Gesellschaftskritik Das haben sie sich verdient

© Timothy A. Clary/AFP/Getty Images)
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 21/2014

Erinnern Sie sich an den Sexskandal um Eliot Spitzer, den ehemaligen Gouverneur von New York? Nein, nicht die getwitterten Penisfotos, das war Anthony Weiner, Kongressabgeordneter für New York. Spitzer musste 2008 wegen Sex mit einer Edelprostituierten zurücktreten. Seine Frau Silda stand beim Rücktritt neben und zu ihm, mit einer Miene, die zwischen Beherrschtheit und Verachtung changierte. Ein Auftritt, der Inspiration war für die TV-Serie The Good Wife.

Man könnte nun witzeln, warum New Yorker Politiker Namen haben, die den Sexskandal sozusagen schon vorwegnehmen. Oder spekulieren, dass es sich manchmal lohnt, an der Seite eines solchen Politikers zu bleiben, weil man danach vielleicht Außenministerin wird. Da sich Spitzer jedoch kürzlich eine neue Freundin zugelegt hat (die der Prostituierten übrigens frappierend ähnlich sieht), schreiben wir jetzt über Scheidung.

Darüber haben wir in den vergangenen Wochen nämlich viel gelernt, und zwar von Gwyneth Paltrow. Sie und der Coldplay-Sänger Chris Martin haben sich nach zehn Jahren Ehe getrennt. Auf ihrer Website schrieb Paltrow, sie würden nun "conscious uncoupling" praktizieren, was so viel heißt wie "bewusstes Entkuppeln". Das hat Gwyneth aber keinesfalls einem Fachbuch der Deutschen Bahn entnommen, sondern es ist, wie wir aus dem Aufsatz zweier Psychologen auf ihrer Website lernen, eine Art "ganzheitliches" Trennen, bei dem man den anderen als seinen Lehrer akzeptiert, alles Negative wegbeamt und in sich "eine innere Kathedrale formt, mit spirituellen Edelsteinen wie Selbstliebe und Selbstvergebung". Irgendwie also eine Supersache, die man dringend mal ausprobieren sollte.

Silda Spitzer hat sich gegen die innere Kathedrale und für die Wohnung in der 5th Avenue entschieden. Sie bekommt 7,5 Millionen Dollar sofort, 240.000 jährlich, alle fünf Jahre ein Auto und (auch das wäre eine Glosse wert) jedes Jahr 100.000 Dollar zum Spenden. Das klingt zwar anders als bei Gwyneth, ist aber im Grunde dasselbe: Das Negative wird nicht verdrängt, sondern verkauft. Silda glaubt, dass sie eine Entschädigung verdient hat (Selbstliebe), ihr Mann kann sich freikaufen von Schuld (Selbstvergebung). Gwyneth redet es sich schön, Silda macht es sich schön. Doch egal, ob man sich ganzheitlich oder nachhaltig trennt: Man hätte es wahrscheinlich lieber vermieden.

Da fällt uns ein, dass der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio heißt. Verdammt. Vielleicht wäre das mit den Namen doch lustiger gewesen.

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