Ich habe einen Traum: Kiesza

"Ich lag einen Monat lang bewegungsunfähig im Bett"
© Yves Borgwardt
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 26/2014

Meine Träume sind ziemlich wild und sagen mir oft die Zukunft voraus. In der Nacht vor dem Drehtag für den Hideaway-Videoclip träumte ich, dass ich in ein Koma gefallen war, aus dem ich erst nach einem Monat wieder aufwachte. Am nächsten Morgen machte ich mit den Leuten der Filmcrew Witze über meinen bizarren Traum. Dann drehten wir den Clip. Als wir fertig waren, hatte ich starke Schmerzen und erfuhr dann, dass ich mir eine Rippe gebrochen hatte. Das Resultat? Ich lag einen Monat lang bewegungsunfähig im Bett.

Meistens sind es nur Kleinigkeiten, die mir im Traum aus der Zukunft zufliegen. Mal war es ein falscher Feueralarm, ein anderes Mal sah ich, dass meine Stiefmutter sich entschieden hatte, Reiten zu lernen. Wenn ich darüber nachdenke, dass diese Sachen dann tatsächlich eingetreten sind, ist das schon etwas unheimlich.

Oft träume ich auch ganze Actionfilme – in mehreren Fortsetzungen, die sich über Jahre meines Lebens hinziehen. Natürlich spiele ich in allen die Hauptrolle. Der beste davon ist eine Geschichte, in der ein Mann Babys entführt, die über eine besondere Gabe verfügen. Tief unter der Erde stellt er mit diesen Kleinkindern eine Armee auf. Die besteht eigentlich nur aus Jungen, aber dann findet er mich: ein kleines Mädchen, dessen Kräfte er nicht einordnen kann. Er lässt mich zunächst wieder frei, dann dämmert ihm, dass ich das mächtigste Kind von allen bin. Also kommt er zurück, um mich zu holen. Fortsetzung folgt, demnächst in irgendeiner Nacht.

Eigentlich war mein reales Leben mir schon immer aufregend genug. Ich bin eine Gefahrensucherin, ich brauche den Kitzel. Als Teenager bin ich deshalb einige Male beinahe gestorben. Bei einer Wanderung durch die Wüste war ich so dehydriert, dass ich ohnmächtig wurde, gleich neben einem Abgrund. Wenn meine Freundin mich nicht blitzartig an meinem Rucksack gepackt hätte, wäre ich in den Tod gestürzt. Als Teenager meldete ich mich freiwillig zum Dienst in der kanadischen Marine. Wenn ich da meine Schuhe und mein Gewehr reinigte, habe ich immer gesungen, manchmal sogar In the Navy von den Village People. Aber immer öfter gingen mir eigene Melodien durch den Kopf. An Bord habe ich dann gelernt, Gitarre zu spielen, und ich begann, Songs zu schreiben. Ich war zwar eine exzellente Scharfschützin, könnte aber nie auf Menschen schießen. Auch deshalb habe ich mich gegen eine Karriere in der Armee entschieden und für die Musik.

Ich bin wirklich kein ängstlicher Mensch, aber die Dunkelheit der Nacht war mir noch nie ganz geheuer. Das Problem ist allerdings, dass ich nicht einschlafen kann, bevor es stockdunkel ist. Wirklich nervös werde ich, wenn ich im Bett liege und meine Füße unbedeckt sind, denn ich fürchte immer, dass irgendwer oder irgendwas danach greifen könnte. Ich habe nicht die Vorstellung, dass etwas unter meinem Bett lauert, eher hatte ich schon immer den Verdacht, dass irgendetwas vor meiner Schlafzimmertür versteckt sein könnte. Aber egal, was für Monster um mich sein mögen: In meinen Träumen besiege ich sie alle.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

Kommentare

1 Kommentar Kommentieren