In Berlin-Zehlendorf trägt seit 1935 eine evangelische Kirche seinen Namen, in Greifswald seit 1933 eine Universität, zahlreiche Gymnasien sind nach ihm benannt, und in jeder größeren deutschen Stadt gibt es eine Straße, die an ihn erinnert. Das Straßenschild der Hamburger Ernst-Moritz-Arndt-Straße verzeichnet brav die Lebensdaten (1769–1860) und gibt den Beruf des Mannes an: Dichter.

"Ich will den Haß, festen und bleibenden Haß der Teutschen gegen die Franzosen und ihr Wesen, weil mir die jämmerliche Äfferei und Zwitterei mißfällt, wodurch unsere Herrlichkeit entartet und verstümpert [...] ward; Ich will den Haß, brennenden und blutigen Haß." Dies "dichtete" Arndt 1813 in seiner Schrift Über Volkshaß , einem antifranzösischen Pamphlet, das sich auf den ersten Seiten liest wie eine Analyse des Gegenstandes, bevor der Autor unmissverständlich klarmacht, dass er jenen "Volkshaß", dessen Mechanik er beschreibt, aus vollem Herzen wünscht.

Der Hass gegen die Franzosen, schreibt Arndt, "glühe als die Religion des teutschen Volkes, als ein heiliger Wahn in aller Herzen, und erhalte uns immer in unserer Treue, Redlichkeit und Tapferkeit". Denn: "Es ist eine unumstößliche Wahrheit, daß alles, was Leben und Bestand haben soll, eine bestimmte Abneigung, einen Gegensatz, einen Haß haben muß." Nein, hier "dichtet" einer nicht im emotionalen Überschwang. Arndt hetzt mit kühlem Kopf. Als "Demagogen" denunziert das Regime Fürst von Metternichs später jeden, der gegen Obrigkeit und Unterdrückung aufbegehrt. Arndt ist tatsächlich einer.

1789-1871: Die Deutschen und die Nation © ZEIT Geschichte

Und er ist nicht der Einzige, der zur Zeit der antinapoleonischen Kriege nationale Stimmung macht. Auch der Philosoph Johann Gottlieb Fichte feiert in jenen kriegerischen Jahren das Deutschtum. Nicht zuletzt schwingt Friedrich Ludwig Jahn, der "Turnvater", sich zu völkischen Reden auf. "Mischlinge von Tieren", ist bei ihm zu lesen, "haben keine echte Fortpflanzungskraft und ebenso wenig Blendlingsvölker ein eigenes volkstümliches Fortleben." Was sich hier artikuliert, ist der blanke Rassismus.

Trotzdem hat die historische Forschung Gestalten wie Arndt, Fichte und Jahn lange Zeit das Etikett "frühliberal" angeheftet und das aufkeimende deutsche Nationalbewusstsein und die Nationalidee als emanzipatorisch begriffen – als progressives Gegenmodell zur absolutistischen Fürstenherrschaft, als Vehikel liberaler Forderungen nach Partizipation, nach Presse- und Meinungsfreiheit. Kritische Zeitgenossen hingegen gewichteten die Nationalpropaganda Arndts, Fichtes und Jahns anders: Sie sprechen, wie der jüdische Publizist Saul Ascher, von "Germanomanie".

Denn über die Nationalisierung der germanischen Stammesgeschichte und des "teutschen" Mittelalters erträumten sich die germanomanen Autoren die deutsche Nation als homogene Abstammungsgemeinschaft. In seinen berüchtigten Reden an die deutsche Nation fantasiert Fichte 1808 gar von den Deutschen als "Urvolk" und dem Deutschen als "Ursprache". Sollten die Deutschen geschlagen werden, so "würde die ganze Menschheit mit ihnen untergehen".

