Leben mit 30 Herzlichen Glückwunsch?

© Laurie Rollitt
Wie wichtig ist Macht? Wie klappt das Kinderkriegen? Und welche Sprachen soll mein Kind dann sprechen? 3 von 30 Antworten auf die Frage, wie es ist, heute 30 zu sein. Von
ZEITmagazin Nr. 24/2014

1 – Macht

"Everythig in the world is about sex. Except sex. Sex is about power", dieses Oscar-Wilde-Zitat fasst die Diskussion um den Begriff "erotisches Kapital", den die Soziologin Catherine Hakim geprägt hat, gut zusammen. Hakim fordert insbesondere Frauen dazu auf, ihre Attraktivität strategisch für beruflichen Erfolg einzusetzen. Doch dass eine ordentliche Portion Sexiness und Charme die Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern oder zwischen Jung und Alt durcheinanderwirbeln könnte, ist eine Lüge. Wie man seinen Charme einsetzt, lernen Mädchen schon im Kindergarten. 25 Jahre später sind die wenigsten von ihnen in einer sehr einflussreichen Position. Das politische Berlin ist zudem ein nahezu asexueller Ort: übermüdete Menschen, keine guten Bars in Bundestagsnähe, die an einem Montag offen haben, die Wulffs und die Guttenbergs galten als glamouröse Paare. Die mächtigste Person der Republik wird mit Sicherheit nicht über eine geheime Liebschaft stolpern.

2 – Programmieren


Programmieren macht glücklich. Ich würde es gern besser können. Das, was ich kann, habe ich mir im Studium nachts selbst beigebracht, um mein Blog aufzusetzen. Warum der für viele Kinder so demütigende Sportunterricht bis heute nicht durch Programmierkurse ersetzt wurde, ist mir ein Rätsel. Die Fachkräfte fehlen ja nicht im Fußball, wie die Ergebnisse der letzten Weltmeisterschaften der Damen hinreichend belegen. Wenn ich mein Kind trilingual erziehe, dann mindestens in einer Programmiersprache.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins © ZEITmagazin

3 – Kinderwünsche

In Deutschland könnten sehr viel mehr Kinder geboren werden und in liebevollen Familien aufwachsen, wenn anerkannt würde, dass die Ehe zwischen Frau und Mann nur ein Modell von vielen ist und nicht mehr wert als andere. Lesbische und heterosexuelle Paare, die nicht verheiratet sind, müssen eine künstliche Befruchtung selbst bezahlen. Schnell kommen mehrere Tausend Euro zusammen, die viele nicht haben. Selbst Krankenkassen kritisieren diese Regelung als "realitätsfern und überholt". So sind Menschen mit einem Kinderwunsch, den sie sich nicht allein erfüllen können, im Prinzip gezwungen, zu heiraten oder heterosexuell zu lieben. Um Eltern zu werden, finden sie kreative Lösungen oder reisen in andere Länder. Bis Deutschland wirklich kinderfreundlich ist, wird es noch dauern.

Die übrigen 27 Thesen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins, das Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Kommentare

6 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren