1418

Der portugiesische Prinz Heinrich (1394–1460), genannt der Seefahrer, schickt erstmals Schiffe an die afrikanische Westküste.

1434–1482

Heinrich und nach ihm die Könige Portugals treiben die Erkundung der afrikanischen Küste weiter voran. Die Schiffe, die sie aussenden, kehren mit Gold, Elfenbein und Sklaven nach Europa zurück. Entlang der Westküste des afrikanischen Kontinents stoßen die Expeditionen immer weiter nach Süden vor: Gil Eanes umrundet 1434 das Kap Bojador an der Westküste der Sahara. 1445 erreicht Dinis Dias das Kap Verde. Pedro de Sintra segelt 1460 bis zum heutigen Sierra Leone, Fernão Gomes etwas später bis zur Elfenbein- und Goldküste, Diogo Cão 1482 bis zum Kongo-Delta.

1488

Bartolomeu Dias (um 1450–1500) erreicht die südwestliche Spitze Afrikas und nennt sie Kap der Stürme. König Johann II. bevorzugt den Namen Kap der Guten Hoffnung: Er ist zuversichtlich, dass seine Schiffe bald nach Indien finden werden.

1492

Die vom spanischen Königspaar ausgerüstete Flotte des Genueser Seefahrers Christoph Kolumbus (1451–1506) findet nicht die gesuchte Westroute nach Indien, sondern landet auf den Bahamas und kurz darauf auf der Insel Hispaniola (die sich heute Haiti und die Dominikanische Republik teilen). Mit Kolumbus’ zweiter Reise (1493–1496) kommen die ersten europäischen Siedler.

1493

Der Spanier Alonso de Ojeda (um 1466–1516), der Kolumbus auf seiner zweiten Reise begleitet hat, dringt als erster Europäer in das Innere Hispaniolas vor. Er findet Gold und kämpft gegen Einheimische; er ist der erste Konquistador.

1494

Spanien und Portugal unterzeichnen den Vertrag von Tordesillas, in dem Papst AlexanderVI. die Welt in zwei Hälften teilt. Die Trennlinie verläuft von Pol zu Pol auf einer geografischen Länge von etwa 46 Grad West (die Demarkation wurde relativ zur Lage der Kapverdischen Inseln bestimmt, da man den Längengrad noch nicht messen konnte). Alles östlich dieser Linie wird Portugal zugeschlagen; was westlich von ihr entdeckt wird, soll Spanien gehören. Wo die Linie auf der anderen Erdhalbkugel verläuft, bleibt ungeklärt, was zum Problem wird, als 1511 die Portugiesen und 1521 die Spanier die Gewürzinseln (Molukken) in der Nähe des heutigen Indonesien erreichen.

1497

John Cabot (um 1450–1498) gelangt, unter englischer Flagge fahrend, nach Neufundland. Um das Jahr 1000 waren hier schon Wikinger aus Grönland angelandet.

1497–1499

Vasco da Gama (um 1469–1524) findet den Seeweg nach Indien. Von Portugal kommend, erreicht er zunächst das Kap der Guten Hoffnung. Danach folgt er der Ostküste Afrikas. Im Mai 1498 ist er am Ziel, in der indischen Handelsstadt Kalikut. Weil er nur wertlose Waren wie Glasperlen und Filzhüte anzubieten hat, weigern sich die indischen Kaufleute, mit ihm Geschäfte zu machen.

1498

Auf seiner dritten Reise (1498–1500) sichtet Christoph Kolumbus erstmals Festland – die Küste des heutigen Venezuela.

1499

Alonso de Ojeda leitet eine Flottenexpedition entlang der Nordküste Südamerikas, entführt Indianer und verkauft sie als Sklaven nach Spanien. Mit an Bord ist der Florentiner Seefahrer Amerigo Vespucci (um 1454–1512), der in den fremden Ländern, die Kolumbus bis zu seinem Tod für den östlichen Teil Asiens hält, eine neue Welt erkennt. Nach Amerigo Vespucci wird der neu entdeckte Kontinent später Amerika genannt.

1513

Als erster Europäer erblickt Vasco Nuñez de Balboa (um 1475–1517) den Pazifik. Er ist in rund 25 Tagen von Ost nach West durch das heutige Panama gewandert.

