Kritik an dieser angeblich rein intellektuellen Auseinandersetzung mit dem Buddhismus ließ nicht lange auf sich warten. Gelehrte wie Seidenstücker, so der Vorwurf anderer Buddhisten, priesen Buddhas Lehren lediglich als Vernunft- und Erkenntnisreligion und beschränkten sich auf die Auslegung der Schriften in Salons und schöngeistigen Reden. Es fehlten die Tat, die Praxis, das Leben.

1912 bildete sich daher der Bund für Buddhistisches Leben. Der Vorsitzende Wolfgang Bohn war lebensreformerischer Arzt, Mitglied des Kneipp-Bundes und Guttempler. Seiner Ansicht nach sollten Buddhisten sich streng vegetarisch ernähren und auf Alkohol verzichten.

Buddhistische Gemeinden im engeren Sinne entstanden dann in den zwanziger Jahren um den Juristen Georg Grimm und den Arzt Paul Dahlke. Grimm fesselte in München und Umgebung mit seinen Reden bis zu tausend Zuhörer. Dahlke hingegen plante (möglicherweise in Anlehnung an lebensreformerische Kommunen und Klostersiedlungen) eine "Stätte der Vertiefung" auf Sylt. Doch als der Hindenburgdamm gebaut wurde, der die Insel mit dem Festland verband, ließ er von seinem Vorhaben ab: Er sah sein Ziel, auf Sylt zur Einkehr zu gelangen, durch den aufkommenden Tourismus gefährdet. 1924 ließ er stattdessen das Buddhistische Haus in Berlin-Frohnau erbauen. Nach Dahlkes Verständnis bedeutete Buddhismus Entsagung, Selbstkultivierung und Domestizierung der Sinne; er propagierte eine asketische, monastische Lebensweise. In ihrer spartanischen, strikt vegetarischen Berliner Lebenskommune führten Dahlke und einige wenige Anhänger ein Leben "äußerer wie innerer Reinlichkeit".

Insgesamt zählten die frühen buddhistischen Gruppen in Deutschland vergleichsweise wenige Mitglieder: Es dürften zu keiner Zeit mehr als 2.000 Personen gewesen sein. Oft aber hatten sie einflussreiche Positionen inne, waren Ärzte, Juristen oder Gelehrte an Universitäten und verbreiteten ihre Überzeugungen. Ihre Hinwendung zum Buddhismus war dabei keine Weltflucht, sondern Ausdruck ihrer Auseinandersetzung mit den Verhältnissen der Zeit. Eines ihrer frühen Zentren, das Buddhistische Haus in Berlin, gibt es noch heute.