Mazda MX-5 Roadster Coupé: Von A nach B

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Unsere Autorin steht mit dem Mazda MX-5 Roadster Coupé in Warnemünde im Regen. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 42/2014

Beim Blick auf die Wolkenfront muss ich an Armin Hary denken, der 100 Meter in 10,0 Sekunden lief. Seine Beine hätte ich jetzt gern. Als der Horizont sich vor ein paar Minuten verdunkelte, dachte ich: Kein Problem, dauert noch. Doch in Warnemünde kommt das Wetter wie überall am Meer: schneller, als man denkt. Jetzt sehe ich die dunklen Fäden, die wie ein Vorhang auf die Ostsee fallen. Ich setze den Kaffeebecher ab. Ich bin im neunten Stock eines Hotels. Unten steht der Mazda MX-5. Offen.

1989, als der MX-5 auf den Markt kam, hielt Carl Lewis den Weltrekord, mit 9,92 Sekunden. In knapp dreißig Jahren wurde die Zeit also nur um ein paar Hundertstel unterboten. Wenn man nicht auf die letzten Stellen hinter dem Komma fixiert ist, erscheint auch die aktuelle Bestzeit von Usain Bolt von 9,58 Sekunden, mehr als 50 Jahre nach Armin Hary, nicht gerade wie ein Quantensprung. Vermutlich hat die Menschheit ihr Potenzial in Bezug auf Sprintläufe weitgehend ausgereizt. Und doch: Es gibt Situationen, da zählen Sekundenbruchteile.

Zugegeben: Ich nehme den Fahrstuhl. Neun Stockwerke treppab wären kritisch für die Knie. Aber als sich die Tür im Erdgeschoss öffnet, kann ich mein Leistungsmaximum abrufen, nehme die Gerade durch die Lobby des Hotels und gehe in einer sensationellen, leider nicht elektronisch gestoppten Zeit über die Ziellinie auf dem Parkplatz, wo schon Zuschauer um den Wagen stehen, die sich fragen: Schafft die Fahrerin es rechtzeitig, oder wird er volllaufen wie ein Aquarium?

Der MX-5 mag nicht der schnellste Roadster unter der Sonne sein. Aber sein Dach schließt flotter als der eines Lamborghini oder Ferrari. Da auch das Maximum an Motorleistung für Autos allmählich ausgereizt scheint, haben sich die Hersteller von Cabrios in den letzten Jahren auf den Wettlauf um die besten Dachkonstruktionen konzentriert. Zwölf Sekunden für ein Hardtop sind wirklich ordentlich, denke ich, als ich die Sitze trocken wische und zuhöre, wie der Rest des Wolkenbruchs auf das kleine Dach hämmert. Es ist nicht wirklich geräumig darunter und während der Fahrt auch ziemlich laut. Aber für diesen Moment ist es perfekt. Nach drei Minuten ist alles vorbei. Ich gehe zurück zum Fahrstuhl. Der Kaffee ist noch warm.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor, Leistung: 118 kW (160 PS), Beschleunigung (0–100 km/h): 7,9 s, Höchstgeschwindigkeit: 218 km/h, CO2-Emission: 181 g/km, Durchschnittsverbrauch: 7,8 Liter, Basispreis: 27.790 Euro

Margit Stoffels im Mitarbeiterin beim ZEITmagazin

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