Die Reise, die Gott das Privileg der Schöpfung entreißt und dem Menschen seinen Platz im Gefüge der Erde zuweist, beginnt mit einer Reihe von Rückschlägen. Zwei Mal muss die Zehn-Kanonen-Brigg HMS Beagle beidrehen und wieder im Hafen festmachen. Zu stark sind die Stürme, die den Atlantik aufpeitschen. Erst am 27. Dezember 1831 wehen die Winde günstig: Das Schiff legt in Plymouth ab und macht sich auf einen langen Weg.

Fast fünf Jahre liegen vor den 73 Mann Besatzung und ihrem Kapitän Robert FitzRoy. Der cholerische, streng anglikanisch-konservative Marineoffizier hatte darum gebeten, einen Platz für einen naturkundlich interessierten Reisekameraden freizuhalten, der ihm Gesellschaft leisten könne. Etliche Kandidaten sagten ab; der 22 Jahre junge, gerade frisch zum Theologen ausgebildete Charles Darwin hingegen willigte ein – der Reisegenosse war gefunden.

Darwin, ein Sohn aus gutem Hause, hatte erst ein Medizinstudium abgebrochen und dann von 1828 an in Cambridge lustlos Theologie studiert. Vor ihm lag ein Leben als Dorfpfarrer; so hatte er es seinem Vater versprochen, der ihn mit Geld unterstützte und ihm nun auch die große Fahrt bezahlen wollte. Die Reise, so schreibt Darwin es in sein Tagebuch, sei seine einzige Chance auf ein großes Abenteuer – bevor das Leben endgültig in Routine versinke.

Nun hat er sein Bündel gepackt, darin die Reisebeschreibungen Alexander von Humboldts, und freut sich auf das erste Ziel: Teneriffa. Eine Insel, die sein Vorbild Humboldt stark beeindruckt hat. Nichts hat Darwin jedoch vorbereiten können auf die Kraft des Windes und der Wellen, mit denen die Beagle auf offener See zu kämpfen hat. Die Seekrankheit überfällt ihn mit einer Wucht, die ihn unter Deck in seine Hängematte zwingt. In der neun Quadratmeter großen Kajüte, die er sich mit zwei Männern und einem Schreibtisch teilt, verbringt er viele sieche Stunden.

Der Auftrag des Dreimasters ist die Vermessung der Küsten Südamerikas. Dass einer der größten Biologen aller Zeiten an Bord ist, vermutet zu diesem Zeitpunkt niemand; am allerwenigsten Charles Darwin selbst. Er ist kein ausgewiesener Experte auf irgendeinem Feld, sondern nur ein vielseitig interessierter Mann mit einem Faible für Geologie.

Dieser Text stammt aus dem Sonderheft ZEIT Geschichte Panorama.

Nach den Stürmen und der Seekrankheit ist die Ankunft auf den Kanaren für Darwin der nächste Rückschlag: Die Spanier lassen die Besatzung der Beagle nicht an Land, denn in England ist in der Zwischenzeit die Cholera ausgebrochen. Den Vulkan Teide auf Teneriffa, den Humboldt so ausführlich beschrieben hat, sieht Darwin nur aus der Ferne.

Nach einem kurzen Stopp auf den Kapverdischen Inseln erreicht die Beagle Ende Februar 1832 schließlich Südamerika. Das Schiff macht in der Allerheiligenbucht an der Küste des heutigen Brasiliens fest, mehr als 300 Jahre nachdem Amerigo Vespucci hier als erster Europäer an Land ging.

Darwin kann es nicht erwarten, endlich vom Schiff herunterzukommen. An Land sucht er nach einem Weg durch den dichten Wald, der gleich hinter der kleinen Siedlung am Hafen beginnt. Zum ersten Mal steht er inmitten des Mata Atlântica, eines tropischen Regenwalds, der sich damals noch über weite Teile der brasilianischen Küste erstreckt. Nur an wenigen Orten auf der Erde gibt es so viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten wie hier. Darwin ist überwältigt von der Vielfalt und Pracht. In seinem Tagebuch, das Grundlage für sein späteres Buch Die Fahrt der Beagle wird, notiert er: "Es fällt leicht, die einzelnen Gegenstände der Bewunderung in diesen großartigen Szenen zu bestimmen, dagegen ist es unmöglich, eine angemessene Vorstellung von den höheren Empfindungen der Verwunderung, des Staunens und der Andacht mitzuteilen, die den Geist erfüllen und erheben."