Kolumne Männer! Praktische Erwägungen

© Tim de Frisco/Getty Images
Aus der Serie: Männer Kolumne DIE ZEIT Nr. 26/2014

Letzte Woche habe ich einen interessanten Typen kennengelernt. Stieg aus seinem Kleinlaster, zeigte pralle, braun gebrannte Waden, die aus wuchtigen Arbeitsschuhen ragten. Schwarzes Haar, kurz und glatt frisiert wie das Fell eines Labradors, dazu die Sonnenbrille, randlos spiegelnd – "Was gibt’s?", rief er so forsch, dass es mir die Sprache verschlug und ich nur stumm auf den Giebel des Daches zeigen konnte, aus dem das Hinterteil meines Lieblingshuhns herausragte. Deutscher Sperber.

Das Sperberhuhn mit seinem schwarz-weiß getupften Federkleid wurde erstmalig 1903 in Duisburg ausgestellt, Legeleistung max. 230 (!) Eier pro Jahr, bekam aber trotzdem im Jahre 2012 den Titel "gefährdete Nutztierrasse des Jahres" verpasst, was der Marder, der unter meinem Dach nistet, wohl nicht mitbekommen hatte. Vielleicht weil er sich auf die hochgelobte Fleischleistung des Sperbers konzentrierte, als er sich unser Huhn schnappte, um dann zu merken, dass eine Henne von etwa zwei Kilo nicht durch ein schlankes Marderloch passt. Dort also klemmte es nun fest, umschwirrt von Fliegen. Kein hübscher Anblick. Was zum Auftritt von Herrn M., dem Dachdecker, führte, zackzackzack hatte er seine lange Leiter aufs Dach hochgeschlagen, wumms und rumms, lag das Huhn, kopflos, wie sich nun zeigte, unten im Hof. Noch während Herr M. mit flinken Fingern das Dach flickte, prasselten gute Ratschläge auf mich herunter: in Zeitung einschlagen! Plastiktüte drüber! In die Mülltonne!

Männer können so praktisch sein. Am letzten Sonntag fand ich Christas Mann unter der duftenden Rambler-Rose "Bobby James" auf den Knien liegend, vor dem Fahrrad seiner Frau. Das leidige Kettenproblem! Heikes Mann wühlte sich den geschlagenen Nachmittag lang bis unter den Stumpen eines unsachgemäß gefällten Baumes, Jan steckte, bei bestem Junisonnenschein, im Keller. Es ist eine nicht genügend erwähnte Tatsache, dass das Leben der meisten Frauen ohne Männer gar nicht zu bewältigen wäre. Jajaja, alle CEO-Posten sind von Typen besetzt, jammerjammerjammer. Aber wichtig ist auch auf’m Platz, um mal eine WM-taugliche Formulierung zu bemühen – wer bricht das Schloss auf, wenn jemand mal wieder den Schlüssel zu meinem Postkasten versust hat? Horst! Wer repariert das Kinderbett, wenn die Beine ab sind? Horst! Wer transportiert das alte Sofa ab? Aller guten Dinge sind drei! Wenn die Heizung aussetzt, kommt Herr K., wenn das Licht im Bad zu reparieren ist, Herr W. Die lecke Toilette – gehört in den Zuständigkeitsbereich von Herrn W. Die Bankanlagen berät Herr H., die Solaranlage Herr G. Ich fände es auch sehr schön, wenn es mehr Handwerkerinnen gäbe, Tatsache ist, wenn die von mir überpinselte Badezimmertür nach drei Tagen noch immer klebt, rufe ich Manfred an, wen sonst?

So leben wir praktisch, im wahren Sinne des Wortes, und nicht immer schlecht, in einer totalen Männerwelt, in der so viel über die Hausfrauenverdienste gesäuselt wird, dass ganz aus dem Blick gerät, welchen Nutzwert der Mann hat. Um das Thema Huhn noch mal zu bemühen – es ist ein häufig reportiertes Unglück, dass es für Hähnchen zu wenige Tätigkeiten gibt, die so nützlich sind wie das hennenhafte Eierlegen, weshalb kleinste Hähnchen massengemeuchelt werden. Pfui! Männern kann das glücklicherweise nicht passieren. Man schaltet das Fernsehen an und sieht diese Typen, aufmarschierend mit sicherlich ebenfalls sehr strammen Waden unter den Camouflage-Cargohosen, die Knarre im Griff, die Augen blitzen aus schwarzen Masken, als wollten sie sagen: "Was gibt’s?" Ukraine befreien? Okay! Bagdad verteidigen? Consider it done! Männer! Ich gestehe, manchmal ist das beruhigend.

Kommentare

4 Kommentare Kommentieren

Oh, Oh, Oh ich weiss nicht.
Consider it done Typen, mag man als Frau vielleicht, wenn man befehlen darf.
So wie bei dem Trickfilm mit der kleinen Spinne. Grandios wie der kernige Typ alles machte, was die Tyrannin wollte. Scheints wollte er sie aber nicht toll finden.
Channing Tatum spielt auch immer diesen Typ, der bedingungslos dem Vaterland dient.
Gut an den Filmen ist aber, wenn diese Typen begreifen, welcher Frau sie "dienen" dürfen.
Was sollte Frau begreifen, wenn sie diesen Typ mag?
Sie ist keine Tyrannin sondern eine, die sich bedingungslos an den Mann verlieren möchte.
So steht es doch eigentlich auch in der Kolumne?
Ja, Männer können Frauen begeistern!
Und in Kriegen am besten nicht. Die sind für diese Vereinigungsphantasien nämlich völlig ungeeignet.
Es ist wohl Sommer?

Danke für die Orden und Ehrenzeichen. Braucht Mann auch ab und an mal! :-)
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Auch wenn ich es persönlich mit Ukraine befreien und Bagdad verteidigen ganz anders sehe.
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Für den Dübel in der Wand, Kette oder Reifen flicken...... allzeit bereit:-) Für Arterhaltung (incl. Wickeln, Fläschen...)...... Mammut jagen auch noch.
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Nur über die Stammeskriege sollten wir noch mal reden.
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Meint
Sikasuu