Auf Einladung von ZEIT ONLINE treffen sich an diesem Wochenende engagierte Menschen zwischen 20 und 29 Jahren beim Festival Z2X19 in Berlin. Dieser Text von Elena Poeschl war als Blitzvortrag Teil des Programms. Nach welchen Regeln wir als Veranstalter über das Festival und unsere Weltverbesserer-Gemeinschaft Z2X berichten, lesen Sie hier.

Die Begriffe "Milieuschutzgebiet" und "Vorkaufsrecht" sind den meisten Berlinerinnen und Berlinern, die gelegentlich die Abendschau sehen oder Zeitung lesen, bekannt. Beinahe täglich wird über neue Fälle von Häusern berichtet, die in Milieuschutzgebieten verkauft werden.

Was genau diese Begriffe allerdings bedeuten und welche Tragweite sie für das eigene Leben haben können, wird den meisten erst klar, wenn sie selbst ein Schreiben ihres Bezirksstadtrats im Briefkasten haben. Herzlichen Glückwunsch: "Ihr Haus wurde verkauft, es befindet sich in einem Milieuschutzgebiet. Zurzeit prüft der Bezirk, ob er sein Vorkaufsrecht zu Gunsten einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft oder einem alternativen Drittkäufer ausüben kann."

Abwarten und dem Mieterverein beitreten

Im Dezember letzten Jahres passierte es auch mir: Die komplette Straße, in der ich lebe —14 Häuser, 140 Wohneinheiten, über 300 Anwohnerinnen und Anwohner — erhielt diese Nachricht. Das änderte auf einen Schlag alles. Viele Fragen standen im Raum: Werde ich in meiner Wohnung bleiben können? Wie lange noch? Wird die Miete massiv erhöht? Was kann ein Investor überhaupt in einem Milieuschutzgebiet machen, um uns zu vertreiben? Wer ist überhaupt der Investor, der uns kaufen will?

Wenige Tage nach dem Erhalt des Anschreibens hofften wir auf Antworten auf einer Bürgerinformationsveranstaltung. Im besten Behörden- und Juristendeutsch wurde uns unsere Situation verdeutlicht. Was wir jetzt tun könnten? Die Antwort: Abwarten und einem Mieterverein beitreten.

Man hätte uns genauso gut sagen können: Abwarten und Tee trinken.

Lobbyistin für Wohnraum

Die Entscheidung, ob der Senat einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft die benötigten Zuschüsse für einen Kauf geben würde, oder ob der Käufer sich erbarmen würde, eine Abwendungserklärung – so eine Art Sozialvertrag – zu unterschreiben, läge nicht in unserer Hand. So ganz glauben wollten wir das nicht. Auch weil ich ursprünglich aus dem Lobbyismusbereich komme, fragte ich mich, ob Lobbymethoden nicht auch in einem Fall wie unserem Anwendung finden. Schließlich geht es um eines der grundlegendsten Bedürfnisse eines jeden Menschen, den eigenen Wohnraum.

Wir legten also los und formulierten einen Strategieplan, erstellten Social-Media-Accounts, verschickten Pressemitteilungen, hielten eine Pressekonferenz ab, gewannen Politiker für unsere Sache, veranstalteten eine Demo. Unser Plan ging auf. Den Investor schreckte unser Widerstand ab, er trat vom Erwerb unserer Straße zurück. So konnte die städtische Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land als alternativer Drittkäufer eintreten. Wir hatten unser Ziel erreicht.

Bereits während unseres Kampfes bekamen wir zahlreiche Hilfsanfragen von anderen betroffenen Häusern. Seit Januar 2019 haben wir über zehn Häuser durch diesen Prozess begleitet.