Das militaristische Deutsche Reich überfällt Europa: ein zähnefletschender Gorilla mit Pickelhaube, in der Rechten eine blutige Keule mit der Aufschrift "Kultur", in der Linken sein Opfer, eine wehrlose Frau, darüber die Aufforderung Destroy this mad brute, "Zerstört dieses wahnsinnige Untier". Die Aussage dieses berühmten Werbeplakats der US-Armee aus dem Jahr 1917 findet sich in der antideutschen Propaganda in immer neuen Variationen. Auf britischen, amerikanischen oder französischen Plakaten erscheint das deutsche Volk als eine Horde von "Barbaren" und "Hunnen", der deutsche Soldat als sengende Bestie, als potenzieller Vergewaltiger, Frauenmörder und Kinderschänder.

Der Erste Weltkrieg war der erste Krieg, in dem Propaganda auf allen Seiten eine wesentliche Rolle spielte. Millionen Soldaten fanden in den Abnutzungsschlachten den Tod. Ihren Einsatz galt es zu legitimieren, und es bedurfte beachtlicher Anstrengungen, den Kampfeswillen der Bevölkerung aufrechtzuerhalten: Auf Litfaßsäulen und Anschlagflächen warben alle Kriegsparteien um Soldaten und für den Kauf von Kriegsanleihen. Der Erste Weltkrieg war zugleich der erste Krieg, der für die Menschen an der "Heimatfront" mit allen modernen Mitteln dokumentiert wurde: In Zeitungen, Illustrierten und in den Kinos entbrannte ein regelrechter Krieg der Bilder.

Wie dieser Kampf zu führen sei, darüber gingen die Ansichten jedoch auseinander. So meinte man in den deutschen Stellen zunächst, der Krieg sei ein Kulturkrieg und keine Propagandaschlacht. Auf den deutschen Plakaten finden sich daher nur selten diffamierende Darstellungen der Entente-Soldaten. Vielmehr ging es der Propaganda darum, die eigene kulturelle Überlegenheit zu beweisen. Plakate mit langen Zahlenkolonnen und belehrende Schautafeln beherrschten die Aushänge. Während die Alliierten das gesamte Spektrum der in der kommerziellen Werbung erfolgreichen Methoden nutzten – den Zeigegestus etwa oder den fixierenden Blick –, wirkten die deutschen Versuche oft altbacken. Typische Beispiele sind die vom Reichsschatzamt herausgegebenen Plakate zu den Kriegsanleihen. Auf ihnen dominierten nackte Heroen, martialische Ritter und heldenmutige Drachentöter mit Schwertern und Fackeln.

Erst gegen Ende des Krieges wurden sich die deutschen Stellen ihrer Defizite bewusst. Verspätet bildeten sich nun erste Organisationen einer staatlichen Bildpropaganda. Eine der wichtigsten war das 1917 gegründete Bild- und Filmamt (Bufa), das die bei der Obersten Heeresleitung und dem Auswärtigen Amt angesiedelten Film-, Bild- und Presseabteilungen vereinigte. Das Bufa versorgte Inland wie Front mit Film- und Bildmaterial, richtete Feldkinos ein, zog Filmgesellschaften zur Produktion im Regierungsauftrag heran und verfügte sogar über eigene Bildreporter und Filmtrupps.

Auch die Bildsprache der deutschen Propagandaplakate wandelte sich nun. Einen Wendepunkt markiert ein Motiv des Malers Fritz Erler zur 6. Kriegsanleihe vom April 1917. Es zeigt einen Soldaten mit Stahlhelm, Gasmaske und Handgranaten, darüber der Slogan "Helft uns siegen!". Erlers Krieger wurde auf mehr als 700.000 Plakate gedruckt. Nach und nach verdrängte er den anachronistischen Rittertypus, ja verkörperte bereits das präfaschistische Ideal eines "neuen Kämpfers", der, gestählt und rassisch rein, seinem Volk dient. Die Zeitschrift Das Plakat konstatierte damals, Feder, Stift und Pinsel seien eine dem Schwert ebenbürtige Waffe geworden.

Wirklich neu in der Propaganda aber war eine andere Bildtechnik: die Fotografie. Vermutlich kamen zwischen 1914 und 1918 rund 100 offiziell akkreditierte Fotografen an allen Fronten zum Einsatz, allein 40 von ihnen auf deutscher Seite. Daneben gab es eine nicht zu beziffernde Zahl von Bildreportern, die auf eigene Kosten die Kriegsschauplätze bereisten, unter ihnen Heinrich Hoffmann, der spätere "Leibfotograf" Adolf Hitlers, der hauptsächlich die Münchner Illustrierte Zeitung mit Aufnahmen aus der Etappe belieferte. 

Die Aufnahmen dieser Fotografen folgten zumeist den etablierten ästhetischen Konventionen der Schlachtenmalerei und hielten den Krieg als Abenteuer fest. Es dominierten Bilder, die das Vorher und das Nachher der Schlacht zeigten, Aufnahmen vom friedlich-beschaulichen Alltag in der Etappe, von zu Stillleben arrangierten Waffen, von heroischen Kriegern und zerstörten Landschaften. Nur vereinzelt rückte das Völkerschlachten selbst in den Fokus. Erstmals wurde der Krieg auch in Farbe fotografiert. Die als "Wirklichkeitsbilder" beworbenen und als Postkarten vertriebenen Aufnahmen ähnelten indes oft eher verklärenden impressionistischen Gemälden.

Wahrhaft innovativ war hingegen die sogenannte Combat-Fotografie. In ihr kündigte sich das Verschmelzen der Perspektiven von Fotograf, Schütze und Betrachter an – und auch hier waren die Alliierten stilprägend. Vor allem bei den britischen Massenblättern erfreuten sich die neuen Combat-Fotos großer Beliebtheit. Mit ihrer Nähe zum Geschehen und der Dynamik des Dargestellten suggerierten sie dem Betrachter, selbst am Kampfgeschehen teilzunehmen. Erstmals bürgte der Körper des Fotografen für die Authentizität des Gezeigten. Solche Aufnahmen lieferte etwa der britische Kriegsfotograf John Warwick Brooke. Auf einem Bild von der Westfront befindet er sich unmittelbar zwischen den aus dem Graben auf das Schlachtfeld stürmenden Soldaten. Wo sich der Krieg der Fotografie entzog, schreckte man allerdings nicht vor Inszenierungen für die Kameras zurück.