Phillippe Starck Wer heute noch eine normale Toilette hat, ist blöd

Der Designer Philippe Starck gestaltet seit über zwanzig Jahren Hotels, Jachten und Möbel. 2011 revolutionierte er das Badezimmer mit dem Dusch-WC "SensoWash" für Duravit. Interview:
ZEITmagazin Nr. 43/2014

ZEITmagazin: Herr Starck, wie muss man sich Ihr eigenes Badezimmer vorstellen?

Philippe Starck: Es sieht aus wie jedes andere auch.

ZEITmagazin: Warum entwerfen Sie dann so viele Sachen fürs Bad? Von der Toilettenbürste über Armaturen bis hin zur Dampfdusche haben Sie nahezu alles für diesen Raum gemacht.

Starck: Design ist am schönsten, wenn es etwas Menschliches und Intimes hat. Skulpturen zu entwerfen, die kein Mensch benutzt, mag ich nicht. Und das Badezimmer ist ein wichtiger Raum. In ihm beginnen wir den Tag und beenden ihn meist auch wieder.

ZEITmagazin: Fällt Ihnen denn überhaupt noch etwas ein, was Sie als Nächstes für das Bad entwerfen könnten?

Starck: Wirklich Neues entworfen habe ich ja nur wenig. Die letzten 25 Jahre habe ich eher damit verbracht, das Bad, wie ich es mir vorstelle, aufzuräumen.

ZEITmagazin: Wie meinen Sie das?

Starck: Als ich in den neunziger Jahren anfing, für das Bad zu entwerfen, war ich erstaunt, was die Designwelt mit diesem Raum vorhatte. Die Einrichtung sollte Trends folgen, sich wie die Mode jede Saison neu erfinden. Badewannen und Waschbecken wurden damals in den unterschiedlichsten Formen und Farben produziert. Dieser Ansatz machte für mich wenig Sinn – wer kann sich schon alle paar Jahre eine neue Badewanne leisten?

ZEITmagazin: Was macht das ideale Bad für Sie aus?

Starck: Vor vierzig Jahren verstand man das Badezimmer eher als eine Art Waschmaschine für den Körper: Man wusch sich und verließ danach den Raum sofort wieder. Aber die Bedürfnisse der Menschen haben sich verändert. Ein gutes Badezimmer ist heute ein Vergnügungsort, in dem es durchaus Unterhaltung geben darf. Warum nicht ein Sofa oder einen Sessel ins Bad stellen? So kann man sich während des Badens mit dem Partner unterhalten.

ZEITmagazin: Sie entwerfen Ökofertighäuser und Windmühlen für den Hausgebrauch, mit denen man selber Energie erzeugen kann. Haben Sie auch eine Lösung für den Wasserverbrauch im Bad?

Starck: Am ökologischsten ist es, Regenwasser zu sammeln, es mithilfe von Solarpaneelen zu erhitzen und in den Wasserkreislauf des Bades einzuspeisen. Das ist aber nicht jedem möglich und auch nicht ganz einfach umzusetzen. Deshalb ist das Wichtigste, was wir tun können, so viel Wasser wie möglich zu sparen. Manchmal sind es kleine technische Veränderungen, die, auf lange Zeit gesehen, einen Unterschied machen können. Ich habe zum Beispiel eine Badarmatur entworfen, bei der die Wohlfühltemperatur des Wassers eingestellt werden kann, bevor das Wasser läuft. Dadurch wird weniger Warmwasser beim Mischen verbraucht, und man hat Energie gespart.

ZEITmagazin: Sie haben eine Toilette entworfen, deren Deckel sich von allein hebt und die innen eine Duschbrause hat. Obwohl Sie selbst einmal sagten, Ihnen genüge eigentlich ein vorgewärmtes Handtuch nach dem Duschen, um glücklich zu sein. Brauchen wir denn überhaupt all diese Technik im Bad?

Starck: Ein Handtuchtrockner und ein sich automatisch öffnender Klodeckel sind doch zwei vollkommen unterschiedliche Dinge und nicht zu vergleichen. Allein schon hygienisch gesehen ist der Handtuchtrockner, dessen Form an einen Heizkörper erinnert, eine gute Sache, da sich in einem nassen Handtuch viel mehr Bakterien ansammeln können. Und wenn man ihn richtig nutzt, kann man mit ihm sogar Geld sparen und die Umwelt schonen. In immer mehr Haushalten erhitzt er auch das Wasser für die Badewanne. Sich einen Handtuchtrockner anzuschaffen ist also nicht in erster Linie Luxus, sondern sinnvoll.

ZEITmagazin: Und die Duschtoilette?

Starck: Über die Vorteile einer Duschtoilette sollten wir eigentlich gar nicht sprechen. Wer heute noch eine normale Toilette hat, ist einfach blöd! Es gibt nun mal keinen hygienischeren Weg, sein Geschäft zu verrichten, als auf einem Dusch-WC. Seit zwanzig Jahren sage ich das.

ZEITmagazin: Was kostet denn so eine Toilette mit Dusche?

Starck: Man muss unterscheiden zwischen den Kosten, die ein Hersteller für die Entwicklung solcher Produkte aufwendet, und dem Preis, den der Verbraucher am Ende für das Produkt zahlt. Die "SensoWash"-Toilette kostet natürlich mehr als eine herkömmliche Toilette, aber für das, was sie leistet, ist sie alles andere als teuer. Außerdem haben wir viel Zeit in die Entwicklung investiert, sieben Jahre lang haben wir an dieser Toilette gearbeitet. Das hygienischste Klo hat also nichts mit elitärem Design zu tun.

ZEITmagazin: Abgesehen von einem Dusch-WC, was gehört sonst in jedes Badezimmer?

Starck: Das sind zwei Dinge: zum einen die Person, die man liebt. Diese sollte man immer ganz nah um sich haben. Zum anderen Wasser, weil es immer kostbarer und weniger werden wird. Wir können noch so schöne Badezimmer entwerfen, irgendwann wird uns das Wasser ausgehen.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins, das Sie am Kiosk oder online erwerben können.

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Soll das etwa heißen, 99 % der Deutschen, die sich nicht mit Fäkalkeimen der Vorsitzer waschen wollen, sind blöd?

Lieber Herr Starck, auch als Designer sollten Sie sich, wenn Sie sich schon mit Bauprodukten (Dusch-WCs sind Bauprodukte) beschäftigen, immer erst die rechtlichen Vorschriften ansehen. Dusch-WCs dürfen in Deutschland gem. Trinkwasserverordnung und in der EU gem. EU-Trinkwasserrichtlinie gar nicht für die Körperreinigung eingesetzt werden, da das Wasser im Dusch-WC nicht die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch hat. Das Wasser der Dusch-WCs könnte also, weil die Duschdüse keinen freien Auslauf hat, Fäkalkeime der Vorsitzer an die jeweiligen Dusch-WC-Benutzer abgeben.

Also nicht die 99 % der Nicht-Dusch-WC-Benutzer sind blöd, sondern die 1 % …