Die großen Fragen der Liebe Soll sie die Rivalin bitten, ihn in Ruhe zu lassen?

Eine Kolumne von
Aus der Serie: Liebeskolumne ZEITmagazin Nr. 31/2014

Die Frage: Helga hat sich in Peter verliebt und eine Affäre begonnen. Sie sehen sich nur einmal im Monat, wenn sie sich aus beruflichen Gründen in derselben Stadt treffen. Helga ist solo, Peter lebt schon lange getrennt von seiner erheblich älteren Ehefrau Anna. Eine reine Zweckbeziehung, sagt er, eine Scheidung sei zu teuer. Er schaue gelegentlich bei Anna vorbei, die in dem gemeinsamen Haus wohnt, und helfe ihr im Garten. Das Haus gehöre schon den Kindern. Anna erfährt von dem heimlichen Verhältnis. Sie engagiert einen Detektiv, der Helga und Peter fotografiert und seine Mailbox hackt. Sie dringt heimlich in Peters Wohnung ein, um weitere Beweise zu finden. Peter leidet, scheint aber nicht in der Lage, sich von Anna ganz zu trennen. Helga überlegt: Soll sie Anna zur Rede stellen?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Annas Stalking spricht dafür, dass für sie die Beziehung zu Peter noch längst nicht abgeschlossen ist. Was Peter über Anna gesagt hat, entspricht seinen Wünschen, nicht Annas Wirklichkeit. Sie geht davon aus, Peter werde zu ihr zurückkehren, und will deshalb die Rivalin vertreiben. Diese Fantasie mobilisiert große Kräfte in ihr. Helga sieht die Situation kaum weniger durch die Brille ihrer Wünsche als Peter und Anna. Sie glaubt, dass Peter die Hoffnungen seiner Exfrau leicht entkräften könnte, wenn er nur wollte. Aber solche Verfolgungen sind hartnäckig und durch vernünftige Gespräche nicht aus der Welt zu schaffen. Immerhin verbindet Peter und Anna ja noch das Eheversprechen. Helga sollte diese Auseinandersetzung Peter überlassen.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE. Sein aktuelles Buch "Kassandras Schleier. Das Drama der hochbegabten Frau" ist bei Orell Füssli erschienen.

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