Die großen frühneuzeitlichen Verfahren wegen Hexerei und Magie in den deutschen Ländern etwa führten in aller Regel die Bischöfe gemeinsam mit der weltlichen Gerichtsbarkeit; das Papsttum war nicht beteiligt. In Spanien und Portugal lebte die Inquisition bis weit ins 18. Jahrhundert fort und war eng mit dem Staat verflochten – eine Vorform totalitärer Herrschaft und ein wesentlicher Grund für die oft konstatierte Rückständigkeit der Iberischen Halbinsel.

Eine Inquisitionsbehörde besteht noch heute: die Sacra Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis , kurz: Glaubenskongregation. Papst Paul III. hat diese "Römische Inquisition" 1542 eingesetzt, um den Protestantismus und seine Druckwerke zu bekämpfen. Sechs Kardinäle leiteten das Gremium und erstellten einen Index verbotener Bücher. Im Jahr 1600 verurteilte die Römische Inquisition auf dieser Grundlage Giordano Bruno zum Tode, Galileo Galilei musste 1633 widerrufen, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Erst 1966, auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil, wurde der Verbots-Index abgeschafft.

Aufsehenerregende Verfahren aber gab es auch in unserer Zeit noch: 1979 wurde dem Theologen Hans Küng von der Glaubenskongregation die Lehrbefugnis entzogen, und auch gegen den Befreiungstheologen Leonardo Boff und den traditionalistischen Erzbischof Lefebvre ging die Behörde unter Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., vor. Ihre Angst vor abweichenden Lehrmeinungen, scheint es, hat die katholische Kirche bis heute nicht überwunden.

Lothar Kolmer, Jahrgang 1948, ist Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Salzburg