Sprache: Ne, wa und gell

Aus der Serie: Deutschlandkarte ZEITmagazin Nr. 42/2014
Wo sagt man gell?

Berliner und Brandenburger sind stolz auf ihr "wa", es ist mit "nicht wahr" nur unzureichend übersetzt, sinngemäß heißt es: "Ich habe ja wohl recht, wehe, du widersprichst mir, Freundchen!" Jedenfalls wird das "wa" zumeist im vollen Bewusstsein, es zu verwenden, an den Aussagesatz angehängt. Dagegen sind die Hauptkonkurrenten "gell" und "ne" viel öfter eine sprachliche Marotte, die dem Sprecher selbst gar nicht auffällt. Wer "gell" sagt, ist darum oft überrascht, wenn andere ihn darauf ansprechen und vermuten, er müsse wohl aus dem Süden kommen. Manches "gell" oder "gelle" ist so leise und sanft, dass es, wenn es überhaupt etwas bedeutet, am ehesten meint: Ich hoffe, ich trete dir jetzt nicht zu nahe. Der Satz "Du bist richtig erkältet, gell?" bemitleidet den Kranken, der Satz "Du bist richtig erkältet, wa?" klingt fast schon spöttisch. Vor allem dann, wenn der Satz so ausgesprochen wird: "Du bist richtig erkältet. (Pause) Wa? (lautes Lachen und festes Auf-den-Rücken-Schlagen)"

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