Ich habe einen Traum Nico Rosberg

"In meinen Tagträumen bin ich manchmal ein Rockstar"
Aus der Serie: Ich habe einen Traum ZEITmagazin Nr. 31/2014

In meinen Träumen komme ich immer wieder zu spät. Ich habe die Zeit aus den Augen verloren. Als ich die Rennstrecke erreiche, sehe ich, dass alle anderen Fahrer schon angeschnallt in ihren Autos sitzen. Es ist kurz vor Rennbeginn, ich laufe auf mein Auto zu und springe hinein, versuche hektisch, meine Sicherheitsgurte anzulegen. Wenn die sechs Gurte nicht genau sitzen, wird das Rennen extrem unbequem. Noch bevor alles an seinem Platz ist und ich bereit bin, wechseln die Lampen auf Grün und geben den Start frei. Als ich endlich losfahren kann, sind die anderen schon längst auf der Strecke. Auch im Ziel bin ich dann der Letzte.

Dieser Albtraum begleitet mich seit vielen Jahren. Vor Kurzem habe ich mit meinem Vater darüber gesprochen. Er sagte, er habe früher seltsamerweise genau diesen Traum auch immer wieder geträumt.

Unfälle ereignen sich in meinen Träumen nie, zum Glück. Ich bin froh darüber, dass sich mein Unterbewusstes damit anscheinend nicht beschäftigt. Negative Gedanken können gefährlich sein. Trotzdem spielt die Angst natürlich eine wichtige Rolle. Sie kann auch eine positive Wirkung haben, indem sie mich davor bewahrt, über mein Limit zu gehen. Die Angst schützt mich.

Ein Angsttraum, der sich in meinem Gedächtnis festgesetzt hat, stammt aus meiner frühen Kindheit. Ein Fiebertraum, den ich immer wieder geträumt habe, wenn ich krank war: Ich bin in einem leeren Raum von gewaltigen Dimensionen. Ich bin ganz klein, und während der Raum um mich herum größer und größer wird, werde ich immer kleiner. Ich fühle mich völlig verloren und gerate in Panik. Meine Eltern haben mir erzählt, dass ich in solchen Nächten geschlafwandelt und durch die Kleiderschränke in meinem Schlafzimmer geirrt bin.

In meiner Kindheit war ich sehr gut im Tennis, eine Tenniskarriere hätte ich mir gut vorstellen können. Später, nach dem Abitur, habe ich mich in England für ein Aeronautik-Studium eingeschrieben. Die Kombination aus Rennsport, Mathematik und Physik hat mich fasziniert. Aber dann habe ich mich ganz auf einen einzigen Traum konzentriert.

Mein Traum, Rennfahrer zu werden, wurde 1995 geboren. Ich war zehn Jahre alt und habe meinen Vater bei einem Rennen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft begleitet, es war sein letztes als Profi. Damals wurden die Rennautos noch zur Startaufstellung geschoben, ich saß auf dem Dach des Wagens meines Vaters, und wir rollten langsam über die Strecke. Mein Vater hat der jubelnden Menge zugewinkt, ich war zu nervös und konnte nicht mitwinken. Es war gigantisch. In dem Moment habe ich gedacht: Ich will auch Rennfahrer werden!

In meinen Tagträumen bin ich heute manchmal ein Rockstar. Ich liebe es, Rock-Karaoke zu singen, bei einer Weihnachtsfeier hatte ich einmal eine Liveband hinter mir, ich habe einen U2-Song gesungen, vor mir sprangen 1.500 Gäste auf und ab. Ein unglaublicher Kick! Für fünf Minuten habe ich mich tatsächlich wie ein Rockstar gefühlt. Auf der Bühne stehen, die Massen bewegen, ihnen einen großartigen Moment bereiten – das ist ein Traum!

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