Preußen war bei Friedrichs Thronbesteigung im Jahr 1740 ein relativ rückständiger Agrarstaat. Rund 90 Prozent der Bevölkerung lebten auf dem Land. Gewiss, schon sein Vater Friedrich Wilhelm I. hatte sich bemüht, Handwerk und Gewerbe zu fördern: 1716 ließ er das »Lagerhaus« aufbauen, eine Manufaktur und Aufkaufstelle für Wollgewebe, hauptsächlich zur Herstellung von Uniformen, und 1722 entstand die Spandauer Gewehrfabrik. Aber abgesehen von Wolltüchern konnte Preußen praktisch nur Getreide und Holz exportieren. Das Handwerk arbeitete traditionell und meist ausschließlich für den örtlichen Bedarf. Die Pachteinnahmen aus den Domänen, also den königlichen Gütern, die etwa ein Viertel des Bodens bewirtschafteten, machten rund die Hälfte der Staatseinkünfte aus; die andere Hälfte setzte sich aus Steuern und Zöllen zusammen.

Das Geld floss zu rund 70 Prozent in die Armee. Deren Unterhalt war also der Hauptzweck preußischer Wirtschaftspolitik. Friedrich suchte deshalb, wie schon sein Vater, permanent nach neuen Einnahmequellen. Und er hatte recht präzise Vorstellungen davon, was zu tun sei. Seinen Minister Samuel von Marschall wies er am 27. Juni 1740 an, vor allem für drei Dinge zu sorgen: »1. Die jetzigen Manufakturen im Lande zu verbessern [wobei er mit Manufakturen hier nicht arbeitsteilige Produktionsstätten meinte, sondern ganze Gewerbezweige], 2. Die Manufakturen, so darin noch fehlen, einzuführen, und 3. So viel Fremde von allerhand Conditionen, Charakter und Gattung in das Land zu ziehn, als sich nur immer thun lassen will.«

Derlei »merkantilistische« Gedanken waren seinerzeit weit verbreitet. Aber in Friedrichs Preußen wurden sie konsequenter umgesetzt als andernorts. Man könnte auch sagen: halsstarriger, vor allem in Friedrichs späten Regierungsjahren, als sein System in einer Sackgasse endete. Zunächst aber konnte er durchaus wirtschaftliche Erfolge verbuchen. Schon die Eroberung Schlesiens 1740 erwies sich als profitabel, verfügte die Provinz doch über eine entwickelte Leinenproduktion. Kaufleute (»Verleger«) schossen den Spinnern und Webern die Rohmaterialien vor, bezahlten für die fertigen Tuche und verkauften diese dann auf zum Teil recht weit entfernten Märkten. Preußen gewann durch die Eroberung somit nicht nur ein einträgliches Gewerbe, sondern auch einen bedeutenden Exportzweig. Wie Friedrich bemerkte, war Schlesien für ihn so wertvoll wie Peru mit seinen Silberlieferungen für den spanischen König. Überhaupt betrachtete er die Region vorwiegend als Kolonie. Sprach er von Preußen, so meinte er meistens nur die Kernlande.

Auch bei den »Peuplierungen«, also der Ansiedlung ausländischer Bauern auf neu gewonnenem Ackerland, feierte Friedrich große Erfolge. So gelang es zwischen 1746 und 1763, das Oderbruch, ein rund 60 Kilometer langes Binnendelta der Oder, zu entwässern. 270.000 Morgen wurden eingedeicht; 1.150 Familien ließen sich in insgesamt 43 Kolonien auf dem erschlossenen Land nieder, dazu wurden sieben Spinnerdörfer angelegt. Auch warb Friedrich fremde Handwerker und Fabrikanten mit Zuschüssen und Steuerbefreiungen an. Er erwog sogar den Bau von Moscheen für osmanische Einwanderer – die dann allerdings nicht kamen.

Eine schwierigere Aufgabe stellte es dar, die Handelsbilanz aus dem Minus zu holen: Bei Friedrichs Regierungsübernahme strömte per saldo Geld aus dem Land und schuf Beschäftigung und Einkommen außerhalb Preußens, aber nicht in Preußen selbst. Friedrich instruierte daher seinen Minister Marschall, er solle »auf alle Art bedacht sein, wie die in den Königlichen Landen gemachten fabriques und marchandises [Waren] auswärtig debitiret [in Rechnung gestellt] werden können«.

Das war leichter gesagt als getan. Zwar entstanden nicht zuletzt dank großzügiger königlicher Unterstützung neue Werkstätten und Manufakturen – die Seidenproduktion lag dem König besonders am Herzen, er förderte aber auch die Herstellung von Porzellan, Uhren, Feinpapier und anderen Produkten –, oft konnten diese Unternehmen jedoch nur überleben, weil hohe Zölle und Einfuhrverbote ihnen den Binnenmarkt sicherten. Selbst Seide aus dem preußisch-niederrheinischen Krefeld durfte nicht in die Kernprovinzen importiert werden.

Mit Recht hielt Friedrich die finanzielle Situation seines Staates für prekär. Kriege sollten daher »kurz und vives« sein, kurz und heftig, denn ein längerer Waffengang würde »das Land depeuplieren« und die Ressourcen erschöpfen. Doch der 1756 begonnene Dritte Schlesische Krieg dauerte sieben Jahre und kostete 139 Millionen Taler – eine astronomische Summe, die nur mittels dreier zusätzlicher Einnahmequellen aufgebracht werden konnte: