Zur gleichen Zeit hatte SS-Brigadeführer Odilo Globocnik bei Heinrich Himmler die Erlaubnis eingeholt, eine Vernichtungsstätte zur Ermordung von polnischen Juden in Belzec zu bauen. Diese lag im östlichen Teil des deutsch besetzten Polens, im sogenannten Generalgouvernement, südöstlich der Stadt Lublin, wo Globocnik als SS- und Polizeiführer eingesetzt war.

Als Leitungspersonal gewann er ehemalige Beteiligte der "Aktion T4". Sie waren an das Morden bereits gewöhnt, hatten aber als Köche, Fahrer oder "Brenner" häufig untergeordnete Funktionen ausgeübt. Da die Bedingungen in Belzec und den deutschen Anstalten sich zu stark unterschieden, konnte auch die "Mordtechnik" nicht eins zu eins übernommen werden. Allerdings blieb es bei dem Grundprinzip, Menschen in stationären Gaskammern umzubringen.

Keineswegs aber endeten die Krankenmorde im Deutschen Reich, nachdem sie im August 1941 unterbrochen worden waren. Seit 1942 ging das Morden weiter – nicht mehr zentral in den sechs Tötungsanstalten, sondern in einer Vielzahl von Heil- und Pflegeanstalten. Patientinnen und Patienten wurden nun durch überdosierte Medikamente, Vernachlässigung oder Hungerrationen getötet.

An dieser zweiten Phase, der "dezentralen Euthanasie", waren Schwestern, Pfleger, Ärzte, Klinikleitungen, Gesundheitsfunktionäre, Kommunalverwaltungen sowie Mitarbeiter zentraler Staats- und Parteidienststellen beteiligt. Nach heutigen Schätzungen wurden in Deutschland und den besetzten Gebieten zwischen 1939 und 1945 insgesamt 300.000 Kranke und Behinderte ermordet.