Die Blütezeit dieses Denkens fällt in die Jahre der französischen Besatzung in Preußen. Die Ursprünge reichen ins Zeitalter der Aufklärung zurück. Ein Schlüsselereignis ist die Französische Revolution. Wie viele deutsche Aufklärer hängt auch Ernst Moritz Arndt den Ideen der Revolution zunächst begeistert an. Und wie viele Intellektuelle distanziert er sich, als sie in die Schreckensherrschaft der Jakobiner übergeht. Als Napoleon mit seinen Armeen Europa erobert, wird aus Skepsis Hass.

1806 marschieren die Franzosen in Berlin ein. Seither müssen preußische Soldaten für die Besatzer ins Feld ziehen, und der politischen Elite ist klar, dass nur tief greifende Reformen den rückständigen und vom Krieg gebeutelten Staat wieder stark genug machen können, um Napoleon zu schlagen. Doch um Frankreich niederzuringen – diese Einsicht setzt sich schnell durch –, muss man von Frankreich lernen. Mit gewaltigen "Volksheeren" hat Napoleon die Söldnertruppen der europäischen Monarchen überrannt. Also beginnt nun auch Preußen die Massen zu mobilisieren: die Nation, die wehrfähigen Männer. 

Im Kampf gegen Napoleon schließen selbst Preußenhasser Frieden mit Preußen

Da kommen den preußischen Reformpolitikern "Dichter" und "Denker" wie Fichte, Jahn und Arndt gerade recht. Und so schart sich nach der verheerenden Niederlage von 1806 ein Kreis patriotischer Autoren um die Reformer unter Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein. Unter anderem gehören ihm auch der Historiker Heinrich Luden an, der Theologe Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, der Schriftsteller Heinrich von Kleist und der Publizist Joseph Görres. Preußischer Landespatriotismus und gesamtdeutscher Nationalismus existieren dabei nebeneinander. Es ist von der preußischen Nation ebenso die Rede wie von der deutschen.

Selbst spätere Preußenhasser wie Ernst Moritz Arndt schließen in jenen Jahren ihren Frieden mit Preußen, auf das sich die Hoffnungen im Kampf gegen Napoleon richten. Beides zu verbinden – das nationale Engagement und das preußische – ist aber auch deshalb möglich, weil der Frühnationalismus noch kein klares politisches Programm hat. Keiner der deutschnationalen Hassprediger fordert Volkssouveränität. Und viel ist zwar von "Freiheit" die Rede, aber in einem ebenso diffusen Sinne wie von Volk, Vaterland und Nation. Die neue nationale Ideologie ist nebulös genug, um verschiedenste Zwecke zu heiligen. 

Die pathosschweren Schriften der Germanomanen kompensieren diesen Mangel an konkreten politischen Vorstellungen mit einem umso schärfer umrissenen äußeren Feindbild. Verweichlicht, weibisch und moralisch verkommen nennt Arndt die Franzosen; mannhaft, tüchtig und ehrenhaft seien die Deutschen. Die Fürstenkritik des Frühnationalismus verläuft in derselben argumentativen Bahn: Dem vaterlandsvergessenen, frankophilen deutschen Adligen, korrumpiert von Macht- und Geldinteressen, wird der wackere deutsche Bürger entgegengestellt – und ein großer allgütiger deutscher Monarch. 

Vorrang aber hat in den Jahren 1806 bis 1813 die geistige Mobilmachung für den herbeigesehnten Krieg gegen Napoleon. Der Hass auf die Franzosen, schreibt Arndt, "wird uns wie ein heller Spiegel sein, worin wir unsere Herrlichkeit wie unser Verderben werden sehen können". Was die Nation im Inneren zusammenhält, ist die gemeinsame Anstrengung gegen den äußeren Gegner.

"Was ist des deutschen Vaterland?", fragt Arndt in seinem berühmtesten Gedicht. Und antwortet: "Das ist des Deutschen Vaterland, / Wo Zorn vertilgt den welschen Tand, / Wo jeder Franzmann heißet Feind, / Wo jeder Deutsche heißet Freund. / Das soll es sein! das soll es sein! / Das ganze Deutschland soll es sein!" – Das ganze Deutschland? Was darunter zu verstehen sei, bleibt in Arndts Reimen so vage wie verheißungsvoll. "So weit die deutsche Zunge klingt / Und Gott im Himmel Lieder singt."

