Gesellschaftskritik: Über Superkarrieren

© Louisa Gouliamaki/​Getty Images
Aus der Serie: Gesellschaftskritik ZEITmagazin Nr. 44/2014

Wir müssen noch mal auf Amal Clooney zurückkommen, Sie wissen schon. Die Hochzeit ist vorbei, jetzt müsste eigentlich Akt zwei folgen, zum Beispiel ein Foto, auf dem sie mit Elton John und seinem Innenarchitekten Vorhangstoffe inspiziert. Oder auf dem sie an der Seite von Gwyneth Paltrow einen Kabbala-Tempel verlässt und dabei ganz leicht nachdenklich schaut – war die Hochzeit doch zu viel für die unabhängige Anwältin!?

Aber nein, das passiert ihr natürlich nicht! Die Frau ist kein einfacher Hollywoodstar, sie ist Menschenrechtsanwältin, Rechtsbeistand für Julija Timoschenko, "Appointed Adviser to Kofi Annan, the Joint Special Envoy of the United Nations and the Arab League on Syrian Crisis" und "Counsel to the Inquiry into the use of drones in counter-terrorism operations", falls das jemand übersetzen mag. Was tut so jemand nach der Hochzeit? Sie kümmert sich um wichtige Dinge, stupid! Zum Beispiel, dass die "Elgin Marbels", die der gleichnamige Lord einst aus der Akropolis wegschaffte, an ihre Heimstatt zurückkehren. Drei Wochen nach ihrer Hochzeit sah man AC jetzt in dieser Sache mit griechischen Staatsoberhäuptern verhandeln, während sich Anwälte auf der ganzen Welt fragten, wieso ihre eigene Karriere eher so verläuft, dass sie die erste Hälfte mit, sagen wir, Verkehrsrecht verbringen, ehe sie sich mit 42 in einer langwierigen Wochenendfortbildung an ein neues Fachgebiet, sagen wir Miet- und Pachtrecht, wagen und dabei nicht nur nicht heiraten, sondern, im Gegenteil, ihren Lebenspartner wegen des ganzes Fortbildungsstresses fast verlieren. Egal. Wäre Amal eine Normalsterbliche, hätte George Clooney sie wohl kaum geheiratet.

Wie also geht es weiter? Unsere Vorhersage: Clooney wird Gouverneur von Kalifornien, wobei Amal, inzwischen Mutter von Zwillingen, bei der Inaugurationsfeier fehlt, weil sie gerade das Bernsteinzimmer gefunden hat und als "Counsel of the Special Envy of the Lord of the Flies" an einem Friedensplan für den Nahen Osten arbeitet. An ihrer Stelle verliest Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison ein kurzes Gedicht Amals mit dem Titel "Lost Marbles", das an die erste, aufregende Zeit ihrer Ehe erinnert, und George Clooney kündigt an, anlässlich der Reise des Paares zur Verleihung des Friedensnobelpreises in einer schlichten Barfußzeremonie am Strand einer Schäreninsel im privaten Rahmen das Eheversprechen zu erneuern, um damit gleichzeitig auf die Klimaerwärmung aufmerksam zu machen. Nach erfolgreichem Abschluss der Friedensverhandlungen will Amal Clooney zudem in Oxford eine Gastprofessur für Pacht- und Mietrecht ("law of tenancy") annehmen.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ZEITmagazins, das Sie am Kiosk oder online erwerben können.

Kommentare

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Keine Ahnung was die feiern! Interessiert mich auch nicht! War nicht eingeladen, hab als nix vom Essen abbekommen! :-)

alias Ignaz Wrobel. Starr vor stupidem Staunen schaue ich auf diesen exzellent geschriebenen Artikel, liebe Kolumnistin: Wie Miss Marble (die bekanntlich Fechtmeisterin gewesen ist) haben Sie die schockierenden Entwicklungsschübe von Kleinfamilie Clooney in futuro aufgedeckt und - nein, nicht mit dem Skalpell seziert, igitt ... vielmehr mit eleganten Parade-Riposte-Stößen Treffer um Treffer gesetzt. Erlauben Sie dennoch, daß ich die zu kurz gekommene Parallelkarriere des Georgios Stringeropulos anleuchte, dem Hintermann der zukünftigen griechischen Kulturministerin Amalina Marbellakis. Gouverneur im verdurstenden Kalifornien?! Ach was, er ist doch nicht ein Mann, der auf Fliegen starrt. Nein, er bereitet die filmische Fortsetzung vor: Monument's Männlein, seine Fliegen kleben im Bernstein - und er ist vorgealtert Cloonelius Gurrfit, in dessen 3. Haus im Salzkammergut Teile des Hochzeitszimmers von Katharina Praemerkelownaja versteckt waren, und der nun dringend des juristischen Beistandes der Macht- und Pachtjuristin Amalaurea Oxouniensis bedarf. Finale der Opera seria-buffa: Palazzo Vendramin in Venedig, George R. Wagner haucht in den Armen von Cosmamalina seine theatralische Seele aus, unter den Worten: Und Meyerbeer hatte doch recht, diese Camal ist zu groß für mich ...

Der Windmühlenbekämpfer ( des Englischen wohl nicht mächtig : ts ts ts - Zitat ) kennt wohlmöglich auch nicht das Idiom "Yours truly";)

Miss Marble wird Miss Marple geschrieben, weil sie nicht aus BW stammt. :-))))

Möglicherweise nehme ich das Ganze zu ernst, aber da ist der Kolumnistin ein kleiner Lapsus unterlaufen:
Friedensnobelpreise bekommt man nicht zwischen den vielen Schären im Übergang vom Mälaren in die Ostsee, in Stockholm, sondern 420 km weiter west-nord-westlich, in Oslo. Im Oslofjord gibt es zwar auch einige Inselchen, aber man pflegt sie leider nicht "Schären" zu nennen.