Stilkolumne Muss man schultern

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 25/2014

In der Mode spielt das Praktische selten eine Rolle, eher schon das Unpraktische. Immer wieder entstehen Kleidungsstücke und Accessoires, die fast unmöglich sind in der Handhabung – aber trotzdem ungemein beliebt. Zum Beispiel der hochhackige Schuh. In High Heels kann kaum eine Frau anständig gehen. Aber das ist eben auch Teil der Inszenierung: Man hat es gerade nicht nötig, zu gehen. Man arbeitet nicht auf dem Acker, steigt nicht durch ein Gebirge, das tun andere. Die Dame in High Heels will nur stehen und ein bisschen schreiten, sich in keinem Fall jedoch anstrengen. Manchmal kann es ja schon ungemein anstrengend sein, derart unangestrengt auszusehen, schließlich kann so ein hoher Schuh den Fuß ruinieren. Aber es geht eben um die Botschaft. Ähnlich verhält es sich mit der Handtasche. Eine Abendtasche etwa muss man in der Hand halten, weil sie keinen Henkel hat. Wer aber in einer Hand seine Tasche hält, in der anderen ein Sektglas, ist leider damit voll belegt. Alle anderen Tätigkeiten müssen einem abgenommen werden.

Da wundert es eigentlich nicht, dass das erste erfolgreiche Prada-Produkt ein Rucksack war. Anfang der achtziger Jahre hatte Miuccia Prada ihren Durchbruch mit einem City-Rucksack, nachdem sie 1978 das Unternehmen ihres Großvaters Mario Prada übernommen hatte. Vorher hatte sie Politikwissenschaften studiert und wusste daher wohl um das Problem junger Studentinnen, eine möglichst praktische Tasche zu brauchen, gleichzeitig aber auch modisch sein zu wollen. Zuvor waren Rucksäcke eher etwas für Menschen, die schleppen mussten. Auf Wanderungen etwa. Der City-Rucksack Vela aber war fast wie eine Handtasche. Nach und nach wurden die Rucksäcke immer kleiner und unpraktischer. In den neunziger Jahren waren sie dann so klein, dass fast nichts mehr hineinpasste. Da konnte man auch gleich wieder Handtasche tragen.

Nun setzen sich langsam wieder Rucksäcke durch. Solche, die vornehm wie Handtaschen aussehen, aber doch eben die Hände frei lassen. Offenbar hat sich das Selbstbild der Frau geändert. Sie will heute lieber als jemand erscheinen, der beide Hände braucht. Weil man eben nicht einfach nur etwas schreitet, sondern mit dem Fahrrad fährt. Das geht übrigens auch mit High Heels ganz schlecht.

Foto: Rucksack von Longchamp, 340 Euro

Kommentare

1 Kommentar Kommentieren

Schwere Taschen über der Schulter zu tragen, ist sehr belastend für den Rücken. Wenn Mann oder Frau also z.B. einen Laptop und Papier transportieren müssen, eignen sich weder HighHeels noch schicke Täschchen. Wie schön, dass es inzwischen wirklich hübsche Rucksäcke gibt. Ich habe auch schon die weniger schönen getragen, meiner Gesundheit zuliebe. So halte ich es übrigens auch mit den HighHeels, geht gar nicht!(obwohl mir die Beschreibung des Kommentators gefallen hat aber welche Frau zieht Schuhe an, auf denen man nicht laufen kann? Wenn frau auch nur leicht angetickt wird, fällt sie um...)