Die Frauen, die im Zweiten Weltkrieg als Helferinnen in der Wehrmacht dienten, wurden von männlichen Soldaten selten als gleichrangige Kameradinnen anerkannt. Eine Motivation, die über die Suche nach einem Ehemann hinausging, sprach man ihnen häufig ab – man schimpfte sie "Blitzmädchen" und "Offiziersmatratzen".

Doch das war harmlos im Vergleich zu den hasserfüllten Tiraden, die Wehrmachtsoldaten in Feldpostbriefen vom Stapel ließen, wenn sie in den Reihen der Roten Armee auf kämpfende Frauen trafen, etwa auf Scharfschützinnen oder Pilotinnen. Diese Soldatinnen waren in ihren Augen besonders heimtückische Zwittergestalten zwischen Frau und Mann. Sie galten als "Mannweiber" und "Flintenweiber", wurden oft misshandelt und grausam ermordet. In den Befehlen der Wehrmacht tauchen sie als "entartete Weiber" auf, aber nicht als Soldatinnen. Auch aufseiten der männlichen sowjetischen Soldaten stießen die Frauen auf Vorbehalte, gleichwohl waren sie als kämpfende Soldatinnen zugelassen.

Dagegen rang sich die Wehrmacht erst im August 1944 durch, die Flak- und Nachrichtenhelferinnen überhaupt als Kombattantinnen anzuerkennen. Als im Oktober 1944 der "Volkssturm" aufgestellt wurde, in dem das Nazi-Regime Greise und 15-Jährige in den Tod schickte, waren Frauen nicht vorgesehen. Erst im Februar 1945 erwähnte Martin Bormann, Leiter der Parteikanzlei, in einem Vermerk Überlegungen Hitlers, ein Frauenbataillon aufzustellen. Das Oberkommando der Wehrmacht befahl jedoch noch Ende März 1945, dass Frauen und Mädchen zur "Bedienung von Feuerwaffen im Kampf [...] im Allgemeinen nicht herangezogen werden" durften. Nur die Ausstattung mit "Handfeuerwaffen für den persönlichen Schutz" sei zulässig.

Im Angesicht des sicheren Untergangs wurden auch Frauen an der Panzerfaust ausgebildet. Der Völkische Beobachter druckte in den letzten Kriegswochen Anleitungen zur Verwendung der Panzerfaust – der "Waffe der Frau", wie das NS-Propagandablatt verkündete. Die militärische Ausbildung von Frauen im Rahmen des "Werwolf"-Befehls im Frühjahr 1945 diente ebenfalls der Selbstverteidigung, nur wenige Einsätze sind belegt. Kämpfende Frauen blieben bis Kriegsende die große Ausnahme.

Die tötende Frau ist bis heute ein Tabu, auch wenn Soldatinnen mittlerweile schrittweise vorgedrungen sind in das "Allerheiligste des Krieges": zu den kämpfenden Verbänden und zur Front, an der getötet wird. Bis ins Jahr 2000 hatte ihnen Artikel 12a des Grundgesetzes nur den Dienst im Sanitätswesen oder im Musikkorps der Bundeswehr erlaubt. Erst ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs eröffnete Frauen die Möglichkeit des Kampfeinsatzes. Die Elektronikerin Tanja Kreil hatte geklagt – und recht bekommen. Seit 2001 dürfen Frauen in der Bundeswehr ohne Einschränkung Dienst an der Waffe leisten.

Das heißt aber nicht, dass die Integration in die Männerdomäne Militär abgeschlossen ist. Das Gleichstellungsgesetz für Soldatinnen und Soldaten aus dem Jahr 2005 setzt außerhalb des Sanitätsdienstes einen Frauenanteil von 15 Prozent als Ziel; im Sanitätsdienst soll ein Frauenanteil von 50 Prozent erreicht werden. Die aktuellen Zahlen aus dem Februar 2018 zeigen, wie hochgesteckt diese Ziele sind: In Heer, Luftwaffe, Marine und in der Streitkräftebasis liegt der Anteil laut dem Bericht des Wehrbeauftragten der Bundesregierung zwischen 6 und 10, im Sanitätsdienst bei etwa 40 Prozent. Lediglich 5,6 Prozent aller Berufssoldaten sind weiblich, ein leichter Anstieg zum Vorjahr; bei den Zeitsoldaten sind es immerhin 14 Prozent. Nach wie vor gibt es keine Frauen im Rang eines Kommandosoldaten in der Spezialeinheit KSK. Ihr gehören zwar einige Frauen an, allerdings nicht in kämpfender Funktion. Die Bundeswehr bleibt somit hinter ihren selbst gesetzten Zielen zurück. Als Ursachen dafür werden oft angeblich fehlende körperliche Voraussetzungen der Frauen und die Bedeutung des Themas Familie genannt.

Eine Studie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr aus dem Jahr 2014 ergab zudem, dass jede zweite Soldatin während ihrer Zeit beim Bund sexuell belästigt wurde. Sexualisierte Gewalt gegenüber Frauen ist in vielen Armeen ein Problem: Die U. S. Army rät ihren Soldatinnen, im Auslandseinsatz im Lager immer ein Messer bei sich zu tragen – zur Verteidigung gegen die eigenen Kameraden.

Umfragen in der Bundeswehr zeigen zwar, dass Soldatinnen zunehmend selbstbewusst auf ihre eigenen Leistungen blicken. Aber ihre wachsende Präsenz geht offenbar mit einer Verschlechterung des Integrationsklimas einher: 2005 glaubten 44 Prozent der männlichen Soldaten, dass ihre Kameradinnen körperlich anspruchsvollen Anforderungen nicht gewachsen seien, 2011 waren es 52 Prozent. 36 Prozent sind der Meinung, dass sich die Kampfkraft der Bundeswehr durch die Integration von Frauen verschlechtert habe. 49 statt zuvor 39 Prozent meinen, dass von Frauen im Dienst weniger erwartet werde.

Nach wie vor scheint es schwerzufallen, Frauen und Krieg zusammenzudenken. Auch in der Gesellschaft: Als Erika Franke zur ersten Zwei-Sterne-Generalin der Bundeswehr befördert wurde, titelte ein Boulevardblatt "Zwei Sterne für die Oma". Die Soldatinnen in der Bundeswehr kämpfen – nicht nur in Afghanistan. Sondern auch um ihre Anerkennung.

Weiterlesen:
Klaus Latzel, Franka Maubach, Silke Satjukow (Hrsg.): "Soldatinnen. Gewalt und Geschlecht im Krieg vom Mittelalter bis heute"; Schöningh Verlag, Paderborn 2011