Gaius Iulius Caesar ist 44 v. Chr. der reichste und mächtigste Mann Roms. Er hat in einem Bürgerkrieg die Republik und ihren Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus besiegt und besitzt nun die Verfügungsgewalt über sämtliche Soldaten und die öffentlichen Finanzen. Die Senatskasse hat er mit seinem privaten Vermögen zusammengelegt. Als Nächstes plant er einen Feldzug am östlichen Rand des Imperiums – gegen die Parther. Sein 18-jähriger Großneffe Octavius, den er zwei Jahre zuvor aus der Provinzstadt Velitrae nach Rom geholt hat, soll ihn begleiten.

Octavius ist bereits nach Griechenland gereist, wo sich die Truppen sammeln, als Caesar zu einer letzten Sitzung des Senats vor seiner Abreise den Versammlungsraum betritt. Was er nicht ahnt: Im Senat hat sich eine Gruppe Verschwörer versammelt. Damit für die Tat nicht ein Einzelner verantwortlich gemacht werden kann, stoßen sie alle zu und erdolchen Caesar. Ein brutaler Mord. Für die Senatoren aber, die ihn begehen, ist er eine moralische Pflicht.

Kurz zuvor hatte Caesar sich zum dictator auf Lebenszeit ernennen lassen – was einen klaren Bruch mit den Traditionen Roms bedeutete, die den hohen Beamten zwar umfassende Amtsgewalt zugestanden, diese aber immer zeitlich begrenzten. In den Augen seiner Gegner hatte sich Caesar damit endgültig als Tyrann zu erkennen gegeben. In ihrer Bluttat sahen sie den einzigen Weg, die Republik und die Freiheit zu retten. Sie wollten ein Exempel statuieren: Rom würde keine Tyrannen- oder Königsherrschaft dulden.

Straffreiheit für Cäsars Mörder

Octavian sollte diese Lektion nie vergessen. Die Rettung der Freiheit, der Libertas, und die Wiedereinrichtung der Republik, der Res publica restituta, sollte er nach seinem Sieg als sein Verdienst beanspruchen. Vorerst aber bahnte er sich seinen Weg nach oben – und dafür war ihm beinah jedes Mittel recht.

Wohl kaum jemand in Rom hätte geglaubt, dass C. Octavius sich durchsetzen würde, denn im Jahr 44 ist er ein Unbekannter, ein Niemand. Wie gelähmt ist die Stadt nach dem Schock des Attentats. Die Mörder verschanzen sich auf dem Capitol, die Bevölkerung, bei der Caesar außerordentlich beliebt war, trauert.

In dieser Situation gewinnt rasch der amtierende Konsul Marcus Antonius die Oberhand. Er ist Mitglied der Nobilität, verdienter Feldherr und Caesarianer. Umso seltsamer erscheint es vielen, dass er sich mit den Caesarmördern Cassius und Brutus verständigt. Doch so gelingt es ihm, Rom eine Atempause zu verschaffen. Die drei kennen sich gut. Sie kommen aus denselben Kreisen, sind gleich alt, haben eine ähnliche Laufbahn hinter sich. Der Senat entscheidet auf Antonius’ Geheiß, die Mörder nicht zu verfolgen, gleichzeitig werden alle Verfügungen Caesars anerkannt. Dessen Ehefrau Calpurnia übergibt Antonius einen Großteil von Caesars Vermögen und seine Akten. Den Soldaten verspricht Antonius, dass sie ihre von Caesar empfangenen Privilegien behalten dürften.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Geschichte Magazin, das am Kiosk erhältlich ist.

Die Gefahr eines Bürgerkriegs scheint gebannt, in Rom geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Es hatten sich ja sowieso alle in der Stadt auf eine langjährige Abwesenheit Caesars vorbereitet, man kann also zur Tagesordnung übergehen. Wenige Tage nach dem Tod des dictator herrscht in der Stadt eine Art Gleichgewicht zwischen Republikanern und Caesarianern. Doch es wird nicht lange anhalten.

Am 6. Mai trifft Octavius in Rom ein: Er besitzt keinerlei militärische Erfahrung, ist 20 Jahre jünger als Antonius und entstammt einer vermögenden, aber politisch unbedeutenden Familie des Ritterstandes, in der noch niemand das Konsulat bekleidet hat. Er ist ein homo novus, ein Emporkömmling. Im griechischen Apollonia hat ihn die Nachricht vom Tod des dictator erreicht. Außerdem erfuhr er, dass Caesar, der keinen leiblichen Sohn hatte, ihn in seinem Testament adoptiert und als Erben eingesetzt hatte. Sofort beschloss er, nach Italien zurückzukehren, begleitet von ehemaligen Soldaten seines Adoptivvaters. Seinen Namen ändert er in C. Iulius Caesar Octavianus und betont damit seine neue, enge Verwandtschaft mit dem ermordeten Herrscher.