Mirella Precek - "Ich bin zu dick, zu dünn, zu schön oder zu hässlich" Mirellas erster Hasskommentar war: "Du bist scheiße." Doch das war leider nur der Anfang. Wie die YouTuberin mit Hass umgeht, erzählt sie auf der Z2X-Bühne. © Foto: ZEIT ONLINE

Auf Einladung von ZEIT ONLINE treffen sich an diesem Wochenende engagierte Menschen zwischen 20 und 29 Jahren beim Festival Z2X19 in Berlin. Dieser Text der YouTuberin Mirella Precek war als Blitzvortrag Teil des Programms. Nach welchen Regeln wir als Veranstalter über das Festival und unsere Weltverbesserer-Gemeinschaft Z2X berichten, lesen Sie hier.

Ich produziere seit über sechs Jahren Videos auf YouTube, poste Bilder auf Instagram, habe einen Podcast und bin somit zumindest zu einem gewissen Teil eine Person des öffentlichen Lebens. Eine Sache, die mich all die Jahre begleitet hat, sind die unzähligen Kommentare und die Bewertbarkeit von allem, was ich öffentlich mache.

Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen allerersten Hate-Kommentar: "Du bist scheiße. Die Musik ist scheiße. Mach nie mehr Videos." Das war natürlich nur der Anfang – und die Kritik wurde über die Jahre immer akribischer.

So habe ich zum Beispiel letztens gezeigt, welche Fair Fashion Items ich mir in den letzten Monaten gegönnt habe. Darunter ein roter Zweiteiler, also Rock und Top mit weißen Herzen drauf, den ich gern zu einer Hochzeit von Freunden tragen möchte. In kürzester Zeit lernte ich, dass ich ganz schön frech bin, weil ich mit meinen weißen Herzen und dem 2cm Bauchausschnitt der Braut die Schau stehlen würde. Und Rot bedeutet übrigens, dass man mit dem Bräutigam Sex hatte. Ganz schön dreist von mir! Bis auf die zwei Kommentatoren hatte sonst noch niemand in meinem Umfeld von dieser Regel gehört.

Vor circa drei Jahren habe ich 15 Kilo mehr gewogen und hatte kurze Zeit Angst, dass das Internet unter meinem Gewicht und den unzähligen Kommentaren dazu zusammenbricht. Also hab ich ein Video gemacht mit 20 Gründen, warum ich fett geworden bin. Wie zum Beispiel, weil ich allergisch auf Scheißkommentare bin oder eine Krankheit habe, weswegen ich keinen Sport mehr machen kann oder einfach, weil ich mich so schöner finde. Das Video, in dem ich über Bodyshaming aufkläre, bekam 79.000 Likes und unzählige positive Kommentare. Natürlich aber auch einige wenige Kommentare, die mich beschuldigen, Fettleibigkeit zu verharmlosen oder selbst unter einer Essstörung zu leiden.

Ich poste ein Foto, auf dem ich in Jeans und oben ohne von der Seite zu sehen bin. Die arme verdecken meine Brust und die Caption lautet: "My body, my choices". Eigentlich pretty straight forward und ohne großes Diskussionspotenzial, denn: My body my choices. My instagram account, my picutures. Im Anschluss habe ich aber auch noch die F-Bomb gedropped. Ich habe Feminismus definiert und geschrieben, dass Feminismus für mich bedeutet, für eine Gesellschaft einzustehen, in der man selbstbestimmt und frei unabhängig vom Geschlecht leben und sein kann.