Das Z2X-Festival der neuen Visionäre von ZEIT ONLINE ist an diesem Samstag zu Gast in München. 200 Teilnehmende zwischen 20 und 29 Jahren diskutieren bei Z2X³ Ideen, wie sie das eigene Leben besser machen können – oder die Welt. Auch der Student Gabriele Semino stellt sein Projekt vor: Er und sein Team von der TU München arbeiten an der Zukunft der Mobilität, dem Hyperloop. Wie die Studenten sich gegen Erfinder aus der ganzen Welt behaupten, erzählt er hier.

Da sitzt du in L.A. mit deinem Projekt und der Mann, der Raketen ins All schießt und wieder landen lässt, ist beeindruckt. Ein größeres Kompliment kann man sich wohl von Elon Musk nicht wünschen. Zusammen mit meinem Team aus 40 Studierenden war ich im August 2017 in den USA – weil der Milliardär und SpaceX-Chef Elon Musk unseren Pod sehen wollte. Wie verrückt ist das, bitte?

Wir sind das, was viele schon eine Hyperloop-Bewegung nennen. Firmen haben dafür mehrere Hundert Millionen Dollar eingesammelt. Alles nur, weil Elon Musk vor fünf Jahren eine Idee auf ein paar Seiten beschrieben und ins Netz gestellt hat. Er spricht von einem fünften Transportmittel neben Zug, Auto, Flugzeug und Schiff: dem Hyperloop.

Was das ist? Kapseln oder eben Pods mit jeweils vielleicht 40 Leuten an Bord, die durch eine Vakuumröhre mit nahezu Schallgeschwindigkeit befördert werden – also fast 1.200 Kilometer pro Stunde schnell.

Irgendwas, das sich Hyperloop nennen kann, wird es einmal geben, da bin ich mir ziemlich sicher. Die erste Strecke führt vielleicht durch einen arabischen Staat, wo Geld und Raum keine Hindernisse sind. Geradeaus durch die Wüste in Schallgeschwindigkeit fahren, das wäre nicht zu kompliziert. Später könnte es in anderen Städten auf der Welt Hyperloops geben. Günstig, schnell, umweltfreundlich, das Fortbewegungsmittel der Zukunft.

Elon Musk hat zwar beschrieben, wie ein Hyperloop für ihn aussehen soll. Aber keiner sagt, dass das die beste Lösung ist. Deshalb dachte er sich zusammen mit seiner Firma SpaceX die Hyperloop Pod Competition aus, ein Wettbewerb für Studentinnen und Studenten. Der geht jetzt in die dritte Runde, und ich bin seit der zweiten als Teamleiter mit dabei. In der ersten Runde ging es vor allem ums Design. Es gab an die 1.200 Bewerbungen, auch von Hobbybastlern. Heute sind wir noch rund 20 Teams weltweit, die an ihren Projekten schrauben. Seit der zweiten Runde geht es vor allem darum, wie schnell sich die Kapsel durch die luftleere Röhre schießen lässt.

In der zweiten Runde haben mein Team und ich 324 Stundenkilometer geschafft, das müssen wir jetzt übertreffen. Unser Pod soll einmal magnetisch in der Röhre schweben, anders als Musk sich das ursprünglich vorgestellt hat.

Fürs Studium ist keine Zeit mehr – das macht nichts

Student, aber eigentlich Vollzeit-Teamleiter des studentischen WARR-Hyperloop-Projekts an der TU München: Gabriele Semino

Eigentlich studiere ich Applied and Engineering Physics im Master an der TU München, doch dazu komme ich nicht mehr. Im Hyperloop-Projekt bin ich quasi Vollzeit dabei. Nach der zweiten Runde des Wettbewerbs wollte ich eigentlich aufhören. Daraus ist aber nichts geworden, denn als wir gewonnen hatten, war die Euphorie zu groß. Aber das macht nichts. Viel wichtiger ist mir, während des Studiums ein ganzes Projekt alleine von Anfang bis Ende zu betreuen, dabei zu sein, zu organisieren. In unserem Team sind wir alle maximal im Masterstudium. Wir entwickeln zusammen, sehen, wie sich etwas aufbaut, und wir verbringen gerne Zeit miteinander.

Ohne die vielen Sponsoren gäbe es das Projekt gar nicht. Viele Firmen suchen junge Leute. Ingenieure, die auch schon mal was gebaut haben und nicht nur aus der Theorievorlesung kommen und noch nie einen Schraubenzieher in der Hand hatten. Das geht mit dem Hyperloop und einem Wettbewerb, der auch gutes Marketing ist – denn Elon Musk ist schon eine Hausnummer. Auf unserem Pod kleben zahlreiche Logos von Firmen, die uns unterstützen.

Mittlerweile treffen wir auf viele junge Leute, die sich nun für Mobilität interessieren. Das ist schon toll, was da passiert. Ich glaube schon, dass das, was ich jetzt lerne, mich in Zukunft begleiten wird, entweder in einer Hyperloop-Firma oder auf einer Forschungsstrecke. Und wer weiß, vielleicht stehe ich bald in der Wüste in Dubai und schaue dem ersten Hyperloop bei der Testfahrt zu.