelt und fasst Kenngrößen wie Temperatur, Trockenheit, Windgeschwindigkeit und Bodenfeuchte zusammen. Studien des australischen Bureau of Meteorology haben gezeigt, dass dieser Index das tatsächliche Ausmaß von Buschbränden in Australien gut wiedergibt. In der jetzt veröffentlichten WWA-Studie haben wir nun ausgerechnet, wie sich der Klimawandel konkret in dem betroffenen Gebiet auf die Wahrscheinlichkeit von Feuerwetter auswirkt.

ZEIT ONLINE: Welches Gebiet ist das?

Otto: Wir haben uns auf die Bundesstaaten New South Wales und Victoria im Südosten Australiens konzentriert, weil dort im Dezember und Januar die größten Brände wüteten. Diese Gegend ist gleichzeitig relativ stark besiedelt und die Rauchbelastung war besonders stark. Ein echtes Extremereignis also.