1519–1522

Im Hochtal von Mexiko unterwirft der spanische Konquistador Hernán Cortés (1485–1547) die Azteken.

1519–1522

Im September verlässt die Flotte des portugiesischen Seefahrers Ferdinand Magellan (um 1480–1521) Spanien, um in spanischem Auftrag einen Westweg zu den Gewürzinseln zu finden. Im November 1520 durchfahren Magellans Schiffe die Meerenge zwischen Feuerland und dem südamerikanischen Festland – später wird sie nach ihrem Entdecker Magellanstraße genannt. Er selbst gibt dem Pazifik nach einer windarmen Überfahrt seinen Namen: »mare pacifico« – friedliches Meer. Nicht einmal die Hälfte seiner Mannschaft erreicht 1521 die Molukkeninsel Tidore. Magellan kommt zuvor bei einem Kampf mit Einheimischen auf einer der heutigen Philippineninseln ums Leben. Nur eins der ursprünglich fünf Schiffe kehrt 1522 nach Spanien zurück und vollendet damit die erste Weltumseglung.

1524–1527

Der Spanier Pedro de Alvarado (1485–1541) unterwirft im heutigen Guatemala mehrere Maya-Staaten.

1529

Da nach wie vor unklar ist, wo die Tordesillas-Linie auf der anderen Erdhälfte verläuft, verkauft Kaiser Karl V. die spanischen Eventualansprüche auf die Gewürzinseln für 350000 Dukaten an Portugal. Später stellt sich heraus, dass diese ohnehin in der portugiesischen Zone lagen.

1531–1535

Francisco Pizarro (um 1478–1541) erobert das Inka-Reich (Peru) und regiert es als Statthalter im Namen des spanischen Königs; 1534 nimmt Pizarro die Inka-Hauptstadt Cuzso ein, plündert das Land und beutet seine Bewohner aus.

1535

Der Konquistador Francisco de Orellana (1511–1546) überquert im Tross von Pizarros Halbbruder Gonzalo (1502–1548) den Gebirgszug der Kordilleren, um nach dem legendären Goldland El Dorado zu suchen. 1541/42 befährt Orellana den Amazonas bis zur Mündung. Er durchquert damit als erster Europäer Südamerika fast vollständig.

1576–1611

Mehrere englische Seefahrer suchen die Nordwestpassage − einen neuen, kürzeren Weg nach Asien. Martin Frobisher (1535–1594) dringt zwischen 1576 und 1578 bis in die nach ihm benannte Frobisher Bay (Kanada) vor. John Davis (1543–1605) versucht in den 1580er Jahren, zwischen Kanada und Grönland einen Weg zu finden. Henry Hudson (1565–1611) unternimmt zwischen 1607 und 1611 vier erfolglose Versuche, durchs Nordpolarmeer nach Asien zu gelangen.

1577–1580

Der Engländer Francis Drake (um 1540–1596) sichtet als erster Europäer die südliche Spitze Amerikas. Er fährt weiter bis zum heutigen San Francisco und umsegelt – nach Magellan – als Zweiter die Welt.

1579–1648

Der Kosakenführer Jermak Timofejewitsch (gestorben um 1585) zieht durch den Ural und nimmt für den russischen Zaren Sibirien in Besitz. 1639 erreichen die ersten Kosaken den Pazifik. 1648 durchfährt Semjon Deschnjow (um 1605–1673) auf der Suche nach Silberbergen und Zobelherden als erster Europäer die Meeresstraße zwischen Asien und Amerika.

1594

Willem Barents (um 1550–1597) entdeckt auf der Suche nach einer Nordostpassage die im Polarmeer gelegene Doppelinsel Nowaja Semlja, zwei Jahre später die Bäreninseln und Spitzbergen.

1606

Der Niederländer Willem Jansz (um 1570–1630) betritt als erster Europäer den australischen Kontinent.

1615

Die beiden niederländischen Seefahrer Willem Corneliszoon Schouten (um 1567–1625) und Jacob Le Maire (1585–1616) umfahren die Südspitze Südamerikas, die sie nach der niederländischen Hafenstadt Kap Hoorn nennen.

1642

Der Niederländer Abel Tasman (um 1603–1659) entdeckt die später nach ihm benannte Insel im Süden Australiens und sichtet als erster Europäer Neuseeland.

Zusammengestellt von Hella Kemper