Ayurveda (übersetzt "Das Wissen des Lebens") ist als alternative Heilmethode seit etwa 15 Jahren in Deutschland bekannt. Die Ursprünge gehen auf die Zeit bis 3.000 v. Chr. zurück, als weise Männer (Rishis) im indischen Teil des Himalaya die Veden verfassten. Ayurveda versteht sich als präventive Wissenschaft mit einer philosophischen und einer praktischen Grundlage. Die Philosophie beruht auf dem Sankhya- und dem Yogasystem . Traditionelle Behandlung: Die synchron ausgeführte Ölmassage "Abhyanga" Die ayurvedischen Schriften gehören zu den so genannten Upaveden (Nebenveden) und sind in Sanskrit verfasst, der Ursprache Südasiens. Sie weisen auf ein profundes medizinisches Wissen der damaligen Welt hin. So enthalten sie erste Schilderungen über die Heilung von Tuberkulose sowie über Verfahren der Wiederbelebung. Ausgrabungen im Industal deuten darauf hin, dass bereits während der Harappakultur vor 4.000 Jahren therapeutische Substanzen einsetzt wurden, die sich später in den ayurvedischen Schriften wiederfanden. Dazu zählen beispielsweise die Blätter des Neembaumes oder das Mittel Silajatu gegen Diabetes. Das bisher älteste noch vorhandene Lehrwerk ist die Sammlung des Gelehrten Caraka, die Caraka Samhita . Es ist nicht bekannt, wann exakt Caraka die Ur-Aufzeichnungen des Weisen Agnivesha aufbereitet und ergänzt hat. Es gibt Angaben von 700 v. Chr. bis zu 2.000 v. Chr. Diese Zeit gehört zum Ende des Satyayuga , des "Goldenen Zeitalters", als nach der Überzeugung des Ayurveda die ersten Krankheiten erschienen. Wörtlich ist in der Caraka Samhita zu lesen: "Zu der Zeit, als die ersten Krankheiten auftauchten, die die alten Weisen bei ihren sakralen Tätigkeiten störten und die damals übliche Langlebigkeit beeinflussten, setzten sich die großen Weisen (...) und andere große Heilige (...) in einem Tal des Himalayas zusammen, um dieses auserlesene und besondere Thema zu besprechen" (CS I.6-15). Auch zum Thema Ganzheitlichkeit gibt es viele Textpassagen, so unter anderem: "Das, was wir Leben nennen, ist nichts anderes als die Verbindung von Geist, Seele und Körper (...)" (CS I.42 und "(Daher) können die Ursachen der Krankheiten sowohl im Körper als auch im seelischen Bereich liegen" (CS I.55). Etwa ein Jahrhundert später schrieb ein Gelehrter namens Susruta im heutigen Benares die Susruta Samhita , die sich auf chirurgische Verfahren der damaligen Zeit konzentrierte. Beide Schriften sind noch heute vorhanden. In zahlreichen Hymnen beschreiben sie den Organismus aus damaliger Sicht, Krankheiten und therapeutische Maßnahmen, Namen der zu benutzenden Kräuter und Mischungen. Sogar Anweisungen über Operationen, Psychotherapie, Toxikologie und Verjüngungstherapie sind enthalten. Erstaunlich: Die Caraka Samhita enthält bereits ein Hohelied auf die Buttermilch, die für Erkrankungen aus dem Element Vata eingesetzt werden kann. Das Pulstasten gehört im Ayurveda seit jeher zur wichtigsten Diagnoseform Seine Blütezeit erlebte der Ayurveda etwa zwischen 700 v. Chr. und 1.000 n. Chr. Als die Moslems ab 1.100 n. Chr. Indien besetzten, führten sie das islamische Heilverfahren der Unani ein. Für einige Jahrhunderte galten moslimische Ärzte als die besten der Welt. Unter der britischen Herrschaft ab 1839 wurden Unani und Ayurveda endgültig verbannt, westliche Medizin galt als die einig wahre Heilmethode. Nach der Unabhängigkeit 1947 belebte der Arzt M. Nadkarni die Praxis des "Wissens vom Leben" erneut durch die "Indische Materia Medica", eine Sammlung von mehr als 2.000 indischen Gerichten und Kräutern. Heute gilt Ayurveda in vielen Teilen Indiens als Volksmedizin. Vor allem im südindischen Kerala und auf Sri Lanka hat sich zudem ein touristischer Zweig herausgebildet. Zahlreiche Hotels bieten dort Ayurveda-Kuren an. Die Mehrzahl der deutschen Ayurveda-Behandlungszentren stützen sich heute auf die Lehre des Maharishi Mahesh Yogi. Der mittlerweile weit über 80 Jahre alte indische "Meisterseher", zu dem einst auch die Beatles pilgerten, hat den Ayurveda in eine für westliche Menschen verständliche Form übersetzt. Daneben gibt es eine Reihe guter und preiswerter Seminarhäuser und Ausbildungsstätten, die Ayurveda-Anwendungen durch fachkundige Masseure anbieten. Diese führen außer der beliebten Ölmassage auch Akupressur aus. Zu nennen sei hier beispielsweise die Villa Schaffhausen in Bad Honnef, das Ayurveda-Haus im Hochtaunus, das mit einem Zentrum in Sri Lanka verbunden ist oder das Institut für Ayurveda und Komplementärmedizin in Bad Homburg.