Wie andere Germanomanen knüpft er mit diesen Zeilen an kulturnationale Ideen der Aufklärungszeit an. Denn selbst wenn die Nationalismusforschung zu Recht herausstellt, dass die moderne Nation ein Konstrukt des 19. Jahrhunderts ist, legitimiert durch "erfundene Traditionen", so schöpfen Autoren wie Arndt, Fichte und Jahn doch nicht aus dem Nichts. Es bedurfte, mit einem Wort der Historikerin Karen Hagemann, auch einer "Tradition an Erfindungen", auf die sie zurückgreifen konnten. Einen deutschen Nationalstaat gab es schließlich noch nicht, Deutschland ist in Klein- und Kleinststaaten zersplittert.

Eine dieser Traditionen war die Idee des Patriotismus. Er meinte zunächst das bürgerliche Engagement. Zahlreiche deutsche Aufklärer propagierten überdies auch die Idee einer deutschen Kulturnation, ohne sie allerdings politisch, als Staatsnation, realisieren zu wollen. Vielmehr träumten sie von einer Gelehrtenrepublik, gleichsam mit dem Diskussionszirkel als Parlament. Später begeisterten sich viele von ihnen für die Französische Revolution.

Unter der napoleonischen Besatzung nun drängte die kulturnationale Idee zu politischer Verwirklichung, wendete sich die Frankreichbegeisterung in Franzosenhass und das aufklärerische Freiheitspathos in ein mystisches, antiaufklärerisches. Die Aufklärer des 18. Jahrhunderts galten etwa den Mitgliedern der 1811 gegründeten offen antisemitischen Deutschen Tischgesellschaft in Berlin als "Philister", als stocksteife Vernunftapostel, deren Rationalität blass und dröge wirkte gegen den militanten Kraftgeist der neuen Nationalisten.

Mit der Idee einer aufklärerischen Kulturnation können die Dichter wenig anfangen

Mit der Idee einer aufklärerischen Kulturnation, die sich im vernunftgeleiteten Für und Wider konstituiert, können Demagogen wie Arndt und Jahn denn auch nur bedingt etwas anfangen: Die kulturnationale Idee mündet bei ihnen in diffuse, sakralisierende Beschwörungen von völkischer Einheit und Stammesreinheit. Zwar fordert selbst ein Volkstumsdenker wie Jahn eine "Sprechgemeinde" (so seine volkstümelnde Übersetzung von Parlament), die keine "Taubstummenanstalt von Jaherren und Beifallnickern" sein solle.

Ebenso findet sich bei Arndt der Ruf nach politischer Teilhabe. Der Duktus seiner Schriften und der anderer Germanomanen verrät hingegen keine besonders demokratische Denkweise: "Ein Volk zu sein, ein Gefühl zu haben für eine Sache, mit dem blutigen Schwert der Rache zusammenzulaufen, das ist die Religion unserer Zeit [...] das ist die höchste Religion, das Vaterland lieber zu haben als Herren und Fürsten, als Väter und Mütter, als Weiber und Kinder [...], diese ewige Religion der Gemeinschaft und Herrlichkeit, die auch Christus gepredigt hat, macht zu Eurem Banner, und nach der Rache und Befreiung bringt unter grünen Eichen auf dem Altar des Vaterlandes dem schützenden Gotte die frühlichen Opfer."

Die Freiheit, die Arndt hier vorschwebt, ist ganz offensichtlich nicht die in einer pluralistischen modernen Gesellschaft, sondern die einer archaisch harmonischen – und gut protestantischen – Stammeshorde. Der Ort, an dem sich ihr "Kulturnationalismus" bewähren soll, ist nicht der Diskussionszirkel, sondern das Schlachtfeld.

