Wer im Europa-Park in Rust einen Blick in die Zukunft werfen will, braucht festes Schuhwerk und einen Helm. Dann geht es durch Baustellenmatsch, vorbei an Baggern und Kränen, durch ein Labyrinth aus frisch gefliesten Räumen in eine gigantische verglaste Halle mit abgeschrägtem Boden; aus den Wänden ragen mannshohe Rohre. Für 180 Millionen Euro entsteht hier auf der Fläche von 60 Fußballfeldern ein riesiger Wasserpark mit 17 Wasserrutschen.

"Rulantica" ist das neuste Projekt der Unternehmerfamilie Mack, aber nicht das einzige. Gleich gegenüber erhebt sich Krønasår, es ist schon das sechste Hotel im Europa-Park und kann zukünftig 1300 Besucher beherbergen. Die Betten braucht der Freizeitpark, der Jahr für Jahr Millionen von Besuchern anzieht, wenngleich ein Tag im Park seinen Preis hat: Stolze 52 Euro Eintritt zahlt jeder Erwachsene, 44,50 kostet ein Kinderticket.

Die Besucherzahlen sind umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass der Europa-Park in den 1970er-Jahren nur als kleines Nebengeschäft und Ausstellungsfläche einer baden-württembergischen Firma gedacht war. Eigentlich hatte das Unternehmen im 18. Jahrhundert mit dem Bau von Kutschen seinen Anfang genommen, dann zimmerte es Wohnwagen und Verkaufsstände für Schausteller. Im 21. Jahrhundert begann es schließlich damit, Achterbahnen zu produzieren, die dann von Kirmes zu Kirmes zogen. So wurden die Maschinenbauer zu Parkbetreibern, Entertainern, Hoteliers und Gastronomen.

Doch die Gewichte im Unternehmen könnten sich wieder verlagern. Seit Kurzem entwickeln die Macks digitale Achterbahnfahrten, die sie in ihrem eigenen Park einsetzen, aber auch an andere Parks in aller Welt verkaufen. Besucher können sich nun während einer Fahrt eine Virtual-Reality-Brille aufsetzen und durch fremde Welten rasen, im Weltall Raumschiffe jagen oder in den Alpen Hänge herunterdüsen. Die Technologie ermöglicht es Parkbetreibern, auf ein und derselben Achterbahn immer wieder neue Erlebnisse anzubieten – und sich den Bau teurer Kulissen zu sparen.

Was aber verspricht mehr Zukunft – der Park oder die Digitalisierung? Und wie einigt sich eine Unternehmerfamilie, in welches Geschäft mehr Geld fließen soll?

Darum soll es gehen im Gespräch mit Roland Mack und seinem Sohn Michael. Es findet in einem holzgetäfelten Raum statt, durch die Fenster blickt man auf eine originalgetreu nachgebaute toskanische Piazza, der Sehnsuchtsort Italien wird in diesem Gespräch noch eine wichtige Rolle spielen. Roland Mack hat am Kopfende Platz genommen, und er wird seinen Sohn mehrfach wie selbstverständlich unterbrechen, während der seinen Vater meist geduldig ausreden lässt, sich aber im Verlauf des Gesprächs immer mehr Redeanteile erkämpfen wird. Auch wenn Vater und Sohn in vielem einer Meinung sind, so ist das Kräftemessen zwischen der siebten und achten Generation der Unternehmerfamilie, zwischen traditioneller und digitaler Denke, unterschwellig zu spüren.

Dieser Text stammt aus dem Magazin ZEIT für Unternehmer 2/19.

ZEIT für Unternehmer: Roland und Michael Mack, der Europa-Park hat mehr als 100 Attraktionen und mehr als 23 Stunden Showprogramm am Tag. Wie groß ist die Gefahr, mit dem Gefühl abzureisen: Ich habe mehr verpasst, als ich erlebt habe?

Roland Mack: Die Gefahr gibt es. Deswegen versprechen wir stets weniger, als wir bieten. Dann sind die Besucher positiv überrascht und kommen eher wieder. Heute schon sind 80 Prozent unserer Gäste Wiederholungsbesucher.

ZEIT für Unternehmer: Aber wozu brauchen Sie nun auch noch einen 450.000 Quadratmeter großen Wasserpark?

Roland Mack: Wir liegen am Rand der Republik, die meisten Besucher nehmen weite Wege auf sich. Damit sie das tun, ist es wichtig, stets Neues zu bieten. Außerdem hilft uns der Wasserpark, unsere Hotels auch in den Wintermonaten auszulasten, wenn der Freizeitpark geschlossen ist.

ZEIT für Unternehmer: Als Sie Mitte der 1990er-Jahre das erste Ihrer sechs Hotels gebaut haben, hat Ihr Vater und Großvater Franz noch eine Etage weggeschnitten. Wer hat beim Wasserpark den Skeptiker gegeben?

Michael Mack: Mein Großvater kam aus einer Zeit, in der die Macks Fahrgeschäfte gebaut haben, die von Volksfest zu Volksfest gezogen sind. Das Hotel war etwas ganz Neues, und Opa hatte die Sorge, sich mit so einem Hotel zu verheben ...

Roland Mack: ... aber es hatte am Ende immer noch 150 Betten, und ich war zuversichtlich, dass es sich lohnen würde. Auch den Wasserpark haben wir nach dem ersten Entwurf ein wenig eingedampft, doch er wird groß genug sein, um den Besuchern mehrere Stunden Spaß zu bieten – und um sich zu rechnen.