Im Jahr 1884 verleibte sich das deutsche Kaiserreich eine Kolonie ein, die auch das Gebiet umfasste, in dem seit 1960 die unabhängige Republik Kamerun liegt. 1908 wurde Rudolf Manga Bell dort zum König der Duala ernannt. Von den Deutschen bezahlt, gelobte er bei seiner Krönung eine Regentschaft im Interesse der kaiserlichen Regierung. Als er jedoch im Interesse seines Volkes auf Recht und Gesetz bestand, besiegelte das sein Ende – und das der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun.

Am 7. August 1914 verurteilt das Bezirksgericht in Duala den örtlichen König Rudolf Duala Manga Bell und dessen Vertrauten Adolf Ngoso Din wegen Hochverrats zum Tod durch den Strang. Nach der Vollstreckung am folgenden Tag flieht die schwarze Bevölkerung, manche in Booten den Fluss Mungo hinauf, andere retten sich ins Hinterland. Wen die deutschen Soldaten ohne Ausweis antreffen, der wird eingesperrt; wer auf dreimaligen Zuruf nicht anhält, wird erschossen.

An jenem Tag beginnt der Untergang der deutschen Kolonialherrschaft in Kamerun, und es endet der friedliche Widerstand des Volkes der Duala gegen die Kolonialherren, den Manga Bell angeführt hat. Als wenige Wochen später der Erste Weltkrieg auch über Kamerun hereinbricht, stellen die Duala sich auf die Seite Englands. Was die Deutschen jahrelang zu Unrecht befürchtet haben – den bewaffneten Widerstand ihrer Untertanen –, das haben sie mit den Hinrichtungen erreicht.

Mit dem 41 Jahre alten Manga Bell stirbt der Anführer einer in der Kolonialgeschichte einzigartigen Widerstandsbewegung. Sie kämpfte gegen die Vertreibung der Duala von ihren angestammten Wohnplätzen nicht mit Waffen, sondern mit Petitionen, nicht mit einer Kriegserklärung, sondern mit von ihr initiierten Debatten im Berliner Reichstag. Hätten die Kolonialherren ihren eigenen Beteuerungen geglaubt, die Zivilisation in die "Schutzgebiete" zu tragen, dann hätten sie diese Form des Widerstands als Erfolg ihrer Bemühungen begreifen müssen. Aber je hartnäckiger Manga Bell auf den verbrieften Rechten der Duala bestand, desto entschlossener zeigten sich Reichsregierung und Kolonialverwaltung, sie ihnen mit Gewalt zu verwehren.

So erwartete Manga Bell am Ende des Rechtswegs der Tod.

Die Auseinandersetzungen hatten vier Jahre zuvor mit Plänen der deutschen Ortsverwaltung begonnen, die am Fluss Wouri gelegenen Stadtviertel Dualas innerhalb von fünf Jahren in eine reine Europäerstadt umzuwandeln. Vorgesehen war, die Einheimischen gegen eine geringe Entschädigung zu enteignen und in der Nähe der malariaverseuchten Mangrovensümpfe am Stadtrand anzusiedeln, einen Kilometer von der Europäerstadt entfernt. Diese radikale Segregation war im kolonialen Afrika einmalig. Und sie verstieß gegen den mit den Duala geschlossenen Vertrag.

Am 12. Juli 1884 hatten zwei Vertreter der Hamburger Firmen C. Woermann und Jantzen & Thormählen, die seit Jahrzehnten an der Küste Kameruns Handel trieben, mit den wichtigsten "Kings and Chiefs" der Duala vereinbart, dass die Hoheitsrechte, die Gesetzgebung und die Verwaltung auf die Deutschen übergehen sollten. So war der Grundstein für die Kolonie gelegt worden. Doch hatten sich die Duala unter Manga Bells Großvater King Bell ausbedungen, dass der von ihnen bewirtschaftete Boden ihr Eigentum bleiben solle und ihr Monopol im Handel mit dem Hinterland nicht angetastet werde.

Nur dank dieser Zusicherungen war es den Deutschen gelungen, die Briten als Rivalen am Kamerun-Fluss auszuschalten. Doch hatten die Deutschen niemals vor, die Zusage einzuhalten.

Die Stadt Duala sollte ein Aushängeschild des wilhelminischen Kolonialreichs werden, so begründeten die Deutschen den Vertragsbruch. Was dies konkret bedeutete, erläuterte der Bezirksamtmann Hermann Röhm in einer internen Denkschrift: Die Rassentrennung finde ihre "Berechtigung in der Bedeutung und dem Gegensatz der weißen Rasse gegenüber der schwarzen. Sie muß aus diesem Grund gebieterisch gefordert werden, um der Gefahr [...], der wir in Duala ziemlich nahe sind, rechtzeitig oder wenigstens so lange wie möglich zu entgehen, nämlich dem Ansetzen und Entwickeln zur sozialen und politischen Gleichstellung mit den Eingeborenen."

Darum ging es. Und das war den Duala auch nicht verborgen geblieben. Nachdem der deutsche Gouverneur Otto Gleim sie von den Enteignungsplänen unterrichtet hatte, protestierten die Anführer in einer Resolution an den Reichstag. Als das nicht half, verstärkten sie ihren Widerstand. An dessen Spitze stellte sich nunmehr der 1908 zum König ernannte Rudolf Manga Bell. Er war dafür nicht gerade prädestiniert. Als König wurde er von den Deutschen bezahlt, arbeitete für die Kolonialverwaltung und hatte bei seiner Krönung versprochen, "die Interessen der kaiserlichen Regierung fördern zu helfen".