Der Food-Aktivist Daniel Anthes © Alexander Probst für ZEIT ONLINE

Gesät, geerntet, aussortiert, gerettet

Als Vorstand des Frankfurter Vereins ShoutOutLoud kämpft Daniel Anthes seit Jahren gegen Lebensmittelverschwendung. 313 Kilogramm Lebensmittel werden pro Sekunde in Deutschland weggeworfen, eine Zahl, die Anthes nicht hinnehmen will. Sein Gegenmittel: öffentliche Aktionen, die Neugier wecken, statt den Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen. So bietet die fahrende Resteküche, ein Food Truck, der derzeit in Frankfurt und Umgebung unterwegs ist, gesundes Essen an, das aus aussortierten, aber einwandfreien Biolebensmitteln zubereitet wird.

Die Aktivistinnen und Aktivisten von ShoutOutLoud helfen aber auch Firmen und Nachbarschaftsinitiativen dabei, für Veranstaltungen ein Catering aus geretteten Lebensmitteln auf die Beine zu stellen. Und sie gehen einmal im Jahr mit Schülerinnen und Schülern auf den Acker. Dort kochen sie vom Feld in den Mund und entwickeln gemeinsam das Bewusstsein für die Herkunft und Kostbarkeit von Lebensmitteln.

Austausch auf Augenhöhe

Frühjahr 2016 in Sachsen. Ein wütender Mob skandiert vor einem Reisebus. In dem Bus sitzen verängstigte Flüchtlinge. Das war der Moment, ab dem Hanna Rau nicht mehr schlafen konnte. "Wie kann man Menschen für die Lebenssituation geflüchteter Menschen sensibilisieren?", fragte sich die Studentin aus Freiburg. Mit drei Freundinnen gründete sie schließlich die Zeugen der Flucht, einen Verein, der mit Geflüchteten Schulen in Freiburg besucht, damit sie dort von ihrer Flucht und den Gründen dafür berichten können.

Augenzeugen von ihrer eigenen Geschichte erzählen zu lassen, so wird an vielen Schulen seit Jahrzehnten der Holocaust thematisiert. Schülerinnen und Schüler erfahren etwas von einer Lebenswirklichkeit, die mit ihrer eigenen in den meisten Fällen nichts zu tun hat. Die Geflüchteten, die als Erzählerinnen und Erzähler von ihrem Leben berichten, erfahren im Gegenzug Aufmerksamkeit für das, was sie erlebt haben. Es wird miteinander gesprochen statt übereinander. Als Nächstes wollen die Zeugen der Flucht auch Schulen außerhalb von Freiburg erreichen – wenn die vier ehrenamtlichen Begleiterinnen für ihre Idee ausreichend Unterstützer finden.

Themen jenseits des Lehrplans: Christina Heid diskutiert bei Z2X über die Siebte Stunde. © Alexander Probst für ZEIT ONLINE

Die Siebte Stunde

Konflikte, Mobbing und psychische Probleme: Nicht immer geht es in der Schulzeit nur um Mathe und Englisch. Denn in der Schule treffen Schülerinnen und Schüler mit ganz verschiedenen Hintergründen aufeinander – und erfahren, was es bedeutet, mit anderen zusammen zu leben und zu lernen. Doch Themen, die nicht den klassischen Lehrplänen entsprechen, kommen an Schulen häufig zu kurz.

Christina Heid und Katharina Schwaiger studieren Erziehungswissenschaften und Psychologie und wollen das gemeinsam ändern: Im Workshopangebot "Die Siebte Stunde" wollen sie über jene Themen sprechen, für die im leistungsorientierten Schulsystem sonst keine Zeit ist – und Schülerinnen und Schülern so einen Raum geben, Sorgen und Probleme offen anzusprechen. Demnächst wohnen die beiden Initiatorinnen in einer Stadt – dann soll die Siebte Stunde möglichst schnell Realität werden.