Vielleicht werden sie an Heiligabend mit verschränkten Armen die Türme unterm Baum betrachten. Die Päckchen in Glanzpapier, die Tüten, die Schleifen. Dann werden sie den Kopf schütteln und laut in die versammelte Runde sagen: "Wann kapiert ihr es endlich, Mama, Papa? Ihr zerstört mit eurem vielen Kaufen den Planeten. Das ist unsere Zukunft. Behaltet eure Geschenke!"

Zuzutrauen wäre es ihnen. Das ganze Jahr hindurch haben Kinder bei "Fridays for Future" gefordert, sorgfältiger mit Ressourcen umzugehen, nachhaltiger zu leben, vor allem CO₂ einzusparen. Sie haben die Politik dazu aufgerufen, etwas zu ändern. Und sie haben auch zu Hause protestiert: "Muss diese Plastikverpackung sein?" – "Wie weit ist dieser Apfel geflogen?" – "Ich komme nur mit in den Urlaub, wenn wir mit dem Zug hinreisen!"

Zu Weihnachten werden sie ihre Forderungen auf Verzicht womöglich trotzdem vergessen. Sie werden wie immer ihre Wunschlisten führen. Sie werden ihren Eltern wochenlang wegen neuer Legosets oder Handys in den Ohren liegen. Wer wollte es ihnen vorwerfen?

Was wäre Weihnachten ohne das Schlemmen und das Gönnen? Wer will sich bei jedem Schoko-Nikolaus, bei jeder Kerze fragen: "Ist das bio?" Wer will der Oma vorschreiben, mit dem Zug anzureisen, um CO₂ zu vermeiden? Oder Gänsebraten aus Tofu servieren? Und wäre es nicht gemein, sogar zynisch, Kindern mit dem Verweis aufs Klima die Geschenke vorzuenthalten? Es klänge so nach: "Das habt ihr jetzt von eurer Demonstriererei!"

Dennoch steht das Dilemma jetzt im Raum. Viele Eltern möchten das Anliegen ihrer Kinder unterstützen und mehr für das Klima tun. Gleichzeitig wollen sie mit Verboten der Familie nicht die Freude am Fest verderben.

Gerade das Schenken hat immer noch ein super Image. Das liegt an zwischenmenschlichen Gründen: Schließlich gibt man dabei etwas von sich ab. In jeder Kultur, jeder Religion wird diese Art des Teilens befürwortet. Soziologen sehen darin sogar die friedliche Zivilisation begründet (wenn ich dir etwas freiwillig gebe, greifst du mich nicht an). Die meisten Menschen schenken gern, und zwar unabhängig davon, wie viel sie besitzen. Sie zeigen damit, dass sie an den anderen denken, ihm oder ihr eine Freude machen wollen.