Tabak als Droge war auf dem amerikanischen Kontinent schon Jahrhunderte vor Christi Geburt bekannt. Er diente den Indianern zur Kontaktaufnahme und Zwiesprache mit den Göttern.Der Tabakkonsum war während Kulthandlungen und Zeremonien üblich, zu den wohl bekanntesten Gebräuchen gehört die Friedensschluss-Zeremonie, die ihren Abschluss mit dem Rauchen der Friedenspfeife zwischen zwei verfeindeten Völkern fand. Die Eingeborenen nutzten die Tabakblätter außerdem als Arzneimittel zur Wunddesinfektion oder gegen Würmer.Die Europäer hatten den ersten Kontakt mit der Tabakpflanze mit der Entdeckung der Neuen Welt durch Kolumbus im Jahre 1492. Anfangs zeigte dieser wenig Interesse an der Sitte des Tabakrauchens, im Gegenteil zu den Besatzungsmitgliedern seiner Flotte. Die heimkehrenden Seefahrer brachten die Tabakpflanze im 16. Jahrhundert von ihren Erkundungstouren mit nach Hause und so fand der Tabak seinen Weg nach Europa und Afrika und von dort in den Nahen und Fernen Osten sowie nach Australien. Erst wussten die Europäer nicht so recht, was sie mit der Pflanze anfangen sollen. Schnell war ihnen aber klar, dass das Rauchen von Tabak Genuss bereitete. Da im Mittelalter alles Vergnügliche als verwerflich galt, bezeichneten die Gegner es schon bald als Laster. In Spanien galt das Rauchen als heidnische Sitte, die Inquisition nahm an, dass der Teufel in den Raucher gefahren sei und er deshalb höllischen Rauch ausstieße.Ob als Zierpflanze geschätzt, als Heilmittel gebraucht, geschnupft oder geraucht, der Tabak verbreitete sich langsam in ganz Europa. Die Niederländer entwickelten als erste eine sogenannte Rauchkultur, die Engländer zogen nach. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) verbreiteten ausländische Soldaten aus Spanien, England, Holland und Schweden die Sitte des Rauchens in Deutschland. Der Tabak fand großen Anklang unter den Soldaten, die ihn kauten, schnupfen oder in der Pfeife rauchten. Aus moralischen Gründen war im 17. Jahrhundert der legale Verkauf von Tabak nur Apotheken zu medizinischen Zwecken erlaubt. Die Zahl der Konsumenten war jedoch schon so hoch, dass nicht mehr dagegen vorgegangen werden konnte. Dazu kam, dass die Tabakkaufleute als Ehrenmänner galten und diese das wertvolle Gut ganz offiziell dem Adel verkaufen durften. Damit wurden die moralischen Gründe eines Verbotes unglaubwürdig und die Sitte des Pfeife-Rauchens allgemein bekannt und weit verbreitet. Wirtschaftliche Gründe führten im 18. Jahrhundert schließlich zur Legalisierung des Tabaks. Eine Tabaksteuer wurde erhoben, die den Königreichen als wichtige Einnahmequelle diente.Im darauffolgenden Jahrhundert kam dann das Zigarre-Rauchen in Mode und verdrängte die Pfeife. Es waren vor allem Könige die Bourgeoisie, die dazu beitrugen, dass die Zigarre zum Statussymbol wurde. Sie symbolisierte Wohlstand, Macht und Männlichkeit. Die kubanische Zigarre wurde zum Exportschlager, bald war Tabak ein erfolgreicheres Exportgut als Kaffee.Das 20. Jahrhundert stand im Zeichen der Industrialisierung. Der stattfindende Wandel in der Gesellschaft schlug sich auch in der Art des Tabakkonsums nieder. Man setzte auf Tempo, die Arbeitsvorgänge beschleunigten sich und dank der Erfindung des Automobils bewegte man sich schneller fort. Kein