Was muss getan werden, um Klimaschutzziele zu erreichen? Wie wollen wir in den Städten und auf dem Land zusammenleben? Wie können alle Menschen die gleichen Chancen auf Bildung, Teilhabe und Erfolg haben? Mit diesen und vielen weiteren Zukunftsfragen beschäftigten sich auf Einladung von ZEIT ONLINE am vergangenen Wochenende beim Festival Z2X19 rund 800 Menschen unter 30. In Workshops, Blitzvorträgen und Frag-mich-alles-Sitzungen stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigenen Projekte vor und diskutierten konkrete Lösungsideen.

Unter allen Teilnehmenden des Festivals wählte zum Abschluss eine Jury die zehn vielversprechendsten Projekte aus. Wir stellen sie im Folgenden vor. Die ersten drei Projekte erhielten bei der Publikumsabstimmung die meisten Stimmen. Nach welchen Regeln wir als Veranstalter über das Z2X-Festival berichten, lesen Sie hier.

Liefern am Limit

Orry Mittenmayer macht Gewerkschaftsarbeit in einem Bereich, in dem das besonders schwer ist. Als Teil der Initiative Liefern am Limit vertritt er die Interessen von Fahrradkurieren und -kurierinnen, vor allem gegenüber Diensten wie Lieferando. Er ist selbst früher für Foodora gefahren und war Vorsitzender des ersten Betriebsrats bei Deliveroo. Dort waren die Kuriere nicht fest angestellt, mussten ihre Ausrüstung selbst bezahlen und trugen die gesundheitlichen Risiken ihrer Arbeit. Kann man solidarisch sein, wenn man sich kaum kennt und jeder Angst um seinen Job haben muss? "Es reicht nicht, Flyer zu verteilen. Am Anfang muss man Vertrauen und Solidarität schaffen", sagt Orry. Die Aktivisten sprachen ihre Kollegen bei der Arbeit an, tauschten Handynummern. Sie organisierten Elektropartys und schufen einen Gemeinschaftssinn. Schließlich gründeten sie einen Betriebsrat. Deliveroo hat sich inzwischen aus Deutschland zurückgezogen. Der Markt sei nicht profitabel genug. Liefern am Limit setzt sich nun dafür ein, dass die Fahrerinnen und Fahrer von Deliveroo eine angemessene Abfindung erhalten. 

Ole Pflüger

Fortschritt-Vision-Diskurs e. V.

Die Wahlen in Brandenburg und Sachsen haben gezeigt, wie gespalten insbesondere die östlichen Bundesländer sind: zwischen Stadt und Land, zwischen weltoffen und nationalistisch. Sven Richter, 20, und sein Partner Theo Spitzner wollen etwas gegen diese Spaltung tun. Dafür organisiert ihr Verein mit dem Namen Fortschritt-Vision-Diskurs e.V. Veranstaltungen, bei denen sich alle Stimmen des politischen Spektrums äußern sollen. Eines der Formate: Eine 24-Stunden-Diskussion, bei der Dutzende Expertinnen und Vertreter verschiedener Parteien auftreten und diskutieren. Und weil der junge Verein aus Zwickau dabei komplett neutral auftritt, schafft er es, wirklich alle an einen Tisch zu bringen, sagt Sven Richter. Zum Thema Plastik wird demnächst etwa einen Umweltaktivisten mit einem Vertreter der Plastiklobby diskutieren. Am Ende komme es dann auch mal vor, dass Mitglieder der Linksjugend Solid mit denen der Jungen Alternative ein Bier trinken gingen, sagt Sven Richter.

Elena Erdmann

ConsciousCoders

Digitale Technologien werfen neue Fragen auf, für die die Menschen sensibilisiert werden müssen, finden die ConsciousCoders. Sie sind eine Gruppe Münchner Studentinnen und Studenten, die sich vorgenommen haben, für einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Technologien zu werben. Wie achte ich auf meine eigenen Daten? Wie funktioniert die Software, die ich benutze? Wie gehe ich als Entwickler verantwortungsvoll mit den Daten anderer um? Wie stelle ich sicher, dass meine Software fair entscheidet? Think before you code ist das Motto der Gruppe, unter dem sie Workshops, Seminare und Diskussionen veranstaltet, Unternehmen berät und Forschung betreibt. Bei Z2X19 haben Gunnar König, Louis Longin und Robert Walter demonstriert, welche Informationen die Festivalbesucher im Netz hinterlassen – und was sie tun können, um das in Zukunft zu vermeiden.

Martin Schön

besser zuhause

Bis 2030 soll die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf 3,5 Millionen Menschen ansteigen. Das Hamburger Start-up besser zuhause will es diesen Menschen ermöglichen, länger und komfortabler in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Einer der Gründer ist Leif Lewinski. Der junge Betriebswirtschaftler befasst sich mit dem Thema, seit sein Großvater durch einen Schlaganfall halbseitig gelähmt und pflegebedürftig wurde. besser zuhause arbeitet mit Beratern zusammen, die sich das Wohnumfeld des Pflegebedürftigen anschauen und mit der Person und ihrer Familie gemeinsam die anstehenden Entscheidungen, etwa zum Umbau von Treppen und Bädern, treffen. Im Anschluss unterstützt besser zuhause die Familien dabei, bis zu 4.000 Euro Zuschuss zu beantragen, die für solche Arbeiten von der staatlichen Pflegeversicherung gezahlt werden. Dann kommt ein Netzwerk von Handwerkern zum Einsatz. Letzteres wollen sich Leif Lewinski und seine Mitgründer nun in ganz Deutschland aufbauen. 

Maria Exner

Worldwatchers

Viola Hasani, 28, findet, dass wir beim Klimaschutz bei uns selbst anfangen sollten. Aber das ist gar nicht so einfach. Denn wie groß ist mein CO2-Budget? Wie viel CO2 werden bei einem Flug nach Portugal freigesetzt? Und wie viel für den Pullover, den ich bei H&M kaufe? All diese Fragen will Viola Hasani von einer App beantworten lassen: Worldwatchers. Es soll die weltweit erste App sein, die den eigenen CO2-Fußabdruck trackt und Hinweise und Tipps gibt, um eigene Einsparziele zu erreichen, etwa in den Bereichen Ernährung, Mobilität oder Wohnen. Und die App soll den CO2-Abdruck von Produkten anzeigen, wenn man ihren Barcode scannt. Um die App umsetzen zu können, werben Viola und ihre Mitstreiter derzeit mit einer Crowdfunding-Kampagne um Unterstützung.

Jakob Simmank