Berghain Gute Nacht!

Wie die Kunst den berühmtesten Club der Welt sieht – eine Hommage zum 10. Geburtstag des Berliner Berghains.
ZEITmagazin Nr. 35/2014

Die Künstler erklären, wie das Berghain sie inspiriert hat

"Ich kann mir Deutschland nicht ohne das Kulturparadies Berlin vorstellen und Berlin nicht ohne die Energie der Musikinsel Berghain", sagt Piotr Nathan. Der Club ist für ihn ein Ort der besonderen Freiheit. Nathans Bild Der Fall des Herkules wird neben anderen Werken bis zum 31. August in der Halle am Berghain ausgestellt. Was hat sein Herkules mit dem Club zu tun? "Das Gemälde schildert unter anderem meine Ängste, eines Tages diese Freiheit zu verlieren, diese Errungenschaft, die zu unserer westlichen Zeit unbedingt gehört. Herkules ist ein Symbol der Stärke, er vergisst sich, beschäftigt mit dem eigenen Körper, wird schwach und fällt. So kann man es lesen. Bei dem Fall geht es aber auch um Veränderung allgemein", sagt der in Danzig geborene Künstler.

Sarah Schönfeld hat den Urin der Clubbesucher gesammelt und stellt ihn in einer vier Meter langen Glasvitrine aus. Der Titel Hero’s Journey (Lamp) verweise auf die klassische Heldenreise. "Nach dem Überschreiten der Schwelle in die Unterwelt werden dem Helden auf seiner Reise von Feen, Kobolden oder Zauberern Hilfsmittel mit übernatürlichen Kräften gegeben: das Gewand, das unsichtbar macht, die Wunderlampe et cetera", so Schönfeld.

Norbert Bisky bringt den Tanzteppich, auf dem das Staatsballett Berlin an diesem Ort schon aufgetreten ist, nun selbst zum Tanzen. Und Viron Erol Vert hat mit Metropolis 1 einen "Lust- und Irrgarten in Miniatur" geschaffen. Ali Kepeneks Fotos wiederum stehen dafür, "dass im Berghain alles gleichzeitig sein kann: Transsexuelle, Hooligans, Superposhe, Junge und Alte". Marc Brandenburg hat einen Kiosk aufgestellt, der die Spuren eines Wochenendes im Berghain ausstellt. Und Sven Marquardts Bilder erzählen von "Aufbruch, Freundschaft, verlorenen Träumen, falschen Illusionen und natürlich von Liebe". Helden, Freiheit, Pisse, Angst, Magie, Lust, Liebe. Und dann ist das Berghain auch noch dieser enorme Raum. Mit dem beschäftigt sich Friederike von Rauch. Sie hat als Location-Scout vor ein paar Jahren die Halle besucht. Damals hat von Rauch eine Plane voller Taubendreck fotografiert. Das Bild hat sie nun stark vergrößert – sodass man nicht mehr genau weiß, was man da sieht. Vielleicht eine Wüstenlandschaft? Hoch oben in der Halle aufgehängt, wird es wieder Teil des Raumes.

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