Porsche Bike RX Von A nach B

© Porsche Design Group
Unser Autor fährt mit dem Porsche Bike RX von Bernau nach Wandlitz Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 17/2014

Ich hatte nie davon geträumt, einen Porsche zu fahren. Als man mir einen zum Testen versprach, war ich dennoch ziemlich aufgeregt. Alles, was ich bekam, war zwar nur ein Fahrrad. Aber was für eins. Ein Porsche Bike RX, mit dickem Rahmen, dicken Reifen, in Knallrot und Tiefschwarz. Geländegängig sieht es aus, also eher ein Cayenne auf zwei Rädern, kein Carrera.

Einen Porsche, so denke ich mir als Nichtporschefahrer, fährt man aus zwei Gründen. Erstens, weil es Spaß macht, ihn zu fahren, zweitens, weil man ein bisschen auffallen und sehen will, was die Leute sagen. Um beides zu erfahren, mache ich mich auf von Bernau, nördlich von Berlin, nach Wandlitz, wo früher die DDR-Spitze residierte – mit dem Porsche nach Volvograd. Bei der Abfahrt in Berlin mustert ein junges Paar mein Bike. Sie zu ihm: "Guck mal, schönes Fahrrad, nich?" Er: "Ha, ja, viel zu teuer." Na, das finde ich schon ganz gut. Noch besser ist der Spruch eines Fußgängers: "Hier ist Tempo-30-Zone!" Ja, so was will ich hören!

Die Straße von Bernau nach Wandlitz ist eine richtige Fahrradautobahn. Früher drehten hier die Volvos auf, und die Vopos, die sonst jeden Trabi bei 51 km/h stoppten, salutierten zum Übertreten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Auf der Strecke geht auch mein Porsche Bike RX gut ab. Es liegt klasse in den Kurven, hat ein starkes Abrollgeräusch und spielt seine Stärken über Baumwurzeln und Schlaglöchern aus.

Volvograd. Ich fahre in die Waldsiedlung, vorbei an Egon Krenzens ehemaligem Haus, an Willy Stophs Palazzo, an Erich Honeckers Platten-Villa. Hier konnten die Oberkommunisten sich nach dem Herrschen im Garten entspannen. Heute ist es ein Krankenhaus, aber ein sehr schönes. Junge Leute spazieren in weiten Trainingsanzügen, ältere gehen in Cordhosen und Rüschenrosa. Neben Honeckers Haus ist heute die Psychiatrie untergebracht. Sagt einer was zu meinem Bike? Kritische Blicke, ich lächle unverdrossen jeden an. Aber zu meinem tollen Fahrrad sagt keiner was. Ich ahne den Grund. Ein Porsche ist hier absolut nicht das, wovon die Leute träumen. Viele benutzen hier ein anderes Fahrzeug: den Rollator. So ein Rollator von Porsche wäre natürlich was ganz anderes in Volvograd. Das wäre überhaupt noch mal eine Anregung. Auch Porschefahrer kommen in die Jahre.

Technische Daten

Rahmen: Carbon, Reifengröße: 27,5 Zoll, Gewicht: 10 kg, Schaltung: 20-Gang-Kettenschaltung, Bremsen: hydraulische Scheibenbremsen, Basispreis: 4.800 Euro

Michael Thumann ist Außenpolitischer Korrespondent im Hauptstadtbüro der ZEIT

Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Mit Sicherheit

Ich finde, ja bin überzeugt: Auch Rollatoren müssen mit Licht ausgestattet werden und ihre Fahrer (Roller?) Helme tragen.
Bei dem Aufpreis von rund 5.000 Euro für Keramikbremsscheiben bin ich dagegen unsicher; vermutlich werden viele den Benefit von leichteren und haltbareren Bremsen nicht so stark (nicht 5.000€ stark) empfinden.

Wird auch in der Grundausstattung schon ein Carbon-Rahmen angeboten?

Elitär

Eigentlich mag ich die Zeit online, weil ich gerne auch mal längere Artikel lese. Was ich nicht mag, ist die manchmal doch sehr elitäre Themenauswahl: Testberichte zu 5000 € teuren Fahrrädern sind doch irgendwie unsinnig. Mag ja sein, daß der Autor Spaß am Testen solcher Edel-Produkte hat und manche Leser auch die Artikel mit Vergnügen lesen - für den größten Teil der Leser wäre es aber sicher interessanter, über Dinge zu lesen, die einen gewissen Nutzwert haben. Daher wäre es schön, wenn sich das Verhältnis von "Spaß"-Artikeln zu solchen, die auch einen Erkenntnisgewinn versprechen deutlich zu Gunsten der Letzteren verschieben würde!