IV. Das Militär: Anders als beim geheimen Federzug zur Abschaffung der Folter zeigte sich Friedrich bei seinen Feldzügen von rücksichtsloser Entschlossenheit. Als in Wien der Kaiser starb, legte der Verfasser des Antimachiavel die Flöte beiseite und marschierte mit Pauken und Trompeten nach Schlesien. Der preußische Staat war von Friedrichs Vater, dem »Soldatenkönig«, zu einer brauchbaren Waffe hochgerüstet worden. Aber während der martialische Monarch das Kriegführen stets vermieden hatte, nahm sein feinsinniger Sohn die ererbte Waffe ohne Zögern in die Hand.

Das Heer war trotz einiger Neuerungen in der Truppenverwaltung und der Militärökonomie aufklärungsfreies Gebiet. In Berlin mochten die Zeitungsschreiber und Gelehrten über alle möglichen »bürgerlichen Verbesserungen« diskutieren, für die Rücken der Deserteure, die in der Stadt Spießruten liefen, änderte das nichts. Wie in den Garnisonen der anderen deutschen Fürstentümer und wie in Paris, Moskau und Wien wusste man den Kanonensklaven auf den Leib zu rücken, bis blutig die Fetzen flogen.

Bei der Rekrutierung der Offiziere indessen gab es Unterschiede. In Frankreich etwa hatten schon vor der Revolution auch Bürgersöhne Aufstiegschancen. In Preußen blieben die höheren Ränge in Militär und Verwaltung dem Adel vorbehalten. Friedrich wollte die alte Standeselite mit ihren Eigeninteressen umformen in eine neue Funktionselite für den Dienst am Staat. Auf eher kuriose Weise sollten diesen Dienst auch die invaliden Feldwebel leisten: Friedrich schickte sie in die Dorfschulen, damit sie Abc-Schützen drillten.

V. Bildung und Erziehung: Das Schulwesen in Preußen wurde trotz des Landschulreglements von 1763 mehr unter argwöhnischer Duldung als mit aktiver Hilfe Friedrichs reformiert. Die Bauernkinder sollten nur das Nötigste lernen, damit sie nicht, wie Friedrich befürchtete, in die Städte laufen und »Sekretairs werden wollen«. Erst 1787 wurde das Oberschulkollegium eingerichtet. Bis dahin verwaltete die Abteilung für Geistliche Angelegenheiten die Schulen.

In den Dorf- wie den Lateinschulen setzten protestantische Pfarrer durch, was Historiker später als »Sozialdisziplinierung« beschrieben. In den Stadtschulen trainierten philanthropische Pädagogen, ebenfalls inspiriert von der protestantischen Ethik, den Geist der Leistungsbereitschaft. Allzu weit konnten es die leistungsbereiten Bürgerkinder in der friderizianischen Gesellschaft indes nicht bringen: Eine höhere Karriere in Militär, Justiz und Verwaltung blieb weitgehend dem Adel vorbehalten.

In anderen europäischen Staaten sah es nicht unbedingt besser aus: Während sich im protestantischen Preußen immerhin eine Art Modernisierung hinter dem Rücken des Königs vollzog, blockierte in Frankreich und in Österreich die katholische Kirche jedwede pädagogische Reform. Joseph verstrickte sich glücklos in Kämpfe mit der Kirche. In Russland wiederum schickte Katharina zwar Pagen auf deutsche Hochschulen und baute mit deutschem Personal Universitäten auf, scheiterte aber bei der Einführung der Elementarschulen. Nirgends in Europa war die Bildungskluft zwischen Adel und Bürgertum auf der einen und der Masse der Dorfbevölkerung auf der anderen Seite so groß wie in Russland.

VI. Verwaltung und Bürokratie: Ein wichtiges Herrschaftselement des aufgeklärten Absolutismus war die ordentliche Verwaltung des Staates und seiner Finanzen. Die Bürokratie sollte dabei als ein Instrument zur Eindämmung aristokratischer Willkür dienen. Da jedoch in Preußen – im Unterschied zu anderen europäischen Staaten – die höheren Verwaltungs- und Regierungsstellen dem Adel vorbehalten blieben, trat die eingedämmte aristokratische nun als behördliche Willkür in Erscheinung.