Ich kenne die Handynummer eines Transportunternehmers, der eigentlich nur Kunst transportiert, aber, wenn man ihn bittet, auch mal eine im Internet gefundene Vitrine durch Deutschland fährt, im Lastauto mit Gurten fest verzurrt. Ich kenne mich auch ganz gut mit Fahrradrahmen aus, ich weiß, welche Restaurants in Berlin zuletzt einen Bib Gourmand im Michelin bekamen, und habe meine Eltern schon mal 150 Kilometer weit nach Lothringen geschickt, weil ich glaubte, dass es dort Gartenstühle gebe, die so schön sind wie keine anderen. Die Stühle erwiesen sich leider als durchgerostet, es schmerzt mich bis heute (beides: der Rost und die in Auftrag gegebene Elternarbeit). Als ich vor einiger Zeit in London war, kaufte ich in einem Geschäft des Designers Jasper Morrison gleich fünf Nussknacker für Freunde und Familie. Die Nussknacker, glaubte ich, gefielen mir, weil sie so einfach und so schwarz waren. Vielleicht gefielen sie mir aber auch, weil der Laden so versteckt lag. Man musste klingeln, kein Werbeschriftzug wies auf Jasper Morrisons Haushaltsutensilien hin. Als ich später im Internet nach dem Nussknacker suchte, warum eigentlich?, stellte ich sehr zu meiner Freude fest, dass sie nirgendwo zu finden waren.
Lebensstil: Die Besserbürger
Das beste Fahrrad, die schönsten Stühle, eine supercoole Zahnpasta: Warum müssen wir jetzt selbst bei Alltagsdingen total guten Geschmack beweisen?
Von
Matthias Stolz