Der Klimawandel ist verheerend – und menschengemacht – Seite 1
Es wird heiß und trocken, es schmelzen Gletscher, das Meereis in der Arktis geht zurück, die Ozeane erwärmen sich, werden saurer und der Meeresspiegel steigt – seit diesem Jahrtausend deutlich schneller als in den Jahrzehnten zuvor. Was der Klimawandel anrichten kann, ist eigentlich hinlänglich bekannt. Und doch findet die Klimaforschung täglich mehr Details darüber, wie die globale Erwärmung diesen Planeten verändert.
In seinem neuen Bericht bringt der Weltklimarat IPCC uns nun auf den neuesten Stand der internationalen Forschung. Und erstmals gibt es ein Kapitel über das bisherige Wissen um den Zusammenhang zwischen Extremwetterereignissen und dem Klimawandel. Was sind die wichtigsten Aussagen des Berichts? Ein Überblick:
Der Klimawandel ist menschengemacht und klar belegt
Gleich zu Beginn weisen die Forschenden eindeutig auf das, was die Klimaveränderungen zur vielleicht größten globalen Krise machen: "Es ist ohne Zweifel, dass sich die Atmosphäre, der Ozean und das Land durch den Einfluss des Menschen aufgewärmt haben." Die Erforschung, für welche Veränderungen des globalen Klimas der Mensch verantwortlich ist und welche womöglich natürlichen Ursprungs sind, war bisher einer der wichtigsten Bereiche in allen Klimaberichten des Rats.
Auch weiterhin werden Beweise dafür gesammelt – selbst wenn der Klimawandel längst klar erkennbar ist: Jedes Jahrzehnt seit Beginn der Temperaturmessungen 1850 war im globalen Schnitt wärmer als das vorherige, heißt es im Bericht. Auf dem Land steigen die Temperaturen deutlich schneller als über dem Ozean. Aktuell ist die globale Temperatur im Vergleich zu dem Zeitraum zwischen 1850 und 1900 um etwa 1,1 Grad Celsius gestiegen.
Besonders eindrücklich: Bereits um das Jahr 2030 wird die mittlere globale Temperatur wohl um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen
Zeitalter gestiegen sein – und damit zehn Jahre früher, als noch 2018
prognostiziert. Je nachdem, wie Emissionen in den kommenden Jahren reduziert werden, dürften die 1,5 Grad aber bis spätestens 2040 überschritten werden. Es scheint damit kaum mehr möglich, die Erderwärmung bei diesem Wert zu halten. Dabei sind es diese 1,5 Grad, auf die sich die Weltgemeinschaft im Pariser Klimaabkommen geeinigt hatte.
"Das Ausmaß der jüngsten Entwicklungen im Klimasystem (…) ist über viele Jahrhunderte bis Jahrtausende hinweg beispiellos." Gemeint ist zum Beispiel die Tatsache, dass noch nie in den vergangenen zwei Millionen Jahren die Konzentration an Kohlendioxid (CO2) so hoch gewesen sein dürfte wie im Jahr 2019. Oder dass die durchschnittliche Fläche des Meereises in der Arktis zwischen 2011 und 2020 so niedrig war wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850.
Klimaschutz braucht Geduld
Wenn der Mensch die Emissionen seiner Treibhausgase herunterfährt, wird er erst spät ein Ergebnis sehen: "Viele Veränderungen, die auf vergangene und künftige Treibhausgasemissionen zurückzuführen sind, lassen sich über Jahrhunderte bis Jahrtausende nicht rückgängig machen, insbesondere Veränderungen der Ozeane, der Eisschilde und des globalen Meeresspiegels."
Würden Emissionen sofort reduziert, würde sich der Effekt erst nach vielen Jahren zeigen, beispielsweise an der sinkenden CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Eine Änderung der globalen Temperatur wäre wohl frühestens nach rund 20 Jahren erkennbar. Der Meeresspiegelanstieg, den der Mensch jetzt auslöst, wird allerdings wahrscheinlich noch weit bis nach Ende des Jahrhunderts spürbar sein.
Extremwetterereignisse verschärfen sich auch bei kleinen Klimawandelschritten
Der Bericht beschäftigt sich zudem intensiv mit Extremwetterereignissen. Dabei geht es meist um Hitzewellen, starke Niederschläge, Dürren und tropische Wirbelstürme. Jede Region der Welt sei davon betroffen und die Forschung dazu habe große Fortschritte gemacht, erklärte Sonia Seneviratne in einer Pressekonferenz mit dem deutschen Science Media Center vor Veröffentlichung des Berichts. Sie forscht an der ETH Zürich zu Klimasystemmodellierungen und war eine der Hauptautorinnen des Kapitels zu Wetterextremen.
So können die Forscherteams einige Einschätzungen zu Extremwetter deutlich präzisieren: zum Beispiel, dass sich die Anzahl der Extreme ungleich stärker entwickelt, als sich die Erde erwärmt. Ein Beispiel: Hitzeereignisse über Land, die so stark sind, dass sie im 19. Jahrhundert nur einmal in 50 Jahren stattgefunden haben, gibt es heute etwa fünfmal so häufig, also im Schnitt alle zehn Jahre. Erwärmt sich der Planet bis 2100 um 1,5 Grad Celsius, gäbe es ein solches Ereignis ungefähr alle sechs Jahre (8,6-mal wahrscheinlicher), bei zwei Grad Celsius etwas häufiger als alle vier Jahre (13,9-mal wahrscheinlicher). Und bei vier Grad Erwärmung wäre es fast 40-fach wahrscheinlicher, heißt also: extreme Hitze im Prinzip jedes Jahr.
