Am Abend des 24. Juli 1936, kurz vor Anbruch der Dunkelheit, landet eine Ju 52 der Lufthansa in Berlin-Tempelhof. An Bord befinden sich ein spanischer Hauptmann und zwei NSDAP-Mitglieder: Adolph Langenheim, Ortsgruppenleiter der Auslandsorganisation im marokkanischen Tetuán, und der dort tätige Kaufmann Johannes E. F. Bernhardt. Wenige Tage zuvor hat in Spanisch-Marokko der Putsch des Militärs gegen die republikanische Regierung Spaniens begonnen, die im Februar des Jahres aus einem Volksfrontbündnis hervorgegangen war.

Die Militärerhebung wird in einen fast drei Jahre währenden Bürgerkrieg münden mit Hunderttausenden Toten. Doch an jenem 24. Juli steht es nicht gut um die Aufständischen. Zwar ist es ihnen gelungen, in Marokko die Macht an sich zu reißen, im Mutterland aber sind die Ziele bei Weitem nicht erreicht worden, ein Großteil des Landes hat sich der Erhebung nicht angeschlossen. Die schlagkräftige Afrikaarmee könnte womöglich die Wende bringen, aber sie kann nicht übergesetzt werden, da die Meerenge von Gibraltar durch Kriegsschiffe kontrolliert wird, die der republikanischen Regierung Folge leisten.

So kommt die requirierte Ju 52 zum Einsatz: um einen Auftrag des Oberkommandierenden der Streitkräfte in Marokko, General Francisco Franco, zu erfüllen – eine Mission von höchster Dringlichkeit. Die Emissäre sollen in Berlin Unterstützung für die Aufständischen erwirken. Vor allem benötigen die Putschisten Transportflugzeuge, um eine Luftbrücke zur Iberischen Halbinsel herzustellen.

Am folgenden Morgen suchen Langenheim und Bernhardt die Zentrale der NSDAP-Auslandsorganisation (AO) auf, und nach anfänglichem Zögern des AO-Chefs ist der Weg zu Hitler geebnet. Am Abend treffen die beiden Emissäre in Bayreuth ein, wo der "Führer" die Wagner-Festspiele besucht. Hitler empfängt sie nach der Vorstellung. Kurz entschlossen – manche Autoren behaupten, Hitler habe sich unter dem Eindruck des Siegfried in einer euphorischen Stimmung befunden – gibt er dem Ersuchen statt. Wenige Tage später treffen die ersten deutschen Maschinen in Marokko ein.

Hinter dieser raschen Hilfeleistung, der sich kurze Zeit später auch Italien anschließt, ist lange Zeit eine "faschistische Verschwörung" vermutet worden. Doch diese These ist widerlegt. Schließlich hatte es schon in den Tagen zuvor Hilfeersuchen gegeben, über die deutschen Vertretungen in Lissabon und Paris und durch Emissäre, die nach Rom eilten. Allesamt blieben sie erfolglos. Das Auswärtige Amt wollte vor allem aus Rücksicht auf Großbritannien nicht in innerspanische Angelegenheiten eingreifen. Auch Mussolini zeigte sich aus Sorge vor internationalen Verwicklungen zunächst sehr zurückhaltend. Vor diesem Hintergrund muss die Mission von Langenheim und Bernhardt als verzweifelter Versuch Francos bewertet werden, sich doch noch Gehör zu verschaffen.

Mussolini bestärkte mit der massiven Intervention in Spanien seine imperialen Absichten im Mittelmeerraum. Aus welchen Gründen aber ließ sich Deutschland auf das Unterfangen ein?

Darüber ist viel spekuliert worden. Entgegen häufigen Behauptungen haben jedoch weder wirtschaftliche Interessen noch die Möglichkeit, der Luftwaffe die Möglichkeit zu bieten, unter realen Kampfbedingungen zu operieren, den Anlass zur Intervention gegeben (wenngleich beiden Faktoren im Verlauf des Krieges eine immer größere Bedeutung zukam). Wichtiger dürften ideologische Gründe gewesen sein: Hitler sah sich in seinem Antibolschewismus mit Franco verbunden. Vor allem aber bot ihm der Putsch in Spanien die Gelegenheit, Frankreich von Süden aus unter Druck zu setzen. Vieles aber war in den Anfangstagen des Bürgerkriegs noch völlig unklar, und so schrieb Goebbels in sein Tagebuch: "Wir beteiligen uns so ein bißchen in Spanien. Nicht sichtbar. Wer weiß, wozu es gut ist."

Aus dem kurzen Engagement wurde ein langer, blutiger Krieg, der oft als Präludium des Zweiten Weltkriegs verstanden wird. Kurz nachdem sich Italien und Deutschland zur Intervention entschlossen hatten, griff die Sowjetunion in den Konflikt ein. Hinzu kamen die von der Kommunistischen Internationalen aufgestellten Internationalen Brigaden. Hitler und Mussolini verstärkten daraufhin ihr Engagement.

Bereits für die Zeitgenossen stand fest, dass in Spanien eine Auseinandersetzung zwischen den beiden großen Ideologien ausgetragen wurde, die das Europa der Zwischenkriegszeit in ihren Bann gezogen hatten. Und Franco wurde zeitlebens nicht müde, zu betonen, dass auf spanischem Boden die erste siegreiche Schlacht gegen den Bolschewismus geschlagen worden sei. "Das ist ein großartiger Sieg für den Faschismus, möglicherweise der bislang größte", notierte der italienische Außenminister Graf Ciano angesichts des Sieges Francos Ende März 1939 in sein Tagebuch.

In der Forschung ist man sich längst einig darüber, dass Franco ohne die militärische Unterstützung aus Berlin und Rom kaum gesiegt hätte – angefangen mit der Errichtung einer Luftbrücke in den Anfangstagen, die verhinderte, dass der Putsch zu einem Debakel wurde. Von November 1936 an operierte dann die deutsche Legion Condor in Spanien: Die Bombardierung des baskischen Städtchens Guernica wurde zum Sinnbild der deutschen Mitverantwortung am Tod zahlloser Menschen. Entgegen der zählebigen Legende, Görings Luftwaffe habe die Wohngebiete von Guernica nur versehentlich bombardiert, erfolgte die Zerstörung gezielt und mit voller Absicht.