Wunder, dass die Zigarre bei dieser Geschwindigkeit nicht mithalten konnte. Die Zigarette lag nun im Trend der Zeit, sie passte zum Tempo des modernen Lebens. Zigaretten rauchen galt als weltgewandt, schick und auch etwas verwegen.Der Tabakkonsum galt bis zum Einzug der Zigarette als klares Privileg des Mannes. Die Situation änderte sich jedoch rasch. Immer mehr Frauen ließen sich von den Glimmstängeln verführen, ein deutliches Zeichen der beginnenden Emanzipation.Wieder einmal waren es Soldaten im Krieg, die das Konsumgut Tabak verbreiteten. Der eher milde und feine Zigarettentabak wurde im Osmanischen Reich und in Russland angebaut. Französische und englische Soldaten, die Ende des 19. Jahrhunderts am Krim-Krieg beteiligt waren, brachten diesen mit nach Hause.Auch im ersten und zweiten Weltkrieg wurde an der Front geraucht. Der Zigarettenkonsum vervierfachte sich sogar während des Zweiten Weltkrieges. Es galt als patriotischer Akt, den Soldaten Zigaretten zu schicken. Fast alle Soldaten rauchten, das "Laster" verband und ließ neue Kontakte entstehen. Außerdem wurde die Zigarette als Beruhigungsmittel verwendet, da sie eine entspannende Wirkung hatte, die Müdigkeit unterdrückte und Hungergefühle unterband.Die Nationalsozialisten führten in den 30er und 40er Jahren die stärkste Anti-Raucher-Bewegung der Welt an. Sie verbaten jungen Frauen das Rauchen, weil sie darin eine Gefährdung der Rasse sahen. Rauchverbote wurden am Arbeitsplatz, in Straßenbahnen und Bussen, in Luftschutzbunkern und Krankenhäusern eingeführt. Dennoch gab es für die deutschen Soldaten Tabakrationen. Zigaretten waren in der Zeit des Elends ein kostbares Tauschmittel. Seidenstrümpfe kosteten zum Beispiel 48 Zigaretten, ein Gramm Gold 32 Zigaretten.Der 2. Weltkrieg und der Einzug der westlichen Alliierten förderten das Rauchen in erheblichem Maße. Beim "american way of life", der sich langsam über das besiegte Deutschland zog, durften nicht die freiheitsverheißende Zigaretten wie "American-Blend" oder "Lucky Strike" fehlen.Erst Mitte des 20. Jahrhunderts stellten Wissenschaftler erste Untersuchungen zur Schädlichkeit des Rauchens an. Sie verwiesen darauf, dass Rauchen zu Lungenkrebs und anderen Krankheiten führen könne. Das Inhalationsgift würde nicht nur den aktiven Raucher, sonder auch das passive Umfeld gefährden. Das kurbelte wiederum die Werbebranche an, die sich fortan neue Strategien überlegen musste, neue Konsumenten zu finden und alte bei der Stange zu halten.Deutschland hat sich zu einem Land mit einer ausgeprägten Raucherkultur entwickelt. Im Jahr 2000 wurden in Deutschland etwa 140 Milliarden Zigaretten verbraucht. Die Ausgaben dafür belaufen sich auf über 20 Milliarden Euro.Die Tabakindustrie setzt bis heute auf massive Werbung, Regierung und Gesellschaft auf Nicht-Raucher-Kampagnen. Das Rauchverbot im Flugzeug, ausgewiesene Raucherbereiche in Restaurants und Zügen machen dabei nur den Anfang. Durch Verboten konnte in geschichtlicher Hinsicht aber noch nie viel bewirkt werden. Das Verlangen nach Drogen liegt wohl in der Natur des Menschen. Deshalb greift wohl nur eine Maßnahme: ein weiteres Anheben der Tabaksteuer. Wenn wir Tabakpreise wie in Skandinavien bekommen, überlegt sich bestimmt der ein oder andere das Laster fallen zu lassen.