Landyachtz Switchblade 40 Von A nach B

© Jochen Wegner
Unser Autor skatet mit dem Landyachtz Switchblade 40 über das Tempelhofer Feld. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 37/2014

Es hat viele Vorteile, Kinder zu haben. Eltern in Begleitung ihrer Kinder können etwa öffentlich Tätigkeiten nachgehen, die ihnen sonst versagt wären. Skateboard fahren zum Beispiel. "Hör auf damit! Dafür bist du zu alt!", rief vor zwei Jahren die Onlinekolumnistin einer Frauenzeitschrift allen "Männern jenseits der 25" zu, die Seite an Seite "mit kleinen Jungen, die aber offensichtlich nicht ihre Söhne sind", durchs hippe Hamburg-St. Pauli skateten. Der Beitrag provozierte Tausende wütender Onlinekommentare. Damals beschloss ich, es auch zu probieren, wenn meine Kinder alt genug sind.

Der vielleicht 20-jährige Verkäufer in einem Berliner Fachgeschäft liest wohl auch Frauenmagazine, jedenfalls ignoriert er mich (44) genau so lange, bis er meine Kinder (9 und 11) entdeckt. Nun holt er gleich vier teure Longboards unterschiedlicher Bauweisen aus dem Lager und leiht sie uns: "Am besten auf dem Tempelhofer Feld ausprobieren." In der Nacht vor dem Start auf dem ehemaligen Flughafen gucke ich YouTube-Lehrvideos.

Dann rollen wir los: Während meine Kinder mit Brett Nr. 1 und Nr. 2 bereits glücklich dem Horizont entgegengleiten, hadere ich mit Nr. 3. Es will nicht so recht rollen, es schlingert, ich stolpere über kleinste Bodenritzen, während andere Brettkünstler mit Kite-Segeln an mir vorbeirauschen. Ich bin 44 Jahre alt. Resigniert stelle ich mich auf Nr. 4, das Landyachtz Switchblade, das wir wegen seines seltsamen Aussehens ignoriert hatten. Seine Achsaufhängungen ragen durchs Brett, es ist gleichsam tiefer gelegt und deshalb: herrlich stabil. Nach Minuten stehe ich mit dem rechten Fuß auf dem Brett und schubse mich mit dem linken voran, wie auf YouTube. Die Bauweise heißt Drop Thru und wird von jüngeren Boardern für waghalsige Bergabfahrten verwendet, erklärt mir mein neuer Freund im Laden, als er mir so ein Wunderbrett verkauft.

Am nächsten Tag sind wir wieder auf dem Rollfeld, und das neue Board gleitet dahin wie die S-Klasse. "Damit uffjewachsen?", kommentiert ein Berliner Rentner, es klingt anerkennend. "Mein Sohn ist schon 34 und fährt auch noch damit rum."

Gestern bin ich zum ersten Mal alleine damit zum Bäcker gefahren. Meine Kinder waren leider verhindert.

Technische Daten

Material: Ahorn, Glasfaser, Komposit, Länge: 40 Zoll (101,6 cm), Breite: 10 Zoll (25,4 cm), Achsen: Paris Trucks, Rollen: Viking, Bremsen: keine, Gesamtpreis: circa 330 Euro

Jochen Wegner ist Chefredakteur von ZEIT ONLINE

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