Eine gewisse "Demokratisierung" erfährt das aufklärerische Konzept der Gelehrtennation nur insofern, als nun auch die "einfachen Leute" Teil der Volks- und Wehrgemeinschaft werden sollen. Tonangebend ist hier vor allem Friedrich Ludwig Jahn mit seiner Schrift Deutsches Volksthum von 1810. Was das "Volksthum" im Innersten erhalte, so Turner Jahn, sei "sein innewohnendes Wesen, sein Regen und Leben, seine Wiedererzeugungskraft".

Alles, was dieses Regen und Leben behindere, gelte es zu bekämpfen – angefangen mit der Sprache, die von französischen Einflüssen bereinigt werden müsse. Die bescheidene Aufgabe, die Jahn dem deutschen Volk zuweist, ist: die Menschheit zu erlösen. Und das Ganze mit Preußen als Speerspitze: "So ahnte ich in und durch Preußen eine zeitgemäße Verjüngung des alten ehrwürdigen Deutschen Reiches, und in dem Reiche ein Großvolk, das zur Unsterblichkeit in der Weltgeschichte menschlich die hehre Bahn wandern würde." 

Die Chance, sich ihrem großen Gegner zu stellen, bietet sich der frühnationalen Bewegung im Winter 1812, als Napoleons Grande Armée in Russland zerrieben wird. Der preußische Reformer von und zum Stein war bereits 1808 aus Preußen geflohen – man hatte ihn wegen der Widerstandsvorbereitungen gegen Napoleon entlassen. Von Russland aus setzte er seinen Kampf fort und versuchte, Ernst Moritz Arndt als Sekretär an seiner Seite, den preußischen König dazu zu bewegen, endlich mit der Besatzungsmacht Frankreich zu brechen.

1789-1871: Die Deutschen und die Nation © ZEIT Geschichte

Nun, da Napoleon so geschwächt ist wie noch nie, scheint der Moment zum Losschlagen gekommen. Bereits im Dezember 1812 hat der preußische General Yorck eigenmächtig einen Neutralitätsvertrag mit Russland geschlossen. Doch nur zögernd schwenkt König Friedrich Wilhelm von Preußen auf den antinapoleonischen Kurs ein. Bis zuletzt zweifelt er, ob das preußische Heer stark genug sei. Am 17. März 1813 ergeht schließlich sein Appell "An mein Volk". Die Befreiungskriege gegen Napoleon beginnen. 

Es sind die ersten Kriege in der deutschen Geschichte, in denen nach französischem Vorbild ein "Volksheer" in die Schlacht zieht. Das preußische Heer ist 1813 doppelt so groß wie 1806. Rund 30.000 Freiwillige kämpfen auf preußischer Seite. Die legendäre "Völkerschlacht" bei Leipzig vom 16. bis zum 19. Oktober ist ein Massengemetzel. Rund 500.000 Soldaten stürmen aufeinander los. Mehr als 100.000 sind am Ende tot.

Die nationalistische Propaganda erlebt in diesen Kriegsmonaten einen Höhepunkt. Da dichtet etwa Theodor Körner, bevor ihn 1813 das Heldenglück des Soldatentodes ereilt: "Frischauf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen / [...] – Wasch’ die Erde, / Dein deutsches Land, mit Deinem Blute rein! " Im Totschießen und Totstechen und Totschlagen finden auch Arndts Hassfantasien ihre ganz reale Erfüllung. 

Die "Mythenproduzenten" haben nach dem Sieg über Napoleon noch nicht ausgedient

Ein einig Vaterland ist damit jedoch noch lange nicht errungen. Und so haben die nationalen "Mythenproduzenten", wie der Historiker Peter Fasel sie nennt, nach dem Sieg über Napoleon auch längst nicht ausgedient. Spätestens nach dem Wiener Kongress 1815 geraten sie in einen Gegensatz zu Preußen, vor allem aber rückt nun der Kampf gegen die inneren "Volksfeinde" in den Vordergrund. "Kaum war Frankreichs Despotismus gebrochen", schreibt Saul Ascher, "gingen unsere Germanomanen noch weiter" und wollten nun "alles Fremdartige von Deutschlands Boden entfernt sehen". Und an anderer Stelle: Um "das Feuer der Begeisterung zu erhalten", musste Brennstoff gesammelt werden. Und da diente nun also auch "das Häuflein Juden" als "Bündel Reiser".

