Wie wollen wir leben, lieben, arbeiten? Auf dem Campus der Goethe-Universität in Frankfurt am Main trafen sich beim Festival Z2X³ auf Einladung von ZEIT ONLINE 150 Menschen im Alter von 20 bis 29, um einen Tag lang gemeinsam Ideen für eine bessere Zukunft zu entwickeln.

Das Programm jedes Z2X-Festivals entsteht aus den Ideen aller Interessierten, die sich für Frankfurt mit eigenen Beiträgen etwa zum Umgang mit Lebensmitteln, Rassismus, Stadtentwicklung und zur Zukunft Europas beworben hatten.

Hier stellen wir fünf Ideen "zur Verbesserung der Welt oder des eigenen Lebens" vor, die in den Workshops und Frag-mich-alles-Sessions von Z2X³ diskutiert wurden. Das nächste Festival findet am 1. und 2. September in Berlin statt – die Bewerbungsphase beginnt Mitte Juni.

Carmen Schwartz will in ihrer On-farm-Züchtung Sorten kreieren, die auch mit klimatischen Veränderungen klarkommen. © Alexander Probst für ZEIT ONLINE

Mehr Vielfalt auf den Feldern!

Elstar, Boskop, Red Jonaprince: Als Carmen Schwartz darum bittet, ein paar Apfelsorten zu nennen, rufen alle durcheinander. Ist ja einfach. Und wer kennt verschiedene Fenchelsorten? Schweigen. Im Workshopraum von Z2X³ sitzen 30 ökologisch interessierte junge Menschen und kennen keine einzige Fenchelsorte. Genau darum geht es Schwartz, die auf einem Acker in Bingenheim neues Saatgut züchtet: Im letzten Jahrhundert sind drei Viertel der uns bekannten Agrobiodiversität verloren gegangen – alte Gemüsesorten verschwinden und werden durch wenige, aber ertragsstarke Hochleistungssorten ersetzt. Das liegt auch daran, dass Saatgut inzwischen nur noch von wenigen Großkonzernen produziert wird.

Als Mitglied des Vereins Kultursaat möchte Schwartz das ändern und mit ihrer On-farm-Züchtung samenfeste Sorten kreieren, die genetische Vielfalt aufweisen und auch mit klimatischen Veränderungen klarkommen. Sie zeigt Möhren, die so groß sind wie Pastinaken, und Zucchini in Gelb, Grün und Orange. Die Vielfalt auf dem Acker ist ein langsamer Prozess. Nach vielen Jahren des Ausprobierens müssen neue Sorten beim Bundessortenamt eingetragen werden – und das akzeptiert nur solche, die ertragreich sind und möglichst homogen aussehen, damit sie gut transportfähig sind.

Ein Eigenheim für 200 Studierende

Für die meisten Menschen zwischen 20 und 30 ist ein Smartphone oder ein Auto die große Investition, die sie tätigen. Franziska Meier und Margarete Over wollen ein Haus bauen, für 16 Millionen Euro. Keine Villa für sie allein, sondern ein Wohnheim für Auszubildende, Studierende und Promovierende. Sie planen gemeinsam mit zwei Dutzend anderen Studierenden in Heidelberg seit fünf Jahren das Collegium Academicum, ein selbstverwaltetes Wohnheim für mehr als 200 Menschen. Ehrenamtlich, ohne Profitabsicht.

Ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner sollen nicht nur die Miete teilen, sondern gemeinsam leben und lernen. Im Herbst 2018 sollen die Bauarbeiten beginnen. Bis zum Einzug müssen sich die Initiatoren aber nicht nur über die richtige Dicke der Wände (so um die zehn Zentimeter) Gedanken machen, sondern auch über die Frage: Wie organisiert man das Zusammenleben, wenn es keine Heimleitung gibt, die man gemeinsam hassen kann, sondern man selbst die Heimleitung ist? Ein Putzplan funktioniert ja meist schon bei drei Mitbewohnern nicht. Wie soll das mit Hunderten gehen? Und wer entscheidet, was wo stattfindet? 

Wenn es den Heidelberger Studierenden gelingt, auf diese Fragen erfolgreich Antworten zu finden, kann das selbst verwaltete Wohnheim eine Inspiration werden – für alle, die sich auch jenseits des Studiums eine gemeinschaftlichen Formen des Zusammenlebens wünschen.