Im Jahr 69 v. Chr. wird in Alexandria eine Königstochter geboren. Ihr Vater, Ptolemaios XII., ist der reichste Mann der Welt. Der Nil düngt die Felder seiner Bauern mit fruchtbarem Schlamm, die Einkünfte aus der Ernte gehören ihm. Aus dem Erbe Alexanders des Großen hatte sich einst die hellenistische Staatenwelt, eine Vielzahl von Königreichen, entwickelt. Wenige Jahre nach Kleopatras Geburt ist davon nur noch Ägypten übrig. Die anderen sind von der neuen Weltmacht Rom geschluckt worden, dieser nüchternen Republik im Norden des Mittelmeeres. Doch der ägyptische König kann sich die Senatoren in Rom mit großzügigen Geschenken gewogen halten. Jeder Versuch eines römischen Feldherrn, einen Fuß nach Ägypten zu setzen, ist bislang am Veto der anderen gescheitert.

Als Ptolemaios stirbt, ist Kleopatra 18 Jahre alt und tritt gemeinsam mit ihrem erst zehn Jahre alten Bruder seine Nachfolge an. Sie wird einmal eine der berühmtesten Frauen der Welt sein, aber über ihre Jugend weiß man so gut wie nichts. Vermutlich stammt sie aus einer Verbindung ihres Vaters mit einer vornehmen Ägypterin. Ihre Familie hat griechische Wurzeln, so wie alle Nachfolger Alexanders. Qua Geburt besitzt sie Eigenschaften, die sie später zur idealen Feindin Roms werden lassen: Sie ist eine Königin, und sie ist eine Frau.

Kleopatras erste Handlung als Regentin ist die Heirat mit ihrem Bruder. Zwar kann in Ägypten eine Frau herrschen, aber nicht ohne einen Mann an ihrer Seite. Kleopatra nennt sich Thea Philopator, die Vaterliebende Göttin, wohl um zu signalisieren, dass sie die romfreundliche Politik ihres Vaters fortsetzen wird und dass sie ihre Herrschaft gegenüber ihrem Bruder durchsetzen will. Sie lässt Münzen prägen, auf denen nur sie abgebildet ist, eine Stele wird 51 v. Chr. "zu Ehren der Königin Kleopatra, der Vaterliebenden Göttin", geweiht. Von ihrem Bruder kein Wort. Die junge Königin regiert Ägypten allein.

Ein Geschwisterzwist um die Macht in Ägypten

Doch ihr Bruder und seine Berater geben sich nicht geschlagen. Dies zeigt ein Erlass aus dem Jahr 50 v. Chr., wonach alles Getreide nach Alexandria geliefert werden soll, wo wohl eine massive Hungersnot herrscht. Der Name des Bruders steht vor dem Kleopatras, ein erstes Zeichen dafür, dass seine Partei die Vorherrschaft gewinnen konnte. Es ist wenig darüber bekannt, wie es dem inzwischen 13-Jährigen und seinen Beratern gelingt, Kleopatra zu verdrängen, doch 49 v. Chr., als in Rom der Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius beginnt, geht sie ins Exil nach Syrien. Trotz dieser Schmach wird ihre Geschichte jetzt erst richtig beginnen.

Pompeius wird im September 48 v. Chr. ermordet, als er in Ägypten um Unterstützung gegen Caesar bittet. Kurz darauf lässt sich Caesar im Palast von Alexandria nieder und will als eine Art Schiedsrichter in die Thronstreitigkeiten zwischen Kleopatra und ihrem Bruder eingreifen. Nun zeigt sich der Machtwille Kleopatras und ihr Mut, sich auf neue Situationen einzustellen. Plutarch berichtet, wie sie sich, eingewickelt in einen Sack, in dem normalerweise Bettwäsche transportiert wird, an den Wachen ihres Bruders vorbei zu Caesar schmuggeln lässt. Alles kommt darauf an, ob sie ihn für sich einnehmen kann.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Geschichte Magazin, das am Kiosk erhältlich ist.

Sie kann. Gemeinsam sind Caesar und Kleopatra im Palast eingeschlossen, während draußen ihr Bruder und seine Berater einen Aufstand gegen den Römer anzetteln. Caesar, der nicht genügend Truppen mitbrachte, um die Aufrührer niederzuschlagen, wartet auf Verstärkung. Im Dezember trifft sein Heer ein, im März besiegen seine Soldaten die Aufständischen und töten Kleopatras Bruder. Caesar installiert sie erneut als Königin. Zur Legitimation ihrer Herrschaft nach ägyptischer Sitte heiratet sie nun den zweiten ihrer beiden Brüder. Da ist sie schon von Caesar schwanger.

Mit dessen Unterstützung ist sie die uneingeschränkte Herrscherin über Ägypten und besucht als solche sogar Rom. Auf Caesars Anwesen jenseits des Tiber gibt sie glanzvolle Empfänge, lädt Dichter und Philosophen zu öffentlichen Vorträgen und Streitgesprächen ein. Für die sittenstrengen Römer sind ihr Reichtum und ihr Selbstbewusstsein eine Herausforderung, zumal in Rom ja auch noch Caesars Ehefrau lebt.

Als Caesar ermordet wird, ist Kleopatras Schicksal wieder so offen wie das ihres Landes. Die Königin macht sich umgehend auf den Rückweg nach Ägypten. Zehn Jahre herrscht sie nun, bis wieder ein Römer Ansprüche auf ihr Reich stellt. Sie vermindert die Steuerlast für ihre Untertanen, sie reformiert die Verwaltung. Doch dann teilen die Caesarianer Octavian, Antonius und Lepidus die Welt untereinander auf. Antonius bekommt den Osten und nimmt Quartier in Kleinasien, an der Mittelmeerküste der heutigen Türkei. Kleopatra ist klar, dass sie sich mit dem neuen starken Mann arrangieren muss, wenn sie ihren Einfluss wahren will.