Wie wollen wir leben, lieben, arbeiten? Im Funkhaus des BR in München trafen sich beim Festival Z2X³ auf Einladung von ZEIT ONLINE 200 Menschen im Alter von 20 bis 29, um einen Tag lang gemeinsam Ideen für eine bessere Zukunft zu entwickeln.

Das Programm jedes Z2X-Festivals entsteht aus den Ideen aller Interessierten, die sich für München mit eigenen Beiträgen etwa zu Stadtentwicklung, Naturschutz, Digitalisierung, Zukunft der Arbeit, Mobilität und Diversität beworben hatten.

Hier stellen wir fünf Ideen "zur Verbesserung der Welt oder des eigenen Lebens" vor, die in den Workshops und Frag-mich-alles-Sessions von Z2X³ diskutiert wurden. Die nächsten Festivals finden am 12. Mai in Hamburg und am 26. Mai in Frankfurt am Main statt – es gibt noch Plätze!

Von der Forstwirtschaft den Umgang mit der Zukunft lernen


Eva Ritter, 28, ist Försterin – und muss sich jeden Tag Gedanken darüber machen, wie die Welt in 60 oder 70 Jahren aussieht. Ein Wald braucht mehrere Jahrzehnte, um zu wachsen. Eva muss also schon heute Bäume pflanzen, die für das zukünftige Klima fit sind. Bei ihrer Arbeit muss sie sich stets mit einem Thema auseinandersetzen, dass für viele Branchen noch sehr abstrakt ist: der Erderwärmung. Experten gehen zum Beispiel davon aus, dass das Klima in der Gegend um München im Jahr 2080 so warm sein wird wie heute in Kroatien. Also müssen in Bayern Bäume gepflanzt werden, die sich später bei diesen Temperaturen wohl fühlen werden: etwa die Douglasie oder die Libanon-Zeder.

"Es würde allen Branchen guttun, so langfristig zu denken wie die Forstwirtschaft und immer den Klimawandel einzukalkulieren", sagt Eva. "Ein Haus muss man zum Beispiel so bauen, dass es länger als 20 Jahre steht." Ihr Appell: Nicht nur die Agrar- und die Forstwirtschaft sollten über die Veränderungen des Klimas und der Natur Bescheid wissen – und heute schon Entscheidungen treffen, die kommenden Veränderungen in ihrem Gebiet Rechnung tragen.

Die heilende Wirkung kleiner Dinge auf die Arbeit großer Teams

Der Einzelkämpfer ist ein Auslaufmodell. In kaum einem Beruf kommen wir heute noch ohne Teamarbeit aus. Leider wenden Gruppen oft einen großen Teil ihrer Energie dafür auf, Konflikte zu lösen, anstatt ihr Projekt voranzubringen. Sarah Schäfer, 27, will Teamarbeit besser machen, indem sie die Kommunikation im Team mit Objekten unterstützt. Denn Studien zeigen: Veranschaulicht ein Mensch das, was er gerade sagt, mit einem Gegenstand, hören ihm die anderen Gruppenmitglieder besser zu. Ein Beispiel: Wenn sich ein Teammitglied überhört fühlt, dient ein selbst gebautes Mikrofon in der Hand als Signal für die anderen, dem Betroffenen mehr Raum zu lassen.

Deshalb stellte Sarah, die gerade ihren Master in ökosozialem Design macht, mit ihren Workshopteilnehmern kleine Prototypen aus Draht, Knete, Federn und anderen Materialien her. Die Objekte sollen problematische Dynamiken, denen Teilnehmer schon einmal in Teams begegnet sind, veranschaulichen – und die Gruppenmitglieder daran erinnern, sie nicht zu wiederholen. Ein Teilnehmer baute zum Beispiel einen Abakus, dessen Kugeln für eine Aufgabe standen, das sein Team in einer Sitzung bewältigen muss. "So schweifen wir weniger vom Thema ab und haben immer vor Augen, wie viele Aufgaben wir heute noch bewältigen müssen."

Selbst ist die Stadt: So werden Nürnbergs Nachbarschaften aktiv

Gebäude und Grundstücke stehen leer, Radwege sind unbenutzbar und Wohnraum wird immer knapper. In fast jeder deutschen Stadt gibt es diese Probleme. Aber was können Bürger dagegen tun, wenn die Verwaltung nichts tut?

Die Nürnberger Designstudenten Cosima Schugmann, Julia Hendrysiak und Sebastian Schnellbögl haben eine Idee: Sie bringen alle Stadtentwicklungsinitiativen Nürnbergs zusammen –  etwa Urban-Gardening-Projekte, Mehrgenerationenhäuser und Fahrradinitiativen. "Am Anfang stand eine gut gemachte Website", sagt Schnellbögl. Inzwischen haben sie mehr als 40 Projekte vernetzt, die sich im Mai bei dem stadtweiten Festival "Stadt für alle" präsentieren. Die Gruppen sollen voneinander erfahren, sich austauschen und zusammen stärker werden. Bürgerinnen und Bürger können sehen, wie einfach es ist, sich in der eigenen Nachbarschaft zu engagieren. Und sie sollen die Werkzeuge kennenlernen, mit denen man die eigene Stadt gestalten kann.

Jeder kann in die Zukunft sehen – mit Design-Fiction

Würdest du zwei langweilige Minuten deines Lebens gegen eine geile tauschen? In der Zukunft wäre das vorstellbar – das war zumindest eines der Ergebnisse des Workshops von Felix Tarantik. Der Zukunftsforscher beschäftigt sich mit Design-Fiction. Die Technik soll helfen, strukturiert über die Zukunft nachzudenken. So können zum Beispiel aus abstrakten Szenarien konkrete Ergebnisse und sogar Gegenstände modelliert werden. Forschende können dadurch gewünschte und unerwünschte Folgen diskutieren und über Machbarkeiten sprechen. Wäre es zum Beispiel in Zukunft möglich, Träume zu designen: Wer kreiert sie dann? Kann man damit therapieren? Gibt es eine Mediathek und wie wird Datenschutz gewährleistet? Was die Zukunft bringt, kann Design-Fiction nicht beantworten. Was sie bringen könnte, schon.

Die grüne Welle für Fahrräder

Beruflich arbeitet Till Richter an einer besseren Ladeinfrastruktur für Elektroautos. Doch was braucht es darüber hinaus, um die Mobilität der Zukunft nachhaltig und umweltschonend zu gestalten? In seinem Workshop fanden sich die Teilnehmenden in verschiedenen Interessensgruppen zusammen, um – etwa aus der Perspektive von Fahrradfahrern – je eine zentrale Forderung und verschiedene Handlungsempfehlungen an die Politik zu formulieren. Von allen Ideen blieben am Ende drei Favoriten: die grüne Welle fürs Fahrrad. Kostenloser ÖPNV. Und der konsequente Ausbau der Radwege in allen Städten.

Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, kennt den Frust, an jeder zweiten Kreuzung stehen bleiben zu müssen: Die grüne Welle für Fahrräder soll das Radfahren als Alternative zum Auto in Städten attraktiver machen. Auch der Ausbau der Infrastruktur der innerstädtischen Radwege würde die Bereitschaft das Fahrrad statt zu nehmen, deutlich erhöhen. Wäre zudem der ÖPNV in allen Städten kostenfrei, würde die beste Alternative zum herkömmlichen Stadtverkehr konsequent gestärkt – und die Abgase durch individuellen Straßenverkehr könnten deutlich verringert werden.