Stilkolumne Kardinalsfarben

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 17/2014

Jede Menge Rottöne waren jetzt in Mailand und Paris zu sehen, wo auf den Laufstegen die Mode der nächsten Saison gezeigt wurde. Das ist eine gute Nachricht. Menschen mögen Rot. Wenn man Rot trägt, hält die Umwelt einen für attraktiver. Das ist tatsächlich wissenschaftlich belegt. Zeigt man einem Probanden Fotos von Menschen, die Pullover in unterschiedlichen Farben tragen, dann wünscht er sich eher ein Date mit der Person im roten Pulli als mit der im blauen. Egal, ob Mann oder Frau.

Rot wird nicht nur deswegen als attraktiv empfunden, weil es auffällig ist. Es war auch lange Zeit schwer zu erhalten. Erst im 19. Jahrhundert wurden künstliche Farbstoffe erfunden, davor war die Farbgewinnung kostspielig und mühsam. Man musste Meeresschnecken ausquetschen oder Schildläuse zerreiben. Wer Rot trug, war also etwas Besonderes. Das gilt bis heute. Leider haben nicht alle Menschen Lust auf etwas Besonderes. Die meisten finden es schon genug, wenn man manierlich durchs Leben läuft und möglichst wenig Aufsehen erregt. Denen fällt man mit Rot eher unangenehm auf. Und nicht jedem Menschen steht Rot gut. Eher den wenigsten. Und wer selbst nicht so aussieht, als würde in ihm ein Feuer brennen, der wirkt in Rot oft blass. Die Farbe ist so vital, dass man schnell dagegen schlapp macht.

Eigentlich ist Rot also eine einzige Überforderung. Zum Glück sind in der nächsten Saison gedämpfte Rottöne in der Mehrzahl. Töne von Purpur, etwa bei Marni und Agnona, über Bordeaux bei Sportmax und Etro, bis hin zu Aubergine bei Bottega Veneta. Dieses Rot ist eine gute Nachricht. Es passt zu jedem Hauttyp. Es lässt sich als Komplettlook tragen oder mit Grau, Grün und Schwarz kombinieren. Es gibt auch jede Menge Taschen und Schuhe in diesen Tönen, sodass man sie auch gut als Farbklecks zu Garderobe in gedeckten Farben tragen kann.

Das einzig Belastende an dieser Farbe ist, dass sie Anfang der neunziger Jahren einmal die Lieblingsfarbe alternder Sozialdemokraten bei der Wahl ihrer Sakkos war. Damit wollten sie begehrenswerter, vielleicht sogar sexuell attraktiver erscheinen. Aber daran erinnert sich heute glücklicherweise niemand mehr.

Rot macht sexy, das ist belegt. Gilt auch für Lila, Purpur und Weinrot. Jacke von Missoni, 820 Euro

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Von Lavendel und Flieder

"Lila der letzte Versuch" ....
... sagte schon meine Oma ... ;-)

Und in den 70er Jahren des vergangengen Jahrhunderts (wie sich das schreibt und liest: "vergangenes Jahrhundert" .... !) galt Lila als die Farbe der frustrierten Frauen, weil so manche meiner Geschlechtsgenossinnen (ich auch) sich in Kleidungsstücke in allen nur möglichen Lila-Schattierungen hüllten.
Zumindest wurde uns dies "Lila = frustrierte Frau" von dem einen oder anderen Mann entgegen gezischt.
;-)