Fichte hat die Juden bereits 1793 in seiner Abhandlung über die Französische Revolution einen feindseligen "Staat im Staat" genannt. Um die Deutschen vor ihnen zu "schützen", sehe er kein anderes Mittel, als "ihnen ihr heiliges Land zu erobern und sie alle dahin zu schicken". Bei Arndt heißt es später: "Die Juden als Juden passen nicht in diese Welt[...], und darum will ich nicht, daß sie auf eine ungebührliche Weise in Deutschland vermehrt werden. Ich will es aber auch deswegen nicht, weil sie ein durchaus fremdes Volk sind und weil ich den germanischen Stamm so sehr als möglich von fremdartigen Bestandteilen rein zu erhalten wünsche."

Aus Sätzen wie diesen spricht nicht mehr der alte religiös fundierte Antijudaismus, sondern ein moderner Antisemitismus, der die Juden zu einer feindlichen Nation stilisiert, gegen die es sich zu wehren gelte wie gegen eine Krankheit. Wie im Hetzen gegen Frankreich liegt dabei auch im Hass auf alles Jüdische ein einheitsstiftendes Moment: Im "Überlebenskampf" mit den Juden formiert sich das germanisch-christliche Deutschland zum "Großvolk".

Auch der radikalste antisemitische Autor jener Jahre, von der historischen Forschung bis vor Kurzem kaum beachtet, entstammt dem Dunstkreis des frühen Nationalismus: Hartwig von Hundt-Radowsky , eine verkrachte Beamtenexistenz aus dem Mecklenburgischen. 1806 verliert er allen Besitz, verschuldet sich und weist alsbald mit unerschöpflichem Zorn auf diejenigen, die angeblich an seiner wie der allgemeinen Misere schuld sind. Während der Befreiungskriege publiziert er einige zu Recht kaum beachtete Gedichte.

Sein Hauptwerk erscheint nach jahrelangem Arbeiten 1819 und erreicht eine fünfstellige Gesamtauflage: Der Judenspiegel. In diesem Hasspamphlet erwägt Hundt nicht nur, die Juden auszusondern und zu kennzeichnen, sondern auch, sie zu kastrieren, zu deportieren und schließlich – zu vernichten. Es ist eines der frühesten Dokumente eines modernen, eliminatorischen Erlösungsantisemitismus. Eine Schrift, die den nationalen Befreiungsschlag des deutschen Volkes mehr als hundert Jahre vor Hitler zynisch-spöttisch als eine Art "Endlösung" imaginiert. 

Hundts Machwerk ging im antisemitischen Gossenschrifttum des Kaiserreichs auf. Die Nationalsozialisten, um die Wissenschaftlichkeit ihrer "Weltanschauung" bemüht, blieben zu dieser Quelle dagegen auf Distanz. Umso emphatischer feierten sie dafür Männer wie Jahn und Arndt, den ein NS-Germanist den "vielleicht ersten großen Deutschen, der Rassebewußtsein hat", nannte. Ganz falsch lag er damit nicht. Im germanomanen Schrifttum nach liberalen Ideen zu suchen ist jedenfalls ein mühseliges Unterfangen. Den nationalsozialistischen Blut-und-Boden-Ideologen lieferten die Texte hingegen reichlich Stoff. 

1789-1871: Die Deutschen und die Nation © ZEIT Geschichte

Aufgeklärte Intellektuelle wie Saul Ascher erkannten diese dunkle Seite des Frühnationalismus bereits vor 200 Jahren und wünschten sich eine liberale Friedensordnung jenseits aller nationalen Denkmuster. Zu Unrecht sind kritische Geister wie er heute so gut wie vergessen, während an die Prediger des Nationalen noch immer Straßen und Schulen, an Ernst Moritz Arndt sogar eine Universität und eine Kirche erinnern.

Christian Staas , Jahrgang 1975, ist Chefredakteur des Magazins ZEIT Geschichte