So fundierte wie besorgniserregende Faktenlage
Zu anderen Extremereignissen ist die Datenlage nicht so eindeutig wie zu Hitzewellen. Dennoch gehen Forschende davon aus, dass Dürren und Starkregen deutlich wahrscheinlicher werden. Das kann je nach Region allerdings sehr unterschiedlich ausfallen: Dürren etwa werden besonders im Mittelmeerraum und im Westen Nordamerikas zunehmen, aber auch in West- und Zentraleuropa oder in vielen Teilen Afrikas. Für viele Regionen gibt es aber nur unzureichende Daten dazu. Lediglich im Norden Australiens könnten Dürren seltener werden.
Extrem starke tropische Wirbelstürme der Kategorien drei bis fünf wurden in den vergangenen vier Jahrzehnten häufiger beobachtet und haben auch ihre Bewegungsmuster verändert – eine Entwicklung, die durch natürliche Variabilität allein nicht erklärbar sei, heißt es in dem Bericht. Starkregenereignisse, die gemeinsam mit so einem Wirbelsturm auftreten und in der Kombination höchstwahrscheinlich an Intensität gewinnen, könnten zudem mit hoher Sicherheit auf menschlichen Einfluss zurückgeführt werden.
Neue Daten zu regionalen Klimarisiken und Kipppunkten
Die größte Neuerung bietet der Bericht ganz zum Schluss: Die Klimaforschung kann heute deutlich präziser einschätzen, welche Klimarisiken in welcher Region drohen, als noch vor einigen Jahren. Auf diesem Gebiet habe man "bahnbrechende Fortschritte gemacht", sagte Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie gegenüber dem Science Media Center. Grund dafür sind deutlich verbesserte Klimamodelle, die beispielsweise die Entwicklung von Gewittern viel besser einschätzen könnten als früher.
Im letzten Kapitel findet sich deshalb ein interaktiver Atlas, in dem beispielsweise Vertreterinnen aus der Politik aktuelle Einschätzungen zu regionalen Klimarisiken erkunden können. Das könnte helfen, die erforderlichen Maßnahmen an Risiken wie Dürren, Starkregen, Sturmfluten oder Hitze passgenauer zu gestalten.
Auch den Kipppunkten im Klimasystem widmet sich der Bericht: Damit sind Umstände gemeint, die ab einer gewissen Schwelle eine Entwicklung auslösen können, die eine sich selbst verstärkende Dynamik haben – wie eine Dominokette, nachdem der erste Stein gefallen ist. So ein Kipppunkt wird beispielsweise in der Westantarktis vermutet oder im Amazonasregenwald. Für die Forschenden des Weltklimarats, die mit allerhöchstem Anspruch an wissenschaftliche Belege auf die Kipppunkte schauten, gibt es dazu allerdings noch viele offene Fragen. Ereignisse wie diese "können nicht ausgeschlossen werden und sind Teil der Risikoeinschätzung", heißt es aufgrund der schwierigen Beweislage in dem Bericht.
Die Fakten sprechen für sich
"Dieser Bericht ist ein Realitätscheck", sagte Valérie Masson-Delmotte, eine der Leiterinnen der Arbeitsgruppe bei der Präsentation des Berichts. "Wir haben jetzt ein deutlich klareres Bild von der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft des Klimas – was essenziell ist, um zu verstehen, wo es hingeht, was getan werden und wie sich darauf vorbereitet werden kann."
Auf Letzteres werden die anderen Arbeitsgruppen eingehen, deren Berichtsteile im kommenden Jahr erscheinen werden. Sie werden im Detail präsentieren, was zu tun ist und wie sich der Mensch an seine Umwelt anpassen muss.
Was Masson-Delmotte aber auch gemeint haben könnte: Dieser Bericht ist keine Warnung, in der Forschende die Politik auffordern, umgehend auf den Klimawandel zu reagieren. Er bildet lediglich die Realität hab. Dieser sechste Sachstandsbericht präsentiert nur die Fakten. Und die dürften Warnung genug sein.
Es wird heiß und trocken, es schmelzen Gletscher, das Meereis in der Arktis geht zurück, die Ozeane erwärmen sich, werden saurer und der Meeresspiegel steigt – seit diesem Jahrtausend deutlich schneller als in den Jahrzehnten zuvor. Was der Klimawandel anrichten kann, ist eigentlich hinlänglich bekannt. Und doch findet die Klimaforschung täglich mehr Details darüber, wie die globale Erwärmung diesen Planeten verändert.
In seinem neuen Bericht bringt der Weltklimarat IPCC uns nun auf den neuesten Stand der internationalen Forschung. Und erstmals gibt es ein Kapitel über das bisherige Wissen um den Zusammenhang zwischen Extremwetterereignissen und dem Klimawandel. Was sind die wichtigsten Aussagen des Berichts? Ein Überblick: