Die Umweltaktivistin Luisa Neubauer hält die geplanten Klimamaßnahmen der Bundesregierung für unzureichend. Weder würden damit die selbst gesteckten Ziele Deutschlands erreicht, noch genügten sie dem Übereinkommen von Paris, das die menschengemachte Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius begrenzen will, sagt Neubauer beim Z2X-Festival von ZEIT ONLINE in Berlin. Sie ergänzte: "Paris ist unsere Garantie, dass wir dieser Krise Herr werden können. Liebe Leute, haltet euch dran."

Am 20. September tritt das sogenannte Klimakabinett in Berlin zusammen, um Beschlüsse für mehr Klimaschutz zu fassen. Bis 2038 soll Deutschland unter anderem schrittweise aus der klimaschädlichen Stromgewinnung aus Kohle aussteigen.

Die Menschheit befinde sich im Halbzeitmodus, sagte Neubauer auf dem Z2X-Festival. Seit gut 30 Jahren wisse sie, was sie erwartet, wenn sie weiterhin so viel CO2 ausstoße wie bisher. Getan worden sei trotzdem kaum etwas. Nun habe die Welt noch einmal etwa 30 Jahre Zeit, um die Entwicklung aufzuhalten. Vor rund 800 Teilnehmern zwischen 20 und 29 Jahren forderte Neubauer eine "massive Disruption". Die gesamte auf fossilen Rohstoffen begründete Weltwirtschaft müsse umgekrempelt werden, um die Klimakatastrophe noch aufzuhalten.

Großdemonstration am 20. September

Sie räumte ein, dass die unter anderem von ihr initiierte Bewegung Fridays for Future in Deutschland an ihre Grenzen stoße. "Wir bleiben halt die jungen Leute, die unbequem sind", sagte sie. Für den 20. September rief sie deshalb zu einer Großdemonstration in Städten in ganz Deutschland auf – unabhängig vom Alter. Sie forderte insbesondere die Studierenden auf, mitzumachen.

Die Bedrohung durch den Klimawandel sei groß, nicht nur, weil er Milliarden Menschen weltweit gefährde, sondern auch, weil die Menschheit sich die schleichende Katastrophe so schwer vorstellen könne. Es gebe keine lineare Zerstörung, es werde nicht jeden Tag ein bisschen schlechter. Stattdessen gebe es Kipppunkte, die auf einen Schlag eine große Verschlechterung bedeuteten. Viele dieser roten Linien seien schon überschritten. "Jeder muss ein Teil der Antwort werden", forderte Neubauer. Indem man etwa die Chefin frage, wann die Firma klimaneutral werde. Oder indem man Fleisch und Flüge boykottiere und dabei andere mitnehme.

Luisa Neubauer stammt aus Hamburg und studiert derzeit in Berlin. Die 23-Jährige ist Mitglied bei den Grünen und die wohl bekannteste Figur der deutschen Fridays-for-Future-Bewegung in Deutschland. Im Dezember vergangenen Jahres initiierte sie mit Unterstützern die ersten Schülerstreiks hierzulande. Den oft bemühten Vergleich "deutsche Greta Thunberg" lehnt Neubauer ab.