Dare to care

Jugendliche bewegen sich in einer digitalen Welt, in der Influencer und Hatespeech die Meinung von Millionen prägen. Wie kann man jungen Menschen helfen, trotzdem selbstbestimmt und reflektiert zu handeln? Helene Wittek, 21, und Julia Keddig, 24, studieren Psychologie und bringen ihr Wissen an Schulen. Dort sprechen sie an Projekttagen mit Jugendlichen über Social Media, Hatespeech und die Entstehung von psychischen Erkrankungen. Damit füllen sie eine wichtige Lücke. Denn Jugendliche finden mit ihren Problemen in Schulen nicht immer den Raum, den sie brauchen. Weil Lehrerinnern und Lehrer zu weit weg von ihrem digitalen Leben sind. Weil im Schulalltag einfach die Zeit dafür fehlt. Mit ihrem Projekt Dare to Care wollen Helene Wittek und Julia Keddig nicht nur einzelnen Jugendlichen in Not helfen. Sie wollen junge Menschen befähigen, sich mit ihren Gefühlen auseinanderzusetzen. Und Sichtbarkeit und Akzeptanz für Betroffene mit psychischen Erkrankungen schaffen.

Amna Franzke

Alma

13 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich weggeworfen, mehr als die Hälfte davon in Haushalten. Davon wiederum ist fast die Hälfte Obst und Gemüse, das in die Tonne wandert. Das würde sich deutlich reduzieren lassen, wenn wir Obst und Gemüse richtig lagern würden, ist Nadine Kessler, 29, überzeugt. Sie hat sich für ihre Bachelorarbeit mit Lagerung beschäftigt. Indem die Gartenbauerin uns zeigt, wie man Obst und Gemüse richtig lagert, will sie dafür sorgen, dass weniger Lebensmittel im Müll landen. Dafür hat Nadine Alma gegründet. In anschaulich gestalteten Lagerkarten klärt Alma darüber auf, dass sich Apfel und Brokkoli nicht leiden können. Sie gibt Workshops bei Erzeugergemeinschaften, spricht im Kinderradio und hat Lagerkarten entworfen, die künftig in Supermärkten verkauft werden sollen. Auch eine App, die Menschen dabei hilft, ihr Obst und Gemüse besser zu lagern und klimaschonend einzukaufen, könnte Alma in Zukunft sein.

Ruth Fend

Sichere Häfen

Wenn Schiffe der privaten Seenotrettung Menschen aus dem Mittelmeer retten, streiten die EU-Länder, wer die Migrantinnen und Migranten aufnehmen muss. Um dieses Problem zu lösen, hat die Organisation Seebrücke das Projekt Sichere Häfen ins Leben gerufen. Unter diesem Namen verpflichten sich Städte und Kommunen in Deutschland freiwillig selbst, mehr Menschen aufzunehmen, als ihnen vom Bund zugewiesen wurden. Der Aktivist Jonas Hase, 25, engagiert sich bei der Seebrücke in Potsdam und überregional. Bisher haben sich bereits knapp 90 Städte und Gemeinden zu einem sicheren Hafen erklärt. Noch können sie keine Flüchtlinge direkt aufnehmen, denn die Verteilung in Deutschland wird nach wie vor bundesweit geregelt. Das Projekt Sichere Häfen stellt dieses Vorgehen öffentlich in Frage und setzt ein Zeichen internationaler Solidarität. Ihr Ziel: Städte sollen Geflüchtete in Zukunft direkt nach Anlegen eines Rettungsboots bei sich aufnehmen können. 

Stella Männer

App gegen Hatespeech

Das Netz ist der perfekte Ort, um sich zu organisieren, Gleichgesinnte zu treffen, zivilgesellschaftlich aktiv zu werden. Die meisten Menschen, die sich im Netz engagieren, kennen allerdings auch das: Beleidigungen, Gewaltandrohungen, kurz: Hatespeech. Saskia Ostendorff, 27, und Rojda Tosun, 26, sind Juristinnen und wissen: Hatespeech ist oft strafbar. Und sie wissen auch: die meisten Betroffenen tun trotzdem nichts dagegen. Deshalb wollen sie eine App entwickeln, die betroffene Menschen unterstützt. Die App soll ihnen erklären, was genau erlaubt ist und was nicht. Und sie soll Menschen Möglichkeiten aufzeigen, effektiv gegen Hatespeech vorzugehen. Saskias und Rojdas Ziel: Dass Menschen, die andere einschüchtern, zur Rechenschaft gezogen werden – und das Internet zu einem Ort wird, in dem der Hass weniger Platz hat.

Jakob Simmank

Tutaka

Bei Franziska Altenrath, 28, begann alles mit der Suche nach nachhaltigen Hotelslippern: Denn die Slipper, die viele Hotels ihren Gästen hinstellen, stecken voller Polyester — und selbst ein kleines Hotel wirft im Jahr etwa 10.000 davon weg. Bei der Suche nach einer Alternative wurde klar: es gibt vieles, was Hotels, Restaurants und Festivals umweltfreundlicher machen könnte. Gerade in der Lieferkette können kleine Kaufentscheidungen einen großen Unterschied machen. Deshalb legt ihr Start-up Tutaka den Zugang zu einer wachsenden Palette nachhaltiger Produkte für Gastbetriebe: waschbare Slipper, Glitter ohne Mikroplastik und Strohhalme, die tatsächlich aus Stroh gefertigt werden. Tutaka kauft direkt vom Produzenten und legt großen Wert auf eine transparente Lieferkette, so Franziska. Gemeinsam mit ihrer Mitgründerin Alexandra Herget berät Franziska zudem Unternehmen und Verbände dabei, wie ihre Betriebe nachhaltiger einkaufen können. 

Elena Erdmann

Anm. der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es fälschlich, die Diskussion des Fortschritt-Vision-Diskurs e. V. zum Thema Plastik habe bereits stattgefunden.