Trimm-dich-Pfade Von A nach B

Trimm-dich-Pfade gibt’s noch? Na, klar! Unser Autor rennt durch Berlin-Grunewald. Von
Aus der Serie: Von A nach B ZEITmagazin Nr. 43/2014

Die Spaziergänger zucken die Schultern. Eine Dame mit Hund kennt hier seit 25 Jahren jeden Stein, aber einen Trimm-Dich-Pfad hat sie noch nie gesehen. Wenn das Trimmy wüsste! Das Kerlchen mit dem gereckten Daumen war in den siebziger Jahren so bekannt wie Helmut Schmidt. Trimmy holte die Massen vom Sofa. Heute sind mehr Deutsche Mitglied in Fitnessstudios, als es Mitglieder im DFB gibt. Heute sterben Millionen Hobbyathleten den Heldentod auf der Hantelbank oder hetzen sich in den Freizeit-Burn-out. Heute wissen wir alles über Latissimus und Laktatwerte. Aber wo ist der Spaß geblieben? Und wo der Trimm-Dich-Pfad?

Ein älterer Herr beendet unsere Schnitzeljagd. Links hoch, an der nächsten Gabelung geht es los. Die Holzpfähle mit den gezeichneten Übungen sehen schon etwas angemodert aus. Leicht zu übersehen für verpixelte Großstadtaugen. Wir beginnen mit Ausfallschritten und Sprüngen aus dem Stand, stehen auf einem Bein, kreisen mit den Armen, dehnen den Rumpf. Wie früher.

H. sagte begeistert zu, als ich den Ausflug vorschlug. Sie ist Schweizerin und hat ihre Kindheit quasi auf dem Vitaparcours verbracht. Der Rundkurs mit Übungsstationen war ursprünglich die Idee einer Schweizer Versicherung: Spaß für die ganze Familie, kein Leistungsdruck, Waldluft gratis. Natürlich waren die Geräte gepflegter, und unter ihnen gab es immer eine Lage von weichem Mulch.

Bei den Klimmzügen wird es ernst. Mit der Schwerkraft gibt es keine Diskussion. Es sei denn, man ist Bewegungsökonomin wie H. und hat eine Alternative gelernt: das Faultier, das sich mit Armen und Beinen an die Stange hängt. R. schafft fünf, mit zusammengebissenen Zähnen, wird aber von der goldenen Herbstsonne milde gestimmt. Dann hüpfen H. und R. wie Bambis seitwärts über Balken, balancieren darauf, machen mit entschlossenen Gesichtern Liegestütze und bestaunen dabei Löcher, die Berliner Wildschweine ganz ohne Übungsanleitung gebuddelt haben.

Am Ende treffen wir die Dame mit dem Hund wieder. Sie ist uns gefolgt und hat auch fast alle Übungen gemacht. Ist ja toll, so etwas direkt vor der Tür! Sie will wiederkommen. Wir auch.

Daten:

Adresse: Hüttenweg 90 in Berlin-Grunewald, am Parkplatz Forsthaus Paulsborn, Distanz: eine Runde circa 1,2 km, 21 Stationen, Öffnungszeiten: 0–24 Uhr, Eintritt: frei, Bundesweites Verzeichnis von Trimm-Dich-Pfaden unter: www.trimm-dich-pfad.com

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor

Kommentare

1 Kommentar Kommentieren

Hm, hier im Raum Leonberg, sind die leider so vermodert, das die meisten Sationen netfernt wurden, nur die übelsten Geräte sind noch da.
Sprossenstangen: Daran hängen und hoch die Beine, tut sau weh schaffe ich 3-5. Oder 2 Stangen, wo man sich in 2.5 Höhe über 3 m lang hangeln soll. Kehrtwende und zurück. Hin schaffe ich so gerade, Kehrtwende ist nicht, aber aus 2.5 runterplumpsen staucht auch ganz schön.