Stilkolumne Dufte Sache

© Peter Langer
Aus der Serie: Stilkolumne ZEITmagazin Nr. 42/2014

Wie der Mensch riecht, kann er selbst nur ahnen. Es wäre gefährlich für ihn, es zu wissen. Das behauptet jedenfalls Daniela Andrier – und die kennt sich nun wirklich aus, sie ist eine der gefragtesten Parfümeurinnen der Welt: "Es hat mit den Neandertalern zu tun. Damals musste der Mensch feinste Nuancen unterscheiden, und hätte er sich dabei selbst gerochen, wäre er in Gefahr geraten." So kommt es, dass wir, wenn wir uns parfümieren, schon bald den eigenen Geruch nicht mehr erkennen. Und nur dann das Gefühl haben, nach etwas zu riechen, wenn wir etwas Neues auflegen.

Dies führt dazu, dass Düfte heute ein kurzatmiges, vielen Moden unterworfenes Produkt sind, das zu Extremen neigt. In den vergangenen Jahren bedeutete das etwa: Je süßer, desto besser. Jüngere Düfte heißen Candy oder Bonbon, Karamell, Pfirsich und Orangenblüten werden darin verwendet. Sie riechen, als ob man sie essen könnte, und sie wollen so jung wirken, wie es eben nur geht. Vor ihrem Hintergrund wirkt ein Duft, der mit einer klassischen Note versehen ist – etwa Lavendel –, zwangsweise damenhaft. Als hätte man Kölnisch Wasser aufgetragen. Und weil die meisten Frauen weder gouvernantenhaft riechen wollen, noch wie ein Süßigkeitenladen, griffen sie eben in den letzten Jahren immer öfter zu Männerdüften.

Nun hat Daniela Andrier zusammen mit Tomas Maier, dem Chefdesigner von Bottega Veneta, den Blumenduft Knot entwickelt. Er soll auch erwachsenen Frauen wieder die Möglichkeit geben, sich jenseits aller Moden mit einer eigenen Note zu parfümieren. "Wir wollten einen Duft schaffen, der bleibt", sagt Tomas Maier. Es sollte ein Duft werden, als ob man in einem Haus an der Italienischen Riviera das Fenster öffnet und das Aroma der Wiesen hereinströmt. Das Ergebnis ist tatsächlich ein Parfüm, das Blumengerüche mit kräftigen Noten verbindet. Pfingstrose und Mandarine sind darin enthalten – aber auch klassische Komponenten wie Lavendel und Tonkabohne. Laut Tomas Maier war es ungewöhnlich, Lavendel zu verwenden, eine Note, die sich heute vor allem in Herrenparfüms findet.

Tomas Maier sagt, er habe Knot ein halbes Jahr an sich selbst getestet. Vielleicht markiert das den Beginn einer neuen Tradition von herben Frauendüften, die sogar für Männer tragbar sind.

Foto: Diesen Frauenduft benutzen auch Männer. Knot von Bottega Veneta, 82 Euro

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