Kiesza Das Supertalent

© Jason Nocito
"Hideaway" war der Hit des Sommers, jetzt kommt ihre neue Single: Vorher zeigt Kiesza uns noch die Mode der Saison. Interview:
ZEITmagazin Nr. 37/2014

Talent oder Frisur – was ist wichtiger, wenn man als Musikerin durchstarten will? Fragen an Kiesza

ZEITmagazin: Kiesza, Sie müssen uns zunächst einmal Ihre Frisur erklären.

Kiesza: Das ist einfach. Es ist meine Version eines Mohawks, eines Irokesenschnitts. Ich hatte einfach keine Lust, mir die Haare abzuschneiden, denn würde ich sie einmal abschneiden, würde ich sie sofort vermissen. Also stecke ich sie mir hoch und habe das zu meiner Signature-Frisur gemacht.

ZEITmagazin: Eine Signature-Frisur, braucht man das heute?

Kiesza: Man braucht das vielleicht nicht. Aber mir macht es großen Spaß, an solchen Bildern zu arbeiten. Ich habe die Frisur "SteamHawk" genannt. Für mein erstes Album ist das jetzt nun der Signature-Look. Danach mach ich vielleicht etwas anderes.

ZEITmagazin: SteamHawk?

Kiesza: Genau, denn ich bin ja gerade dabei, ein eigenes Modelabel zu gründen, das SteamPop heißt.

ZEITmagazin: Warum denn auch noch eine Modemarke, sind Sie nicht ausgelastet?

Kiesza: Mir geht es immer wieder so, dass ich keine Stücke finde, die ich gerne anziehen würde. Also will ich sie jetzt selbst entwerfen und gleichzeitig anderen zugänglich machen. Ich mische gerne verschiedene Stile, die vierziger Jahre mit den neunziger Jahren zum Beispiel. Ich will Sachen, die eigentlich auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, zusammenbringen. Ich bin sehr beeinflusst von der Mode der neunziger Jahre. Vor allem für das Video zu Hideaway, in dem ich durch eine Straße in Brooklyn tanze, habe ich viel über diesen Stil recherchiert. Es sollte wirklich so aussehen, als wäre es in den Neunzigern gedreht worden.

ZEITmagazin: Wie hat Sie die Mode der neunziger Jahre denn beeinflussen können? Als die Neunziger zu Ende gingen, waren Sie gerade mal elf Jahre alt.

Kiesza: Vielleicht hatte ich schon mit zehn Jahren Sinn für Mode. Es ist auch weniger, dass mich bestimmte Modestile beeinflussen. Viel eher wirkt sich meine Musik stark darauf aus, was ich gerade trage. Ich habe schon so viele verschiedene Stile getragen – und es geht immer weiter.

ZEITmagazin: Ihre Großmutter in Kanada soll eine eigene Modelagentur gehabt haben.

Kiesza: Das ist eine Geschichte, die ich selbst noch mal genau recherchieren muss. Das war, bevor ich geboren wurde. Sie hat wohl Models trainiert und war sehr in der Schönheitsindustrie involviert, sie war besessen von dieser Welt.

ZEITmagazin: Waren Sie deshalb als Jugendliche für die Wahl zur Miss Canada nominiert?

Kiesza: Das war Zufall, ich sollte eigentlich beim Wettbewerb zur Miss Calgary einen Song spielen. Ich komme aus Calgary und habe damals Folk gespielt. Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht auch selbst teilnehmen wollte. Das fand ich eine lustige Idee. Ich habe dann den zweiten Platz belegt. Das war nicht schlecht für die erste Teilnahme. Die Erstplatzierte wurde dann schwanger, was ein Verstoß gegen die Regeln war.

ZEITmagazin: Dann waren Sie die amtierende Miss Calgary?

Kiesza: Theoretisch schon, aber das wollte ich nicht. Ich habe dann aber trotzdem an der Wahl zur Miss Canada teilgenommen.

ZEITmagazin: Und wie ging die aus?

Kiesza: Ich landete unter den ersten 15. Auch das war ganz gut, wenn man bedenkt, dass andere jahrelang dafür trainieren. Aber so dringend wollte ich dann doch nicht Miss Canada werden.

ZEITmagazin: Sie sind ja auch schon so genug: Balletttänzerin, Sängerin, Songschreiberin. Sie machen sogar die Grafiken für Ihre Plattencover selbst.

Kiesza: Ich muss ständig irgendetwas entwerfen.

ZEITmagazin: Die Zeit dazu dürften Sie bei Ihrem Terminplan gerade kaum haben.

Kiesza: Doch! Es gibt doch immer wieder Zeit zwischendurch. Wenn ich im Flugzeug bin, mache ich Skizzen und schreibe Geschichten.

Ich forsche in allem, was ich mache, nach dem purpurnen Punkt.
Kiesza

ZEITmagazin: Wie haben Sie herausgefunden, dass Sie Sängerin werden wollten?

Kiesza: In meiner Jugend war ich viel unterwegs. Und ich fuhr zum Beispiel auch auf großen Segelbooten mit. Da hatte ich die Gitarre dabei und stellte fest, dass Musik etwas war, mit dem ich direkt Menschen berühren konnte. Da passierte etwas zwischen den anderen und mir – ich konnte durch die Musik sprechen. Ich wurde süchtig danach, Songs zu schreiben.

ZEITmagazin: Stimmt es, dass Sie jeden Tag einen Song schreiben?

Kiesza: Bis vor Kurzem war das so. Aber zum Songwriting braucht man wirklich Zeit. Ich habe allerdings immer eine Melodie im Kopf, und die summe ich dann in mein Smartphone.

ZEITmagazin: Sie versuchen sich sogar in Lyrik. Auf Ihrer Homepage sind lauter kleine Zitate und Gedichte.

Kiesza: Ja, das war eigentlich gar nicht als Homepage gedacht, sondern als kleiner Tumblr-Blog. Das sollte wie ein Tagebuch für mich und meine Gedanken sein, es war nicht für ein größeres Publikum bestimmt. Erst später ist es eine richtige Homepage geworden.

ZEITmagazin: Ein Zitat lautet: "Ich liebe Einfachheit, in allen Dingen liebe ich Einfachheit."

Kiesza: Weniger ist mehr. Das ist nicht nur in der Musik so, sondern auch in der Kunst. Mann kann ein Bild malen mit Hunderten Details, aber es sind nur wenige Details, die das Bild ausmachen. Ich habe früh Malunterricht bekommen. Und ich bin einmal fast daran verzweifelt, dass irgendetwas in meinem Ölbild fehlte. Da kam mein Lehrer und machte in mein Bild einen einzelnen purpurnen Punkt. Und dieser Punkt erweckte das ganze Bild zum Leben, ein einziger Punkt. Seitdem forsche ich in allem, was ich mache, nach diesem purpurnen Punkt.

ZEITmagazin: Es heißt ja immer, Popmusik sei einfache Musik. Wie schwer ist es, etwas Einfaches zu machen?

Kiesza: Hideaway ist ein wirklich simpler Song. Aber jeder kann erkennen, dass es ein guter Song ist. Es gibt keine Regel für gutes Songschreiben. Struktur ist natürlich wichtig. Aber vor allem muss man seinen Instinkten folgen. Ich erkenne ziemlich genau, ob ein Song gelungen ist.

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